Von vier Investoren blieb nur einer übrig – Haus Oestreich soll im Bestand saniert und umgebaut werd

Verkauf an Stuhlmann beschlossen

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Das Parlament stimmte dem Verkauf des Hauses Oestreich (rechts) an Harald Stuhlmann zu und verspricht sich städtebauliche Entwicklung an dieser prominenten Stelle, auch im Einklang mit der benachbarten Immobilie (NKD), die sich in Stuhlmanns Besitz befindet.Foto: Höhne

Bad Wildungen - Vier Investoren buhlten um das Haus Oestreich. Einer wurde vom Parlament abgelehnt, zwei Mitbewerber warfen das Handtuch. Am Ende bleibt aus dem Quartett nur noch ein Wildunger Geschäftsmann übrig, der Interesse an der Immobilie hegt. Das Stadtparlament tat sich am Montagabend schwer, bis es sich zu einem Verkauf an Harald Stuhlmann durchrang. Skepsis lag in der Luft.

Dr. Edgar Schmal übernahm die Sitzungsleitung von Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nawrotzki, der zum Kreis der Investoren zählte und aus Befangenheit den Sitzungssaal verließ. „Holprig“ war der bisherige Weg der Immobilie, die nach langjährigem Leerstand vor einem Jahr in städtischen Besitz überführt wurde, kommentiert Schmal.

Und holprig geht es weiter: Eine interessante Variante - türkisches Hamam-Bad mit Restaurant - scheidet schon kurz nach dem Start aus. Der Interessent zieht zurück. Der Magistrat schießt sich auf die Neubau-Pläne der Wetzlarer Gruppe Scholz ein. Sie will Läden und Wohnungen bauen. Kaufpreis: 300000 Euro. Aber das Parlament kickt den Vorschlag aus dem Rennen, will Scholz wegen seines Ausstiegs aus der Fürstengalerie vor zehn Jahren keine zweite Chance einräumen. - Da bleiben nur noch zwei.

Harald Stuhlmann plant einen Umbau im Bestand mit 80 Prozent Läden und 20 Prozent Wohnungen auf 1070 Quadratmeter Nutzfläche zum Kaufpreis von 265000 Euro - so viel, wie die Stadt selbst bezahlt hat.

Neubau mit Einbezug des Nachbarareals ist Ziel des Großprojekts einer Gruppe um Wolfgang Nawrotzki (mit Wolfgang Ochs, Bernd Gehring). Knackpunkt: Stellplätze sind von der Stadt abzulösen und verteuern das Projekt. Als Preis soll der Bodenrichtwert abzüglich der Abrisskosten entrichtet werden.

Eine „große Lösung“ zwischen Stuhlmann und Nawrotzki, die das Parlament am 2. März anregt, ist gescheitert. Am Montagabend gibt Dr. Schmal überraschend bekannt, dass nun auch Nawrotzki zurückgezogen hat. „Es bleibt nur noch der Vorschlag Stuhlmann.“ Uwe Gimpel stellt für die CDU den Antrag, die Immobilie zum vereinbarten Preis an den Wildunger zu verkaufen. Es handele sich um eine realistische Lösung, die gute Entwicklung an dieser prominenten Stelle am Scharnier biete. „Das Konzept könnte zügig umgesetzt werden.“

Unterstützung kommt von Jörg Schäfer (FDP): „Das ist eine sehr gute Lösung, Herr Stuhlmann hat die Möglichkeit, das Haus Oestreich und sein anderes Gebäude so in Schuss zu bringen, dass es einen Mehrwert hat.“ Das bezweifelt allerdings der fraktionslose Abgeordnete Jürgen Graul. Die Jury im Scharnier habe gerade das Gebäude Stuhlmann (NKD) „als das mangelhafteste in der Zeile bezeichnet“. Der Architekt sagte frank und frei: „Ich vertraue Herrn Stuhlmann nicht, dass er eine durchgreifende Änderung beim Haus Oestreich durchführt.“ Graul regt an, Scholz wieder einzubinden. Ziel: ein Neubau.

Keine neue Diskussionsrunde

Auch Klaus Stützle (Bündnis 90/Grüne) bricht eine Lanze für die Wetzlarer. „Das waren für mich diejenigen, die unsere Vorgaben abgearbeitet haben.“ Er beantragt, Kontakt zur Unternehmensgruppe aufzunehmen. „In der Öffentlichkeit macht es ein bisschen den Eindruck, als ob das G’schmäckle hätte.“ Thomas Buch (Grüne) rückt Stützles Aussagen prompt zurecht: „Weder Antrag noch Ausführungen sind Meinung der restlichen Fraktion.“

Bernd Süring (SPD) bedauert, dass es nicht zu einer Lösung der beiden Mitbewerber kommt. „Wir wollen aber nicht im Wege stehen, wenn sich was entwickelt.“ Seinen Vorstoß, nicht über einen Verkauf abzustimmen, sondern eine neue Diskussionsrunde einzuleiten, wehrt Gimpel ab. „Rechtlich ist es nicht möglich, zurückzugehen, weil wir einen Beschluss gefasst haben.“

Der Antrag von Klaus Stützle wird abgelehnt. Mit 17 Ja-Stimmen, drei Gegenstimmen und zehn Enthaltungen (aus den Reihen der SPD) stimmt das Parlament dem Verkauf an Harald Stuhlmann zu, der die Debatte aus dem Publikum mit verfolgt.

Von Conny Höhne

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