Einbruch ausgerechnet zur Hauptsaison: Gastronomen dennoch zufrieden mit der Saison am See

Voller Edersee trotzt Wetter-Schock

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Edersee - Der verregnete Frühsommer verhagelte den gastronomischen Betrieben die Hauptsaison. Dennoch ist das Jahr am Edersee aus Sicht heimischer Gastgeber und Gastronomen zufriedenstellend verlaufen.

Die Tourismus-Branche am Edersee ist vielversprechend in die Saison gestartet und wurde von den regenreichen Wochen im Juni/Juli kalt erwischt. „Das waren sonst Spitzenmonate“, vergleicht Christian Gerlach, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Bad Wildungen und Umgebung. In seinem Hotel in Nieder-Werbe verbuchte er in dieser Zeit einen Rückgang von 25 Prozent.

Mit dem guten Wetter strömten dann zwar wieder die Gäste an den See, aber die Verluste glichen sie nicht aus. „Wir sind froh, wenn wir am Ende des Jahres den Vorjahresstand erreichen.“ Das sei auch eine Folge des niedrigen Wasserstands in 2011. „Wir brauchen drei bis vier Jahre, um aufzuholen, was ein leerer See zur Hauptsaison in einem Jahr kaputt gemacht hat.“

Das spürten auch die Betreiber der Campingplätze auf der Halbinsel Scheid. „Es hätte besser sein können“, urteilt Klaus Fiedel vom Campingplatz Pferdekoppel über die Belegung. „Anfang der Ferien war es noch gut, aber im Herbst wurde es ganz schlecht.“ Auf dem Nachbarbetrieb Seemannsheim wurden in der Saison 2012 mehr Übernachtungen und mehr Gäste gezählt. „Aber bei den Dauerplätzen ist es etwas weniger geworden“, sagt Wilhelm Höhle.­ Ein Argument für den Rückgang: „Die Infrastruktur müsste am Edersee besser sein.“

Etwa 10 bis 15 Prozent weniger Gäste wurden auf dem Baumkronenpfad gezählt. „Die Verluste aufgrund des schlechten Wetters konnten nicht mehr aufgeholt werden“, erläutert Heid­run Werner.

„Nationalpark kommt einfach nicht ins Laufen“

Roger Hattwich vom Terrassenhotel Restaurant „Loghouse“ dagegen ist „zu 100 Prozent zufrieden“. Während der Schlechtwetter-Periode registrierte er zurückhaltendes Buchungsverhalten mit Stornierungen. Zunehmend mehr Urlauber seien jedoch bereit, mehr Geld für Qualität auszugeben. Sein Restaurant profitiere von der Lage an der Sperrmauer, und das Hotel sei als Tagungsquartier zunehmend beliebter. „Wir haben auch über den Winter gut zu tun“, freut sich der Chef. Am Edersee sei viel passiert in Sachen Infrastruktur, verwies er auf Rad- und Wanderwege oder den Baumwipfelpfad. Die Edersee Touristic habe gerade beim Service gute Arbeit geleistet. Bedenklich stimmt ihn ein anderer touristischer Leuchtturm: „Der Nationalpark kommt einfach nicht ins Laufen.“ Das zeige die Gästebefragung.

Keine großen Einbrüche hatte das Hotel Roggenland zu verzeichnen. „Die Saison ist recht gut verlaufen“, zieht Peter Roggenland Bilanz. Mit Tagungsgästen und der Wellness-Schiene war das Hotel auch in den kalten und nassen Sommermonaten gut belegt. „Unsere Gäste haben sich nicht vom Wetter abbringen lassen.“

Nicht nur die großen Beherbergungsbetriebe, sondern auch Pensionen und Gastgeber von Ferienwohnungen meldeten guten Besuch, beobachtete Franziska Brauer vom Bürger- und Tourismusbüro der Stadt Waldeck. „Gastgeber, die am Puls der Zeit sind, waren überwiegend sehr zufrieden.“

Zum Saison-Abschluss versöhnlich

Das unterstreicht auch Claus Günther, Geschäftsführer der Edersee Touristic. „Es gibt Häuser mit über 200 Belegtagen - das sind Top-Werte und kaum zu steigern.“ In der Statistik der Betriebe ab zehn Betten schneidet Edertal von Januar bis September mit einem leichten Minus ab, in Vöhl nahm die Zahl der Gäste zu, die der Übernachtungen ging zurück und bei den großen Waldecker Betrieben, die in der ET sind, seien die Zahlen stabil geblieben.

Aber der „goldene Oktober“ mit bestem Ausflugswetter ist noch nicht enthalten. Da ist noch einiges zu erwarten. Zufrieden zeigte sich Günther mit den Tagesgästen und registrierte einen Rekord bei den Wanderungen. 500 Teilnehmer waren zwischen April und Oktober der „Natur und Technik“ auf der Spur. „Da haben wir enorm zugelegt.“

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