VfL Bad Wildungen feiert 150-jähriges

Im Verein ist Sport am schönsten

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Bad Wildungen - In der Wandelhalle feierte der VfL Bad Wildungen am Samstagabend seinen 150. Geburtstag mit Musik, Tanz und trotz des Verzichts auf Grußworte etlichen wortreichen Gratulanten.

Bad Wildungen. Im Jubiläumjahr mit einem Veranstaltungs-Reigen war dieser offizielle Festakt als „Fest der großen VfL-Familie“ angekündigt. Der größte Wildunger Verein hat derzeit 1080 Mitglieder, davon rund 60 Prozent Jugendliche. VfL-Vorsitzender Wolfgang Nawrotzki sagte, es sei schwer, über die sportlichen Aktivitäten in den Abteilungen hinaus das Vereinsleben in Schwung zu bringen und ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen. In der jüngeren Vergangenheit habe der Vorstand den Großteil seiner Arbeit investiert zur Sicherung des Aufschwungs im Handballsport: „Das ging manchmal bis an die Grenzen der Belastbarkeit.“ Umso betrüblicher sei das aktuelle sportliche und finanzielle Tief des Wildunger Handball-Bundesligateams. Als Hausherr gratulierte Bürgermeister Volker Zimmermann: „Bei der Gründung vor 150 Jahren gab es noch das selbständige Fürstentum Waldeck.“ Zimmermann glaubt, gerade in schwierigen Zeiten wie gegenwärtig gewinne der Verein an Bedeutung. Entscheidend sei das ehrenamtliche Engagement: „Davor ziehe ich den Hut.“ Einen Schwerpunkt der Feier bildete ein einstündiger Festvortrag von Professor Volker Ritter von der Sporthochschule Köln zum Thema: „Sportvereine in der Gegenwart – anachronistisch (entbehrlich) oder unentbehrlich?“ Rittner wies auf die wachsende Konkurrenz hin durch kommerzielle Anbieter und dem Trend zu einer individualistisch geprägten Sportwelt: „Immer mehr sportliche Aktivitäten werden ohne Verein organisiert.“ Grundsätzlich sei der Sport- und Körper-Boom ungebrochen, gewinne sogar noch an Bedeutung. Dabei spiele die Gesundheitsmotivation die Hauptrolle: „Dem Herzinfarkt davonlaufen.“ Und der Sport, so Rittner, werde älter und weiblicher. Rittners Fazit: Sportvereine, die wie alle Vereine unter der Erosion von Ehrenamtlichkeit litten, müssten sich auf die neuen Verhältnisse einstellen: „Sonst verlieren sie ihr Bedeutungs- und Organisationsmonopol.“ „Nicht ganz leichte Kost“, stellte VfL-Chef Nawrotzki am Ende des langen Vortrags fest, der einer Universitätsvorlesung glich. Landrat Dr. Reinhard Kubat brachte es danach mit einem Satz auf den Punkt: „Im Verein ist Sport am schönsten.“ Zugleich überreichten Kubat und das langjährige VfL-Mitglied, CDU-MdL Claudia Ravensburg, eine silberne Ehrenplakette des hessischen Ministerpräsidenten. Sportkreisvorsitzender Uwe Steuber steuerte eine Urkunde des Landessportbunds mit den Worten hinzu: „Verein ist der Ort der Zukunft.“ Schließlich gab es es einen „Turnvater-Jahn-Schild“ von Marianne Becker, der Vorsitzenden des Turngaus Waldeck: „Der VfL ist ganz wichtig für Stadt und Region.“ Der VfL Bad Wildungen bietet an: Badminton, Basketball, Eishockey, Fußball, Gesundheitssport, Gymnastik, Handball, Inline-Skating, Judo, Prellball, Radfahren, Schach, Tischtennis, Nordic-Walking, Schwimmen und Volleyball. Wie Wolfgang Nawrotzki mitteilte, ist eine weitere Abteilung „Boxen“ hinzugekommen, eine alte Wildunger Sporttradition. Im Gespräch ist weiterhin eine VfL-Abteilung für Tanzsport.Diese Nachricht passte hervorragend zum geselligen Teil der Jubiläumsfeier mit Showtänzen der Tanzschule Mundhenke und schwungvoller Tanzmusik der Russi-Radev-Combo. Jugendliche amüsierten sich in einer Disco. Ein Buffet mit kleinen „Häppchen“ war für das leibliche Wohl vorbereitet. Eine Austellung mit etwa 20 großformatigen Fotos erinnerte an die frühe Vereinsgeschichte.

Von Jürgen Minke

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