Nach 20 Jahren vergeblichen Wartens

Verkehrsberuhigung für Wega kommt

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Bad Wildungen-Wega - Ein Mann, ein Wort: Hessens Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch hat den Wegaern bei seinem Besuch an Ort und Stelle am Mittwoch in die Hand versprochen, dass sie nach 20 Jahren des Wartens endlich ihre Verkehrsberuhigung auf der Ederstraße bekommen.

Und das hängt nicht vom Ausgang der Wahl ab. „Die bestehende Landesregierung ist auf jeden Fall bis zum 18. Januar im Amt und bis dahin haben wir eine pragmatische Lösung gefunden. Das wird von mir vorgegeben“, sicherte Saebisch zu. Zusage nach Besuch bei WLZ Sein Besuch geht zurück auf ein WLZ-FZ-Redaktionsgespräch von Wirtschaftsminister Florian Rentsch im Frühjahr. Vom Redaktionsteam auf den Verkehr in Wega angesprochen, versprach er, sich die Lage selbst noch vor der Wahl anzuschauen. Sein Terminkalender ließ das zwar nicht zu, aber die Wegaer waren sehr zufrieden, dass sich im Staatssekretär erstmals ein hochrangiger Vertreter des Ministeriums ihres Problems annahm. Steffen Saebisch kündigte an, unverzüglich eine Runde aus Vertretern von Ministerium, Landkreis, Regierungspräsidium und Stadt einzuberufen, die gemeinsam mit dem Ortsbeirat das geeignete Wie der Verkehrsberuhigung berät. Zebrastreifen, Tempo 40, Schlafampel oder Verkehrsinsel stehen zur Debatte, wobei der Zebrastreifen nach übereinstimmender Ansicht von Stadt und Ortsbeirat nicht in Frage kommt, weil er eine nur trügerische Sicherheit vermittelt. Für eine Schlafampel – laut Ortsvorsteher Franz Berghoff die Favoritenlösung des Ortsbeirates – „Vor 20 Jahren wurde ich Ortsvorsteher in Wega. Damals haben wir uns vorrangig zwei Dinge vorgenommen: aus dem Parkplatz einen Dorfplatz zu machen und eine Verkehrsberuhigung zu bekommen“, erinnerte Berghoff. Teil eins des Vorhabens ist lange erfüllt und mehr noch: Wega hat sich in diesen zwei Jahrzehnten herausgeputzt und attraktiver gestaltet, ob am Dorfplatz mit Koppenretscherbrunnen und Mühlenmodell, ob am Spielplatz oder an der alten Viehwaage im Mühlenbachweg. Doch ein Dorf kann sich Beine ausreißen: Wenn Eltern Sorgen hegen, ob ihre Kinder sicher über die Hauptstraße kommen und ältere Leute Angst haben, die Fahrbahn zu überqueren, leidet darunter die Lebensqualität im Ort beträchtlich. Die übergeordneten Behörden focht das zwei Jahrzehnte lang nicht an. Stets aufs Neue verwiesen Ministerium und Landkreis auf formal zu geringe Verkehrszahlen – ein Totschlagargument auf dem platten Land. Unterstützung erfuhren die Wegaer in den vergangenen Jahren lediglich von der Stadtverwaltung, den Stadtverordneten und Bürgermeister Volker Zimmermann, betonte Berghoff. Offenbar hätten sich in den Behörden Positionen „einbetoniert“, meinte Saebisch. Am Mittwoch erlebte er selbst die Realität, wie die Dorfbewohner sie empfinden: Zu bestimmten Zeiten – in diesem Fall am frühen Mittag – fährt ein Lkw nach dem anderen durch den Ort und dazu gesellen sich jede Menge Pkw. Der Staatssekretär musste teils rufen, damit er verstanden wird. Entlang der Straße liegen Schulbushaltestelle, Dorfplatz, Kirche, Friedhof. „Ich habe selbst Kinder im Alter von 15 und 8 Jahren. Ich kann ihre Sorgen gut nachvollziehen“, sagte er den anwesenden Eltern. Bei einem Rundgang schilderten die Bürger zusammen mit dem Bürgermeister und Ordnungsamtsleiter Martin Segeler dem Gast im Detail die Probleme an der Straße. Bürger, Verwaltungsmitarbeiter und Politiker diskutierten anhand von Karten und Fotos über die verschiedenen Lösungsansätze. Das setzte sich später bei einem Imbiss im DGH fort.Der Landkreis äußerte sich gestern auf WLZ-FZ-Anfrage bis Redaktionsschluss noch nicht zur neuen Situation und zu den Stellungnahmen von Steffen Saebisch in Wega.

Von Matthias Schuldt

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