NS-Flüchtling Gerd Buchheim starb kurz nach Verlegung der Stolpersteine

Wildunger Heimat nie vergessen

Gary Buchheim bei der Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft in der deutschen Botschaft in Washington.Foto: pr

Bad Wildungen - Vor wenigen Monaten wurden in der Bahnhofstraße vier „Stolpersteine“ in Erinnerung an die Familie Buchheim verlegt. Aufgrund ihres jüdischen Glaubens wurde sie in der NS-Zeit aus Bad Wildungen vertrieben. Der 89 Jahre alte Senior Gerd Buchheim ist kürzlich in den USA verstorben.

Ein Stolperstein trägt den Namen von Gerd Buchheim, der als 14-Jähriger fliehen musste. „Ich habe niemals gedacht, dass ich auf diese Weise noch einmal in meiner alten Heimatstadt gewürdigt werde“, zeigte sich Buchheim gerührt von der Aktion. Dazu waren vier Mitglieder der Familie aus den USA angereist.

Deutsche Staatsbürgerschaft angenommen

Zu den Bildern von der Verlegung sagte Gerd Buchheim: „In der Altstadt hat sich ja kaum etwas geändert. Ich erkenne noch genau Straßen und Häuser.“ Kürzlich, nur vier Monate nach der Verlegung der Stolpersteine, verstarb er im Alter von 89 Jahren. Buchheim war einer der letzten noch lebenden jüdischen Zeitzeugen, die von der ehemaligen Synagoge der Stadt, aber auch von den judenfeindlichen Verfolgungen erzählen konnten.

Nur wenige Tage nach dem Tod des Vaters nahmen sein Sohn Gary und dessen Tochter Jilian die deutsche Staatsbürgerschaft an. Die Dokumente wurden im Rahmen einer Zeremonie in der deutschen Botschaft in Washington überreicht. Hintergrund dafür ist der Grundgesetzartikel 116. Danach haben Juden, die von der NS-Regierung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen ausgebürgert und deportiert wurden, sowie ihre Nachfahren die Möglichkeit, wieder die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Die Entscheidung, damit neben der amerikanischen nun auch eine zweite Staatsbürgerschaft zu besitzen, fußt auf langen familiengeschichtlichen Forschungen, die Gary Buchheim auch nach Bad Wildungen führten. „Wir sind uns dabei unserer deutschen Wurzeln sehr bewusst geworden“, sagt Gary Buchheim.

Von Pflaumenkuchen und Ahler Wurst geschwärmt

Schon sein Vater habe Zeit seines Lebens von Pflaumenkuchen und Ahler Wurst geschwärmt und seine Heimat nie vergessen.

Gary Buchheim betont, wie dankbar er sei, dass es in der NS-Zeit Menschen gab, die vielen Juden halfen und diese so letztlich vor der Vernichtung retteten. Daher sei der jetzige Schritt letztlich logisch gewesen.

Von Johannes Götecke

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