Bauarbeiten in Fritzlar fallen zusammen mit Schließungen und Veränderungen in der Geschäftswelt

Vieles verändert sich am Marktplatz

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Ein Teil des Marktplatzes soll bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes fertig und für den Publikumsverkehr freigegeben werden. Der Weihnachtsmarkt wird trotzdem an den Domplatz verlegt.

Fritzlar / Bad Wildungen - Fritzlar, du hast es besser, denken viele Wildunger. Aber auch die Domstadt hat ihre Baustelle mitten im Zentrum, und in der Geschäftswelt rumort´s deshalb an der einen oder anderen Stelle. Außerdem schließen einige Läden, zumeist allerdings nicht wegen der Bauarbeiten.

Haupt- gründe für Kritik: ein aus Sicht mancher Gewerbetreibender schlechter Informationsfluss über den Fortgang der Arbeiten sowie unzureichende Beschilderung von Sperrungen und Ausweichwegen für die Fußgänger.

50 Prozent Umsatzeinbuße

Geschäftsleute und Gastronomen vermelden Umsatzeinbrüche von mindestens 50 Prozent. Werte, wie sie auch in Bad Wildungen während der Bauphasen zu hören waren. Umso wichtiger ist aus Sicht der Betroffenen ein guter Kontakt zwischen Bauamt, Firmen und Anliegern, um den unvermeidlichen Schaden so gering wie möglich zu halten.

Junges Geschäft gibt auf

Während in dieser Hinsicht das Bauamt und die Baufirmen in der Badestadt häufig Lob kassierten, „fühlen wir uns allein gelassen“, meint Manuela Hopp aus Fritzlar. Sie sieht sich mit ihrem erst 14 Monate alten Geschäft für regional erzeugte Spezialitäten besonders hart getroffen. „Ich muss den Laden wegen der Bauarbeiten schließen“, sagt sie. Die Vermieter suchen einen neuen Pächter für die kleine Fläche direkt am Marktplatz. Manuela Hopp fühlt sich weder von der Stadtverwaltung noch vom Stadtmarketing mit ihren Sorgen ernst genommen. Die einzige Unterstützung habe in Fotos bestanden, die von den Anliegergeschäften des Marktes geschossen worden seien und die nun am Bauzaun hängen. „Dafür mussten wir 70 Euro extra zahlen“, fügt die Fritzlarerin hinzu.

Café-Hahn-Betreiber hören auf

Die Betreiberin des traditionsreichen Cafés Hahn nahe dem Marktbrunnen sieht das ähnlich: „An einem Tag war plötzlich mein Haupteingang versperrt und mir wurde mitgeteilt, meine Gäste könnten den Nebeneingang nutzen.“ Bloß befinden sich dort Stufen, und just für jenen Tag hatte sich eine Gruppe mit Gehbehinderten angesagt. Täglich schaue sie selbst nach, welche Wege für Fußgänger noch benutzbar seien, und hänge eigene Hinweisschilder auf ihr Geschäft aus, ergänzt die Betreiberin des Cafés. Die Teilnahme am für 2013 verlegten Weihnachtsmarkt hat sie abgehakt, weil sie ihre Produkte nicht aus dem Laden heraus verkaufen kann und die Einrichtung eines eigenen Standes auf dem Domplatz sich nicht rechne.

Kleeblattladen schließt

Nach 14 Jahren wollen ihr Mann und sie demnächst das Café Hahn aufgeben. Allerdings nicht wegen der Baustelle, sondern aus gesundheitlichen Gründen. Die Suche nach Nachfolgern laufe.

Das Gleiche gilt für den seit vielen Jahren in der alten Adler-Apotheke befindlichen Kleeblattladen des Lebenshilfe-Werks Waldeck-Frankenberg. „Wir schließen“, bestätigt Dr. Wolfgang Werner, Geschäftsführer des Lebenshilfe-Werkes.

Ursache sei nicht die Baustelle, betont auch er. Gleichwohl spielen gesunkene Umsätze eine Rolle für die Entscheidung. Die Konkurrenz des neuen, großen tegut-Marktes an der Stadthalle drückt die Einnahmen.

Hauptgrund ist aber, dass der Fritzlarer Kleeblattladen kaum einen Beitrag zur Hauptaufgabe des gemeinnützigen Lebenshilfe-Werks leisten kann: Menschen mit Handicap im ersten Arbeitsmarkt zu beschäftigen.

Ausbau keine Alternative

Direkt ist das in dem Laden wegen seiner geringen Größe unmöglich - anders als etwa im Korbacher CorVita-Kaufhaus. Indirekt könnte der Laden das Ziel unterstützen durch den Verkauf von Lebenshilfe-Produkten. „Dieser Aspekt fällt in Fritzlar kaum noch ins Gewicht, seit wir unseren Kleeblatt-Brotgarten in Frankenberg vor zwei Jahren geschlossen haben“, erläutert Werner. So verbleibt im Wesentlichen das Gemüse aus dem Bio-Garten in Flechtdorf, doch der Transport nach Fritzlar rechnet sich bei Abnahme von wenigen Kisten pro Woche nicht.

Perspektiven für einen Ausbau des Geschäfts mit Imbiss nach Korbacher Vorbild sieht Werner in der Domstadt nicht, allein, weil es zu teuer wäre, Barrierefreiheit herzustellen: „Wir befinden uns aber nach einem Inserat im Gespräch mit zwei ernsthaften Interessenten, die den Laden in Eigenregie weiterführen könnten, so, wie eine ehemalige Mitarbeiterin von uns das in Bad Wildungen tut“, fügt der Geschäftsführer des Lebenshilfe-Werks hinzu.

Adler-Apotheke bald zu

Weitere Änderungen entlang der Schaufenster um den Markt stehen an. Denn Apotheker Klaus-Jürgen Steinmetz, der vor vielen Jahren auch in Bad Wildungen tätig war, schließt seine Adler-Apotheke aus Altersgründen und plant für die Fläche eine andere Nutzung. Als Vermieter des Kleeblattladens setzt er darauf, dass es dort mit der Nachfolge wie geplant klappt.

Gegenüber hat gerade erst ein kleines Modegeschäft geschlossen, aber auch auf dieser Fläche tut sich etwas. Sie wird ganz offensichtlich durch Umbau und/oder Sanierung für eine Nutzung vorbereitet.

Trotz Kritik an der Baustelle und trotz der beschriebenen Veränderungen hält Steinmetz die Chancen für die Neuvermietung frei werdender Geschäftsflächen in Fritzlar für höher als in Bad Wildungen. Das sehen offenbar etliche Badestädter ähnlich.

Wildunger investieren zunehmend in Fritzlar

Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat weist die Kritik einiger Geschäftsleute am Baustellenmanagement zurück. Er selbst und das Stadtmarketing hielten ebenso regelmäßigen Kontakt zu den Ladeninhabern wie die Baufirma aus Bad Arolsen, die einen guten Ruf im Umgang mit Baustellen in Innenstädten genieße.

Jeden Dienstag informiere der Bauleiter nach der Baubesprechung die anliegenden Geschäfte über den Fortgang. Schilder für Fußgänger würden installiert. Wie lange die Arbeiten auf dem Marktplatz dauern, kann der Bürgermeister nicht sagen: „Das hängt davon ab, wann der Frost kommt.“ Weihnachtsmarkt und Advent in den Höfen seien ohne Einbeziehung des Marktplatzes geplant, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. Etwas mehr als die Hälfte des Platzes könnte trotzdem zum Weihnachtsgeschäft fertig und für den Publikumsverkehr frei gegeben werden, fügt er hinzu.

Die Vermietung frei werdender Flächen bereitet Hartmut Spogat keinerlei Kopfzerbrechen. „Sie liegt in den Händen der Eigentümer, aber gemeinsam mit dem Stadtmarketing schalte ich mich parallel ein, weil wir eine Liste von Interessenten haben, die in der Kernstadt investieren möchten“, sagt der Bürgermeister. Interessenten von außerhalb, von denen eine ganze Reihe aus Bad Wildungen stamme. Gerade erst habe ein Wildunger das ehemalige Gasthaus zur Post erworben.(su)

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