Bei NABU-Ortsgruppe endet langjährige Vakanz: Michèle Protto zur Vorsitzenden gewählt

Wildungen bei Schutzgebieten kreisweit an der Spitze

Bad Wildungen - Der Naturschutzbund Bad Wildungen hat einen neuen Vorstand, nachdem der Vorsitz jahrelang vakant war. Michèle Protto wurde zur Vorsitzenden gewählt, die zugleich die Geschäftsführung übernimmt. Stellvertretender Vorsitzender ist Bernd Hannover, und Herbert Niem verwaltet die Kasse.

Um die Vorstandsarbeit auf eine breitere Basis zu stellen, sollen noch zwei Beisitzer in den Vorstand berufen werden.In der Jahreshauptversammlung im Gasthaus Rosenschlösschen hob Herbert Niem die großen Verdienste von Falko Emde um den Naturschutz in Bad Wildungen und die Erforschung der heimischen Vogelwelt hervor, er konnte das Amt des Vorsitzenden aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr wahrnehmen.

Der bisherigen Geschäftsführerin Christel Rettert dankte Wolfgang Lübcke (Edertal) im Namen des Kreisvorstands und überreichte ihr ein Buchgeschenk. Christel Rettert habe dieses Amt 29 Jahre begleitet und sei während der Vakanz im Vorsitz stets eine verlässliche Ansprechperson des NABU in Bad Wildungen gewesen. Außerdem habe sie einige Jahre die Naturschutzverbände im Vorstand des Kellerwaldvereins vertreten.

Bernd Hannover gab einen Rückblick auf die Schwerpunkte der Naturschutzarbeit des NABU in den vergangenen Jahren. An erster Stelle nannte er die regelmäßigen naturkundlichen Wanderungen, die von den NABU-Gruppen Bad Wildungen und Edertal gemeinsam veranstaltet wurden. Diese bewährte Zusammenarbeit solle auch künftig fortgesetzt werden.

Der NABU Bad Wildungen, den zurzeit 187 Mitglieder unterstützen, habe sich immer wieder auch bei brisanten Themen eingebracht, so zum Beispiel bei der Diskussion um die Lindenallee im Helenental und die Brunnenallee oder gegen eine Schneise für Gleitschirmflieger am Homberg.

Mit mehreren Mitgliedern wirke der NABU im Arbeitskreis Naturschutz der Stadt mit, der bereits von dem früheren Bürgermeister Dr. Albrecht Lückhoff ins Leben gerufen wurde. In diesem Arbeitskreis werden unter Vorsitz von Rainer Paulus naturschutzrelevante Themen diskutiert und Stellungnahmen formuliert, die an die politischen Gremien gehen. Aktuelle Themen waren der Stadtringumbau mit dem sogenannten Scharnier und die geplante Golfplatzerweiterung. Intensiv mitgearbeitet habe der NABU Bad Wildungen an der Biotopkartierung der Stadt. Die ständig fortgeschriebenen Ergebnisse sind in den Landschaftsplan der Stadt eingeflossen und bilden eine wichtige Grundlage für die Bauleitplanung. Insgesamt wurden über 800 schutzwürdige Biotope kartiert sowie Flora und Fauna erforscht. Dies sei, so betonte Bernd Hannover, sehr wichtig, um bei eventuellen Eingriffen schnell fachgerecht reagieren zu können.

Hannover erinnerte auch an die Landesgartenschau im Jahr 2006. Schon im Vorfeld habe der NABU intensiv mitgearbeitet und sei dann mit eigenem Stand und Aktionen vertreten gewesen. Landesgartenschauen bedingten immer auch Eingriffe in die Landschaft, in Bad Wildungen könne man aber auch aus Naturschutzsicht eine positive Bilanz ziehen. Er verwies unter anderem auf die Renaturierungen von Bornebach und Wilde, den Erhalt des Feuchtbiotops an der Königsquelle, die Anlage einer Schmetterlingswiese und die Anbringung von Nistkästen.Zurzeit betreut der NABU 218 Nistkästen, neben klassischen Meisenkästen auch 42 Nisthilfen für Wasseramseln, drei Nistkästen für Turmfalken und etliche Fledermauskästen. Ein wichtiges Arbeitsgebiet sei auch die Sicherung von insgesamt zwölf Stollen für Fledermäuse gewesen.

Im vergangenen Jahr hat der Vorstand zahlreiche Schutzgebiete im Bereich der Stadt Bad Wildungen bereist. Mit fast 60 kleinen und größeren Schutzgebieten nehme Bad Wildungen die Spitzenstellung im Kreis Waldeck-Frankenberg ein.

Außer dem städtischen Anteil am Nationalpark gebe es fünf Naturschutzgebiete und 30 Naturdenkmale, berichtete Bernd Hannover. Das sind wertvolle Biotope, aber auch imposante alte Bäume. Bei der kürzlich erfolgten Novellierung der Naturdenkmal-Verordnung seien die Vorschläge des NABU Bad Wildungen in Zusammenarbeit mit der Stadt weitgehend berücksichtigt worden. Außerdem gebe es zwei NABU-Schutzgebiete und etwa zehn städtische Schutzobjekte, die durch Ausgleichsmaßnahmen entstanden sind. Bei der Bereisung wurden eventuelle Defizite aufgezeichnet und an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Die Naturschutzgebiete werden auf der neuen Internetseite www.nabu-bad-wildungen.de vorgestellt. (r)Nach dem offiziellen Teil der Jahreshauptversammlung hielt Wolfgang Lübcke seinen Vortrag über „Neue Tierarten in Waldeck-Frankenberg“. (r)

Kommentare