Ehrenamtliche Organisatoren der „Mauer-Power“ mit Badewannen-Rennen hören auf

Vorläufiger Abschied vom beliebtesten Edersee-Fest

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Edertal - Über Jahre war sie für viele Gäste und Einheimische der Höhepunkt im Edertaler Festkalender: die „Blaue Nacht der Generationen“, später „Mauer-Power“ genannt.

Die ehrenamtlichen Organisatoren setzten mit der Ausgabe 2014 dem Jubiläumsjahr der Talsperre die Krone auf. Die letzte Rakete des beliebten Feuerwerks beendete im vorigen Sommer diese Erfolgsgeschichte. Die Macher des Ereignisses hören auf, weil die enorme Arbeitsbelastung und die Dimension des Festes die Kapazitäten ehrenamtlichen Engagements auf Dauer übersteigen. Ortsbeirat, Verkehrsverein, Karnevalsverein und Feuerwehr fällten die Entscheidung gemeinsam.

Die Gemeinde Edertal versucht, das Fest am Leben zu erhalten und einen gewerblichen Veranstalter zu finden, der es übernimmt. Das kündigte Bürgermeister Klaus Gier in der Gemeindevertreterversammlung an.

Ortsvorsteher Jens Schulze und Frederik Westmeier als Vorsitzender des Verkehrsvereins zählten zu den treibenden Kräften des Großereignisses. Im harten Kern knapp zehn Mitstreiter trugen die Mauer-Power über die Jahre hinweg. „Die Arbeitsstunden haben wir nie dokumentiert oder auch nur zusammengezählt, aber der Aufwand war enorm“, sagt Westmeier. Das wirtschaftliche Risiko etwa bei schlechtem Wetter, die steigenden Auflagen für die Bewirtung, die Steuerpflicht angesichts der Dimension der Veranstaltung oder die Haftungsrisiken erhöhen den Druck, der auf den Schultern der Verantwortlichen lastet.

Ortsvorsteher Jens Schulze nahm jeweils eine Woche vor und eine Woche nach der Mauer-Power Urlaub, um den Anforderungen gerecht zu werden. Andere ehrenamtlich Aktive taten es ihm gleich. Ohne sie wäre nichts gegangen. „Wir haben bewiesen, dass ein kleines Dorf eine Großveranstaltung auf die Beine stellen kann. Motivation war uns immer das Jubiläumsjahr 2014, und wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben“, erklärt Schulze.

Künftig brauchen er und Westmeier die bislang auf die Arbeit am Event entfallene Zeit für berufliche oder private Zwecke. Mögliche Nachfolger „stehen für so eine Aufgabe nicht gerade Schlange“, sagt der Ortsvorsteher. Gerne stehe man mit Informationen und Rat zur Seite, wenn sich ein gewerblicher Betreiber finde.

Die Gemeinde Edertal hat nicht zufällig großes Interesse daran. „Mich haben Gäste von außerhalb angerufen, wann sie ihren Urlaub buchen sollen, damit sie wieder bei der Mauer-Power dabei sein können“, berichtet Schulze über seine Erfahrungen mit der Resonanz auf das Programm. Die Mischung aus Live-Musik, Badewannenrennen, großem Feuerwerk und mehr zieht.

„Wenn jemand einsteigt, unterstütze auch ich ihn gerne mit Informationen und baue vielleicht auch zwei Wannen, aber nicht mehr sieben, wie im vorigen Jahr“, erklärt auch Axel Rothauge, die Seele der Crew, die das Badewannen-Rennen fünf Jahre lang organisierte mit Rekord-Teilnehmerzahl im Jubiläumsjahr.

Auch Material aus den spaßigen Wettbewerben stehe zur Verfügung. Der Tenor bei Rothauge ist derselbe wie bei Schulze und Westmeier: Diese Art von Kraftakt lässt sich nicht auf unbegrenzte Zeit ehrenamtlich leisten.

Bürgermeister Klaus Gier hält die Zeit bis zum Sommer zwar für knapp, hofft aber, dass sich ein professioneller Nachfolger gewinnen lässt. Das niedrige, eigens auf Familien ausgerichtete Preisniveau bei Speisen und Getränken lässt sich unter derart geänderen Voraussetzungen wahrscheinlich nicht halten.

Gier sprach im Gemeindeparlament „herzlichen Dank an alle Akteure aus, die einen Beitrag dazu geleistet haben, das Fest zu einer Veranstaltung von regionaler Bedeutung zu machen.“ (r)

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