Im ehemaligen Aldi von Sachsenhausen harrt Postalisches des Streik-Endes

Wartesaal für Briefe und Kärtchen

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Da hatte wohl jemand Spaß am Streik: Fenster des alten Sachsenhäuser Aldi mit Postkisten im Gebäudeinneren.

Waldeck-Sachsenhausen - Eindeutige und weniger eindeutige Malereien verzieren die schmutzig-milchigen, großen Ladenfenster. Der Boden vor ihnen ist feucht von den promillehaltigen Getränken. Die Party stieg wohl erst in der vorigen Nacht.

Wer weiß, vielleicht lagern auf der anderen Seite der Scheibe, im Inneren des Gebäudes, Grüße vom Mallorca-Ballermann in die Waldecker Heimat? In dem Fall kommen sie später an, als der Absender zurückkehrt, steht zu vermuten, denn wegen des Poststreiks liefern Briefträger in der Region auch keine Urlaubskarten aus, sondern bunkern sie mit allen übrigen Sendungen im ehemaligen Sachsenhäuser Aldi. Einige gelbe Kisten mit dem charakteristischen Posthorn-Aufdruck stehen direkt hinter der Scheibe. Im rückwärtigen Bereich des ehemaligen Discounter-Domizils sind weitere Wagen mit Kästen zu erkennen. Platz genug für etliche Monate Streik wäre hier, keine Frage.

„Für heute sind Gespräche zwischen der Post und Verdi anberaumt. Der Streik endet hoffentlich bald“, sagte aber Thomas Kutsch gestern auf WLZ-Anfrage, Pressesprecher der Post für Hessen.

Das Zwischenparken der Briefe in angemieteten Räumen sei unumgänglich, weil der Platz in den Betriebsstätten regional fehle, auch wenn offiziell bundesweit 80 Prozent aller Sendungen in gewohnter Manier die Empfänger erreichen.

Fraglich erscheint, ob ein leerer Supermarkt den Ansprüchen an die Wahrung des Postgeheimnisses genügt? Kutsch sieht darin kein Problem. Absolute Sicherheit könne die Post nicht gewährleisten, obwohl sie sich bemühe, das grundrechtlich geschützte Brief- und Postgeheimnis hochzuhalten. Theoretisch könnten dem Briefträger Sendungen gestohlen werden, wenn er die Tasche kurz abstellt. Wer in einen Sortierstützpunkt hinein wolle, schaffe das trotz Sicherheitsvorkehrungen.

Ob Verdi die Auswahl ausgerechnet eines alten Discountmarktes als Lagerstätte mit Blick auf ihren Kampf um höhere Löhne als Affront der Post wertet? Darüber mag ein Schelm nachsinnen.

Von Matthias Schuldt

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