Bernhard Weller verlangt von Parlamenten Umdenken in der Kulturpolitik

Vereine wanken - Ersatz gefragt

Bad Wildungen - Der Wildunger Kulturbeauftragte Bernhard Weller fordert die heimischen Parlamente zu einem Umdenken in der Kulturpolitik auf – weg von der Fixierung auf die zunehmend angeschlagenen Vereine, hin zur Unterstützung zeitgemäßer Kulturarbeit.

Er geht davon aus, dass die Vereine im Zuge des demografischen und gesellschaftlichen Wandels weiter an Mitgliedern verlieren und vor allem dramatisch wachsende Schwierigkeiten bekommen, Freiwillige für die Ehrenämter zu finden.

Der Kreis und die Kommunen müssen in die Bresche springen, verlangt Weller, denn Kultur sei nur auf dem Papier eine „freiwillige Aufgabe“ der Städte und Gemeinden. Von Abwanderung gebeutelt Tatsächlich bestehe „in unserer von Abwanderungen gebeutelten Region ein Zwang, den Menschen Gründe für ein Hierbleiben zu eröffnen“, sagte Weller auf der Mitgliederversammlung des Kellerwaldvereins in der Wildunger Wandelhalle.

Anbindung, Jobs, Kultur

Er zitierte Experten, die drei wesentliche Faktoren für positive Entwicklungschancen von Regionen nennen würden. Neben Verkehrsanbindung und Arbeitsplätzen zähle dazu die Lebensqualität, die sich in Kultur- und Freizeitangeboten niederschlage. Die Fehler der aktuellen Kulturpolitik benannte Weller am Beispiel der Musikschulen, deren Kreisverbandsvorsitzender er ist. Ausgenommen Bad Wildungen und Edertal entzögen sich die Gemeinden ihrer Verantwortung für diese Einrichtungen. Zurück in gedankliche Enge? Nicht einmal 20?000 Euro für den angedachten Musikschulbus seien vom Kreis zur Verfügung gestellt worden. Die Bedeutung der Musikschulen steige aber, weil traditionelle Angebote wie das der Chöre zurückgingen, prophezeite der Wildunger Kulturbeauftragte. Man könne es bedauern, dass sich soziale Gemeinschaften auflösen, die früher als stark und notwendig galten, „andererseits will wohl keiner mehr zurück in die gedankliche Enge, die sich auch damit verband“, unterstrich Weller.

Er fordert dreierlei:

- das Einführen einer Kreisumlage für Kulturarbeit (durch Kreisumlagen holt sich der Kreis Geld von den Kommunen für festgelegte Zwecke).

- das Setzen von Schwerpunkten in der Kulturarbeit mit einem Umsteuern finanzieller Unterstützung zu Gunsten von Initiativen wie Projektchören, Theaterprojekten oder zeitlich befristeten Angeboten à la Senioren- und Kinder-Uni.

- den Aufbau von Partnern, die in Zukunft vermehrt anstelle der schrumpfenden Vereinslandschaft die Kulturarbeit tragen (Beispiel Musikschulen). „Kultur ist das soziale Projekt in unserer Region“, bekräftigte Weller. Er sieht Bereiche des freiwilligen Engagements der Kommunen, in denen sich zugunsten der Kultur sparen ließe.

Als Beispiel nannte er die nach wie vor große Zahl von Dorfgemeinschaftshäusern. Oft könnten sich zwei Orte ein solches Gebäude in der Nutzung teilen, meint Weller.(su)

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