Verein aus Engelskirchen umwirbt neuerdings auch im Wildunger Raum verstärkt ältere Menschen

Wenn der „Seniorenberater“ klingelt

Bad Wildungen - Viele ältere Wildunger erhalten in diesen Wochen Anrufe von Damen, die telefonisch den Besuch eines „Seniorenberaters“ anbieten. Was und wer steckt dahinter?

Ein gemeinnütziger Verein namens „Deutsche Gesellschaft für Seniorenberatung“ (DGS) umwirbt hier neue Klientel. Sein Kernziel nach eigenem Bekunden: Seniorinnen und Senioren frühzeitig über Hilfsmittel zu informieren, die ein Verweilen in den eigenen vier Wänden ermöglichen und den Alltag im Alter erleichtern. Die Beratung ist kostenlos, auch für Nicht-Mitglieder. Hört sich gut an. Das dachte sich auch Josef Mayer, Mitglied des Wildunger Seniorenbeirates, als er so einen Anruf erhielt. Aus Interesse empfing er Werner Gimpel aus Frielendorf, einen von zwei für die Region zuständigen, ehrenamtlich tätigen DGS-Beratern. Mayer beschreibt den Auftritt des Gastes so: „Er hat gut gesprochen und bot mir eine Fördermitgliedschaft im Verein für 50 Euro im Jahr an.“ Außerdem habe Gimpel ihm eine Art Uhr für mehrere Hundert Euro vorgestellt, die bei einem Unfall ihres Trägers ein Notsignal absetzt. Gekauft oder unterschrieben hat Mayer nichts. Heftchen habe Gimpel ihm überlassen. Wie Mayer und seine Frau erhielten weitere Wildungerinnen und Wildunger Anrufe und Besuche. Unsicher wandten sie sich danach an das Amt für Soziales, weil einige ein Papier unterschrieben hatten, berichtet Amtsleiterin Renate Hinse. DGS-Berater Werner Gimpel erläutert die lauteren Absichten und Vorgehensweisen des Vereins, für den er seit einem Jahr unterwegs ist: „Als Ehrenämtler erhalten wir 7,62 Euro pro Besuch als Aufwandsentschädigung.“ Er selbst habe früher ein Büro für Finanzdienstleistungen betrieben und befinde sich nun, wie viele seiner DGS-Mitstreiter, im Ruhestand. Der Engelskirchener Innendienst des Vereins rufe unaufgefordert Telefonnummern an, um Besuchstermine zu vereinbaren. „Alles legal. Ein gemeinnütziger Verein darf das“, betont er. Gewerbliche Anrufe dieser Art verbietet dagegen seit einigen Jahren ein Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Er kläre mit den Seniorinnen und Senioren „Bedarfe, wie zur Wohnraumanpassung oder für einen Hausnotruf“, erklärt Gimpel. Über diese Bedarfe fertige er in Schriftform eine „Leistungsanforderung“ an. Es handele sich nicht um Kaufverträge oder Ähnliches. Unterschreibt sein Gesprächspartner, schickt Gimpel das Papier an die Vereinszentrale. Danach ist das Thema für ihn erledigt. Provision gebe es nicht. Was mit der „Leistungsanforderung“ geschieht, weiß er nicht. Für seine Tätigkeit sei er in mehrtägigen Seminaren vom Verein qualifiziert worden. Im Internet zeigt sich, dass DGS-Berater nicht selten, wie Gimpel, einen Berufshintergrund aus dem Vertrieb mitbringen.Renate Hinse von der Stadt hält die Besuche der DGS-Berater samt Begleiterscheinungen für überflüssig: „Unser Amt berät Seniorinnen und Senioren unabhängig und gratis.“

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