Bad Wildungen

Warnstreik bei Wicker für mehr Geld

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- Bad Zwesten/Bad Wildungen (su). Das ist neu in der Region: Krankenschwestern und Therapeuten an Kliniken treten in Warnstreik. So geschehen gestern in den Zwestener Wicker-Häusern Hardtwald I und II. Drei Stunden lang, von 11 bis 14 Uhr, gab es nur einen Notdienst für die Patienten.

Mehr als 220 Mitarbeiter versammelten sich derweil draußen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. In Bad Wildungen sind die Wicker-Beschäftigten noch nicht an diesem Punkt angelangt – es könnte aber bald so weit sein. Zur „aktiven Mittagspause“ trafen sich gestern rund 30 Mitarbeiter und Betriebsratsmitglieder vor der Klinik Westend.

Die Klinikleitung positionierte sich ihnen gegenüber. Im Anschluss gab es eine Betriebsversammlung zum Thema, auch mit Blick auf die Geschehnisse wenige Kilometer weiter. Die Versammlung verabschiedete eine Resolution, in der sie den Zwestener Kolleginnen und Kollegen ihre Solidarität und Unterstützung versichert. Zu einem Streik darf allerdings nur eine Gewerkschaft aufrufen, kein Betriebsrat. Und damit die Gewerkschaft das Recht zu einem solchen Aufruf hat, müssen mehr als 50 Prozent der Beschäftigten eines Unternehmens Mitglied sein, in diesem Fall der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Das erläuterte deren Landesfachbereichsleiter Georg Schulze-Ziehaus gestern beim Warnstreik in Zwesten.

Dort schwelt der Konflikt spätestens seit Jahresbeginn. Der Vorsitzende des Wicker-Konzernbetriebsrats Manfred Brauns, der in der Hardtwaldklinik II arbeitet, erläutert die Lage der Beschäftigten: „Es ist die pure Not. In den vergangenen zehn Jahren betrug der Lohnzuwachs bei unseren Gehältern netto 1,8 Prozent, während die Lebenshaltungskosten im selben Zeitraum um 20 Prozent gestiegen sind.“ Zugestandene Gehaltserhöhungen seien zum größten Teil durch Kürzungen bei den Sonderleistungen wie dem Weihnachtsgeld aufgehoben worden. Das ergebe quasi einen Stillstand seit 2002.

Mit 25 Berufsjahren komme eine Wicker-Krankenschwester auf 2400 Euro brutto im Monat, zuzüglich Zulagen etwa für Wochenenddienste. „Damit liegt sie aufs Jahr gerechnet 10 000 Euro unter dem Branchenniveau“, ergänzt ver.di-Mann Schulze-Ziehaus. Um 20 bis 40 Prozent niedriger als im gültigen Tarif bewegten sich die Entgelte für die Wicker-Mitarbeiter, all das bei steigender Arbeitsbelastung. Überhaupt kein Verständnis habe er dafür, dass die Konzernleitung Gespräche mit der Gewerkschaft ablehne. Der Warnstreik soll die Wicker-Chefs an den Tisch zu Tarifverhandlungen bringen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 11. August.

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