Stadt Bad Wildungen erhebt neuerdings Nebenkostenpauschale für Nutzer in Bürgerhaus und DGH

Die Vereine müssen zahlen

Bad Wildungen - Die neue Gebührenordnung für Gemeinschaftseinrichtungen versetzt Wildunger Vereine in Alarmstimmung. Die vom Stadtparlament rückwirkend zum 1. Oktober beschlossene Erhöhung der Nebenkosten reißt ein unerwartetes Loch in Vereinskassen.

Die Nutzung von DGHs und Bürgerhäusern für Übungsabende, Mitgliederversammlungen oder Altennachmittage durch gemeinnützige Vereine oder mit Zustimmung des Magistrats bleibt auch künftig kostenfrei. Neu erhoben von allen Nutzern wird jedoch eine Pauschale für Nebenkosten. Sie beläuft sich von Oktober bis April auf 40 Prozent und in den übrigen Monaten auf 20 Prozent der Benutzungsgebühren. Damit fallen beispielsweise für eine Turngruppe, die einmal pro Woche im Altwildunger Bürgerhaus übt (Benutzungsgebühr 50 Euro im kleinen Saal), 20 Euro Nebenkosten an einem Abend der Winter- und 10 Euro bei einem Treffen in der Sommersaison an.

Der Hundsdorfer Ortsvorsteher Horst Reis macht auf WLZ-Anfrage folgende Rechnung auf: „Bei unserem Sportverein, der das Gemeinschaftshaus mit mehreren Gruppen in der Woche nutzt, kommen damit 1500 bis 1600 Euro im Jahr zusammen – das kann sich der kleine Verein nicht leisten.“

Ähnlich sieht es sein Kollege Franz Berghoff, Ortsvorsteher in Wega: „Bei mir haben sich bereits mehrere besorgte Vereine gemeldet, sie können das Gemeinschaftshaus künftig aus finanziellen Gründen nicht mehr nutzen.“ Er ärgert sich, dass die Gebühr rückwirkend erhoben wurde, und die Ortsvorsteher damit vor vollendete Tatsachen gestellt wurden. Zahlen muss künftig auch der ehrenamtlich tätige Ortsbeirat, wundert sich der Wegaer.

Stadtkämmerer Günther Gutheil steht hinter der neuen Gebührensatzung: „Sie ist nicht unproblematisch, aber gerechtfertigt.“ Bislang blieb die Stadt auf Kosten für Strom, Heizung, Wasser, Kanal und Niederschlagswasser sitzen. Die Kosten, die einige Nutzer verursachten, belasteten aber alle anderen Bürger. Das soll sich ändern – die Nebenkosten werden nun an die Nutzer weitergegeben. Auch an die Ortsbeiräte, die in Wildungen mit eigenen Etats ausgestattet sind. Der Gebührenhaushalt Gemeinschaftshäuser weist eine Unterdeckung von 329 000 Euro auf.Im Vergleich zu Wildunger Vereinen, die ein eigenes Vereinsdomizil betreiben, kommen Vereine, die sich in Gemeinschaftshäusern treffen, immer noch deutlich günstiger davon, ist sich Gutheil sicher.

In den kleinen Dörfern hat das Dorfgemeinschaftshaus große Bedeutung für ein funktionierendes Vereinwesen, betont Hundsdorfs Ortsvorsteher Reis und folgert: „Wir hoffen, dass die Gebühr wieder wegfällt.“ Hundsorfer und Braunauer Vereinsvorstände hätten bereits Schreiben an Bürgermeister Volker Zimmermann angekündigt, wollen die finanzielle Notlage schildern.Das Stadtparlament hat vor einer Woche mit Mehrheit die neue Gebührensatzung beschlossen (WLZ berichtete). Horst Reis übte in seiner Funktion als FWG-Abgeordneter als Einziger Kritik an der neuen Satzung. Gekippt werden könnte die inzwischen gültige Gebührensatzung nur durch einen neuen Vorstoß. Eine Möglichkeit hat der Hundsdorfer bereits ins Auge gefasst: „Als Ortsvorsteher eine Eingabe machen und einen neuen Antrag stellen.“ (höh)

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