Mehr als 300 Gäste beim WLZ-Wahlforum zur bevorstehenden Bürgermeisterwahl in Bad Wildungen

Viel Einigkeit in den wichtigen Fragen - Video

Viel Einigkeit in den großen Fragen der Stadt, aber auch unterschiedliche Lösungsansätze: Die beiden Kandidaten um das Bürgermeisteramt präsentierten sich am Donnerstag fair im Umgang miteinander, sachlich und redegewandt.

Bad Wildungen - Beide Kandidaten präsentierten sich gut informiert und eloquent, beide vermieden große Wahlversprechen, beide sind sich in vielen grundsätzlichen Fragen einig. Und dennoch zeigten sich beim Wahlforum in der Wandelhalle einige Unterschiede zwischen Amtsinhaber Volker Zimmermann und Herausforderer Ulrich Tent.

Das Wahlforum solle keine politische Lehrstunde werden, versprach das Redaktions- und Moderationsduo Conny Höhne und Matthias Schuldt zu Beginn des Abends – und die zwei behielten recht: Der Abend bot eine bunte Mischung, in der die großen Themen der Badestadt – Kurhaus, Heloponte, Altstadtentwicklung, demografischer Wandel – im Mittelpunkt standen, aber auch kurzweilige, persönliche Informationen über Volker Zimmermann (FDP) und Ulrich Tent (CDU) nicht fehlten.

Schokolade und Lakritz

Zum Einstieg war die künstlerische Ader der Kandidaten gefragt: Sie betätigten sich als „Montagsmaler“ und zeichneten Begriffe wie Kurschatten, Schneewittchen, Kreisel oder Kurhaus an eine Leinwand – das Publikum riet mit. Damit hatten Schuldt und Höhne erreicht, dass die Kandidaten sichtlich an Anspannung verloren. Auch zwischendurch lockerten die Moderatoren das Programm mit unerwarteten, amüsanten Fragen auf. So erfuhren die mehr als 300 Bürger im Saal zum Beispiel, dass Tent sein Taschengeld als Kind am liebsten für Vollmilch-Nuss-Schokolade ausgab, während Zimmermann lieber gezuckerte Lakritzstafetten kaufte.

Schüler des Gustav-Stresemann-Gymnasiums hatten im Politikunterricht einige Fragen vorbereitet und nannten als Wünsche unter anderem ein Kino und alternative Treffpunkte zum Jugendhaus. In vielen Punkten bestätigte sich der Eindruck, den die beiden Kandidaten im bisherigen Wahlkampf bereits vermittelt hatten: In einigen Fragen sind sie sich einig: Beide plädieren grundsätzlich für den Erhalt von Kurhaus und Heloponte; beide wollen die Wirtschaft in der Stadt stärken; beide halten den Herkules-Standort an der Odershäuser Straße für wichtig und beide befürworten die Wünsche der Jugendlichen nach Musikfestivals und weiteren Treffpunkten.

Einigkeit herrscht auch über die hohe Bedeutung des Anruf-Sammel-Taxis in den Ortsteilen und des Wirtschaftszweiges der „Weißen Industrie“ und der damit verbundenen Arbeitsplätze in Mittelstand und Handwerk. Das Publikum war gefordert: Abwechselnd gaben die Moderatoren den „Wellungern“ im Saal nicht nur die Möglichkeit, ihre eigenen Fragen zu stellen, sondern baten auch um Antworten: Welche Geschäfte fehlen in der Altstadt? Was gefällt ihnen an Bad Wildungen nicht? Zimmermann und Tent nutzten die Gelegenheit, nicht nur auf die Fragen der Moderatoren zu antworten, sondern auch miteinander zu sprechen.

Stadtrat Tent nutzte das Forum für den ein oder anderen Vorwurf in Richtung Amtsinhaber: So seien unter dessen Ägide Ansätze für ein Kino im Kurhaus „versickert“. Kritik übte er auch am Gründerzentrum. Volker Zimmermann beeindruckte das wenig: Er verwies zum Thema Kino auf die völlig überzogenen Kosten; der städtische Anteil hätte schon nur für den Bau 900 000 Euro betragen. „Das überschreitet jedes Maß.“ Stattdessen stehe der Standort auf dem ehemaligen Herkules-Gelände noch immer im Raum. Beim Gründerzentrum habe das Konzept einfach nicht funktioniert, weil der Bedarf nicht vorhanden sei. „Die, die in das Gründerzentrum einziehen könnten, sind nicht darauf angewiesen“. Wer noch Fragen an die Kandidaten stellen möchte, sendet diese bitte per Mail an bad.wildungen@wlz-fz.de.

Von Kurhaus bis Finanzen

Bei einigen großen Themen haben die Kandidaten unterschiedliche Ansätze: l?Heloponte: Volker Zimmermann plädiert für die Sanierung plus eine Erweiterung der Sauna und ein zusätzliches Solebecken. Er will damit mehr Einnahmen generieren. Ulrich Tent spricht sich nur für eine Sanierung des Bestandes und höchstens eine kleine Erweiterung des Saunabereiches aus, um bei den Investitionen zu sparen. l?Kurhaus: Ulrich Tent findet, dass die Stadt das Kurhaus in den vergangenen Jahren hat herunterkommen lassen. Dem hält Zimmermann entgegen, dass die von ihm verlangten 300?000 Euro für Sicherheitstechnik im Eingangsbereich im vergangenen Jahr aus dem Haushalt gestrichen wurden. l?Finanzen: Volker Zimmermann betonte, dass bereits „schmerzhafte Entscheidungen“ getroffen wurden, um Geld zu sparen und nannte die Privatisierung des Kurzentrums, die Auflösung der Wirtschaftsförderung und die Aufgabe der Berufsakademie sowie den Wiedereintritt in den EWF-Zweckverband. Ulrich Tent hingegen will stattdessen höhere Einnahmen generieren, etwa durch den Ausbau der frühkindlichen Förderung und die Bemühung um neue Bürger. (apa)

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