Das heißeste Eisen der Wildunger Kommunalpolitik, ohne spitze Finger angefasst

Welches Bad braucht die Stadt?

Bad Wildungen. - Das Thema Heloponte nimmt sich in der Wildunger Politik derzeit aus wie ein zu heißes Bad. Vereinzelt streckt einer die Zehenspitze aus und zieht rasch zurück. Die WLZ-FZ setzt sich rein und bittet den Bürgermeister und seinen Gegenkandidaten in die Wanne.

Bad Wildungen. Die vier Möglichkeiten: Schließung, Sanierung in bisheriger Form, Sanierung mit Erweiterung, Sanierung mit Verkleinerung. Seit Monaten zerbrechen sich Politiker, Helo-Stammgäste, Vereinsangehörige und Andere am Runden Tisch die Köpfe, wie es weitergeht. Auf die Freizeitanlage verzichten? Nein; Einigkeit herrscht: Schulen, Vereine, Familien; alle brauchen das Bad zur Gesundheitsvorsorge, zum Schwimmenlernen und zum Schwimmtraining in einer Region mit großem See. Vor dem Blick auf Perspektiven der drei Sanierungsvarianten hier Fakten zur Ausgangslage: Das Heloponte verursacht jährlich einen Verlust von rund 2 Millionen Euro. Seit Jahren. 800 000 Euro kostet das Personal, die Rechnungen für Wasser, Abwasser, Strom und Gas lauten auf 700 000 Euro, die Abschreibungen auf 230 000 Euro, listet Stadtkämmerer und Geschäftsführer Günther Gutheil auf. Das Defizit muss nach einer Sanierung sinken. Denn ohne Sparerfolge drohen die Stadtfinanzen in Schieflage zu geraten. Allein der Ergebnishaushalt 2012 kalkuliert mit einem Minus von 1,4 Millionen Euro. Auf Dauer kann Bad Wildungen nicht so auf Pump wirtschaften, sonst winkt im schlimmsten Fall die Zwangsverwaltung, die Entmündigung durch die Kommunalaufsicht. Landauf, landab schließen Städte deshalb Bäder, und ein frisch saniertes Heloponte wäre davor nicht gefeit. Schlussfolgerung: Je geringer das künftige Defizit der Freizeitanlage ausfällt, desto sicherer ihre Zukunft. Aufs Notwendige konzentrieren, auf Wünschenswertes verzichten, sagt die Kommunalpolitik unisono. Die Gretchenfrage lautet deshalb: Was für ein Bad braucht Wildungen wirklich? Eines allein für die Bürger oder ist das Helo in seiner jetzigen Form ein unverzichtbarer Bestandteil des Angebotes an Privatgäste? Wie viele Urlauber nutzen es? Noch niemand hat das bisher untersucht. Um diese und weitere wichtige Fragen zur Wirtschaftlichkeit der Anlage zu klären, hat die Stadt ein Gutachten bei einer auswärtigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Auftrag gegeben. Im Sommer sollen die Ergebnisse vorliegen. In einigen deutschen Städten, die aus Geldnot ihre Bäder schließen wollten, griffen Bürger zur Selbsthilfe: Sie gründeten Genossenschaften. Vorbild für ein neues (kleineres) Helo?

Den Heloponte-Bestand erhalten, verkleinern oder vergrößern; was halten Sie für die wahrscheinlichste Lösung? Weshalb? Volker Zimmermann: Wir werden erweiterte Angebote machen, weil wir das Heloponte als Familien-, Freizeit- und Sportbad brauchen, weil wir durch neue Angebote (zum Beispiel erweiterte Sauna, Solebecken) neue Gästegruppen gerade im Tourismus erschließen können und so zusätzliche Deckungsbeiträge erwirtschaften können.

Ulrich Tent: Für die wahrscheinlichste und angesichts der finanziellen Ausgangslage erstrebenswerteste Lösung halte ich die Bestandserhaltung. Eine Vergrößerung oder Verkleinerung des Gebäudebestandes würde unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen. Wir müssen uns auf die Sanierung der maroden Teile, die energetische Optimierung und organisatorische Verbesserungen konzentrieren, um Kosten einzusparen.

Welche Angebote gehören unverzichtbar zum künftigen Heloponte, welche nicht? Volker Zimmermann: Diskutieren und entscheiden müssen wir über die Gesamtfläche der Freibadbecken und über die zweite Gastronomie an der Eisbahn. Alles andere ist unverzichtbar, die Sanierungs- und Erweiterungsplanung muss auf mögliche zusätzliche Angebote wie Solebecken und Saunalandschaft eingehen.

Ulrich Tent: Unverzichtbar sind die Angebote, die das Heloponte als Familien-, Freizeit- und Sportbad ausmachen: ein Schwimmbecken, das den Anforderungen von Wettkampf-, Freizeit- und Schulsport gerecht wird; ein Nichtschwimmerbecken und den Kleinkinderbereich sowie die Rutsche für den Spaßfaktor.

Ein jährliches Heloponte-Defizit in welcher Höhe kann die Stadt auf Dauer verkraften? Volker Zimmermann: Heloponte ist eine Einrichtung der Grundversorgung, deshalb müssen wir ein Defizit in Kauf nehmen. Ziel unserer Investitionen ist es, das Defizit von rund 2 Millionen Euro durch einnahmensteigernde und kostenreduzierende Maßnahmen um mehrere Hunderttausend Euro zu vermindern.Ulrich Tent: Dafür gibt es keine festen Betragsgrenzen. Alles, was die Kosten senkt, bringt uns voran. Zum Schluss wird man immer abwägen müssen, welch große Bedeutung das Heloponte für die Wildunger hat und welches Defizit wir deshalb akzeptieren.

Was halten Sie vom Modell der Bürgergenossenschaften, die etwa in Nörten-Hardenberg und Hochheim seit sieben Jahren die Hallenbäder betreiben?

Volker Zimmermann: Bei einem solchen Kraftakt, wie er uns beim Heloponte bevorsteht, ist es richtig, die unterschiedlichsten Optionen zu prüfen - auch eine Bürgerbeteiligung. Zur Zeit diskutieren wir intensiv über das EWF-Modell, das einige Kommunen in Waldeck-Frankenberg praktizieren. Die abschließende Bewertung einer Genossenschaftslösung kann jetzt noch nicht erfolgen. Ulrich Tent: Eine im Grundsatz gute Idee. Wir sollten sehen, ob wir Dinge, die woanders erfolgreich laufen, zumindest teilweise bei uns umsetzen können. Ein solches Modell wäre ein Schritt zu aktiver Bürgerbeteiligung.

Wie sollen die Wildunger über den Runden Tisch hinaus an der Gestaltung der Heloponte-Zukunft mitwirken? Volker Zimmermann: Die Gründung eines Fördervereins ist angeregt worden, ich halte dies für einen wichtigen Schritt. Wir müssen ernsthaft über eine Weiterentwicklung des „Runden Tisches“ zu einer Heloponte-Kommission diskutieren, die dem Magistrat fachliche Vorschläge macht. In dieser Kommission sind sachkundige Bürgerinnen und Bürger vertreten.Ulrich Tent: Bürgerbeteiligung bedeutet auch, Bürger an der praktischen Arbeit zu beteiligen und diese nicht allein der Stadt und ihren Beschäftigten zu überlassen. Es handelt sich am Runden Tisch um engagierte Bürger, die Anregungen und Erfahrungen einbringen. Sie behalten dabei das Machbare im Auge. Ich bin mir sicher, dass dort die Bereitschaft vorhanden ist, aktiv an der Sicherung des Heloponte durch eigene praktische Tätigkeit mitzuarbeiten. Wir sollten am Runden Tisch über die Genossenschaftsidee reden.

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