Lebenshilfe-Werk zieht um in neue Räume

Werkstatt mit dem Schloss im Blick

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Bad Wildungen - Elektriker verlegen noch die letzten Strippen und nebenan werden schon die ersten Möbel gerückt. Am Montag öffnet die neue Werkstatt der Lebenshilfe im ehemaligen Supermarkt an der Königsquelle ihre Pforten. 63 Menschen mit seelischer Behinderung finden dort einen Arbeitsplatz.

Die bisherige Werkstatt in der Brunnenallee, Anfang der 90er-Jahre eingerichtet, war schon lange viel zu eng. 16 vom Landeswohlfahrtsverband genehmigte Arbeitsplätze reichten längst nicht aus. „Wir waren ständig überbelegt“, erläuterte Christoph Hille, Vorstandsmitglied des Lebenshilfe-Werks.

1600 Quadratmeter

22 Menschen arbeiteten auf 280 Quadratmetern, weitere standen auf der Warteliste. Was Auftragsarbeiten erschwerte:Lagerräume und Verlademöglichkeiten für Lkw fehlten. Auf der Suche nach einem geeigneten Domizil für eine neue Werkstatt wurde die Lebenshilfe im DRK-Gebäude an der Königsquelle fündig. Das Rote Kreuz hatte den leer stehenden Coop-Supermarkt neben dem „roten Haus“ erworben und suchte Mieter. Die beiden Partner wurden sich einig. 1,2 Millionen Euro investierte das DRK in den Umbau.

Aus der dunklen Halle wurden schmucke Wohn- und Arbeitsbereiche. „Sahnestückchen“ der insgesamt 1600 Quadratmeter großen Nutzfläche ist der lichtdurchflutete Speisesaal mit Blick auf Schloss Friedrichstein. Weitere 150000 Euro flossen in den Innenausbau, davon 115000 Euro als Zuschuss des LWV, den Rest finanzierte die Lebenshilfe. Emsig hantieren Handwerker auf der Baustelle, da rücken Möbelpacker schon die ersten Schränke in die Büros. „Am 2. April wollen wir eröffnen“, kündigt Hille an. Großzügige Werkstattbereiche, Sanitär- und Sozialräume stehen bereit. Speisen gibt es in einer Ausgabeküche, die zunächst in eigener Regie betrieben werden soll.

Arbeiten für Auftraggeber

In den erweiterten Räumen wurden 47 neue Stellen genehmigt - damit hält die Lebenshilfe 63 Werkstattplätze für Menschen mit seelischer Behinderung vor. Belegt wird Zug um Zug. „Wir gehen davon aus, dass bis Ende Juni 40 Menschen betreut werden“, sagt Martin Hanke, Werkstattleiter in Frankenberg. „Seelische Behinderungen nehmen deutlich zu.“

Eine zusätzliche Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung wurde bereits eingestellt. Sechs Mitarbeiter stehen im Dienst der Behinderten.

Laut Werkstattleiter Hanke wurden zusätzlich 20 betriebsintegrierte Beschäftigungsplätze geschaffen. Dabei bleibt der Beschäftigte Angestellter einer Werkstatt für behinderte Menschen, wird aber in einem „normalen“ Betrieb eingesetzt. Die Werkstatt ist weiter für Betreuung zuständig, eine Rückkehr jederzeit möglich. „Es gibt derzeit drei Menschen im Raum Bad Wildungen, die das wahrnehmen.“ Gesucht werden weitere Firmen, die an einer Mitarbeit interessiert sind.

Am Königsquellenweg arbeiten die Mitarbeiter unter anderem für zwei größere Auftraggeber aus Wildungen. Aufgaben: Montagearbeiten, beispielsweise an Wannenuntergestellen, Näharbeiten und Wäschereparaturen oder Verpackung. „Das wechselt immer wieder“, erläutert Hille. „Teilhabe am Arbeitsleben ist das Stichwort für die 18- bis 65-Jährigen, die mehr in die Gesellschaft eingebunden werden und damit Lebensqualität gewinnen sollen“, sagt Jürgen Horstmann, Abteilungsleiter Produktion.

Die bisherige Werkstatt am Wohnheim der Lebenshilfe nutzt künftig die Tagesstrukturgruppe. Wohnen und arbeiten Tür an Tür - so wie bisher praktiziert - war ohnehin kein Wunschmodell. Wie jeder „normale“ Arbeitnehmer müssen nun auch die Beschäftigten der Lebenshilfe jeden Morgen „zum Dienst“ gehen. Eingeweiht werden die neuen Räume mit einem Tag der offenen Tür.

Hintergrund

Die Bad Wildunger Werkstatt ist Filiale der Frankenberger Lebenshilfe-Werkstatt mit Außenstellen in Allendorf, bei der Firma Osborn in Burgwald, Werkstätten in Schreufa und Bad Wildungen sowie im „Frankenauer Hof“. Insgesamt werden 240 Menschen betreut. 50 von ihnen leiden an einer seelischen Behinderung und werden in Schreufa und Bad Wildungen betreut. Ebenfalls zum 2. April werden die erweiterten Räume im Schreufaer Industriegebiet bezogen, wo die Zahl der Werkstattplätze von 16 auf 45 erweitert wird.(höh)

Hintergrund

„Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist“ (§ 2 Abs. 1 SGB IX, Neufassung des § 35a SGB VIII).

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