Jazz auf fünf Bühnen in Bad Wildunger Altstadt

Wildunger Festival - so heiß, wie in der Karibik - Video

Bad Wildungen - Heiße Musik auf fünf Bühnen, und dazu sengende Sommersonne – das 18. Bad Wildunger Jazzfestival stellte am Pfingstwochenende Rekorde auf.

Bei gefühlten 35 Grad im Schatten waren zur Eröffnung am Pfingstsonntag nur wenige Musikfreunde gekommen. Moderator Thomas Korte: „Fast kann ich ja jeden mit Handschlag begrüßen.“Nach Sonnenuntergang ließ es sich dann im Wildunger Fachwerkviertel vortrefflich feiern. An hochsommerlichen Pfingsttagen entführten karibisch-angehauchte Rhythmen an den Strand von Copacabana und in rauchige Musikkneipen in New Orleans. Mal quirlig und fetzig, mal sanft und melancholisch – so kamen die Bands daher – jede mit dem besonderen Etwas, dem unverwechselbaren Stil. Sogar das Leise und Unspektakuläre fehlte nicht: Bei sphärischen Klanglandschaften in der Stadtkirche wurden Kontraste geboten. Gereon Schoplick, der das Festival zum zehnten Mal organisiert hat, präsentierte außer alten Bekannten einige noch als Geheimtipp gehandelte Künstler und Gruppen.

Die Musik ist eine Sprache, die jeder ohne Dolmetscher versteht, urteilte Bürgermeister Volker Zimmermann. Manch einer wagte spontan ein Tänzchen auf dem Altstadt-Pflaster – vor allem die Festival-erprobten Profis der Tanzschule Mundhenke. Und wem zwischen Django und Tango plötzlich die Finger zuckten, der konnte gleich beim Instrumenten-Schnupperkurs Karinetten, Cello- oder Flötentöne entlocken.

Ruhig zu ging es auf der Festmeile am Sonntag bei noch molligeren Temperaturen. Betrieb gab es noch einmal zum Schluss, als Jan Luley und seine internationalen Gospelfreunde die Besucher auf dem Marktplatz regelrecht mitrissen. Gospelqueen Janice Harrington: „Jetzt machen wir Party“ – und bald wurde der Markplatz zum Tanzsaal. Die Gäste waren begeistert und applaudierten ohne Pause, so dass die „Gospelfriends“ mit Jan Luley am Piano ihren Auftritt um eine Stunde „überzogen“. Weil Gastwirte und Standbetreiber das Festival noch nicht um 20 Uhr beenden wollten, engagierten sie kurzentschlossen „Dixieland Projekt“, die unter dem Beifall des harten Kerns der Jazzfreunde den „Rausschmeißer“ spielten. Verärgert waren die Standinhaber und Gastwirte, die ausnahmslos über „schlechte Geschäfte“ klagten, weil das Eröffnungskonzert in der Wandelhalle stattfand. Ein Sprecher der Geschäftsleute: „Das Festival heißt Altstadtfest – also gehört es vom Anfang bis zum Ende auch hier in die Altstadt und nicht in den Kurpark“. Für das nächste Festival erhoffen sich die „Altstädter“ wieder eine Band schon am Freitagabend auf dem Marktplatz.

Neben Boogie, Bossa Nova und Bach bot das Festival auch Genuss für das verwöhnte Auge. Straßenbilder, Jonglage und Einrad-Artistik oder Figurentheater und Tanzpaare in stilechten Kostümen – erstmals war das Wildunger Jazz-Festival ein richtiges Familienfest. (szl/höh)

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