Bürgermeister Volker Zimmermann mit deftiger Rede

Wildunger Viehmarkt eröffnet

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Bad Wildungen - Deftig eröffnete Bürgermeister Volker Zimmermann am Mittwochabend im neuen, breiteren Festzelt beim traditionellen Heiligen Abend mit seiner Rede den Viehmarkt. Von vorgezogenem Weihnachtsfrieden keine Spur.

Stattdessen nahm er sich die Kurhaus-Demonstrantinnen von der Frauen-Union vor - nicht ohne sich vorher beim hessischen Ministerpräsidenten Osswald aus den Anfängen der 1970er-Jahre nachträglich zu entschuldigen. Zimmermann zählte damals zu den 200 Jugendlichen, die beim Besuch des Landesvaters gegen die Schulpolitik demonstrierten und ihn mittels Trillerpfeifen am Reden hinderten, ganz im Stil der 68er-Revolte.

„Bei den Damen der Frauenunion, die so intensiv um das Kurhaus kämpfen, bricht sich der revolutionäre Geist erst ziemlich spät Bahn - vielleicht hatten sie ja 1968 keine Zeit für Revolution oder waren im Urlaub oder hatten den Zug verpasst.“

Aber jetzt, Jahrzehnte später, stelle die Frauenunion das gesamte parlamentarische System in Frage: „Die gewählten Volksvertreter haben beim Kurhaus nichts zu sagen, denn wir sind das Volk, koste es was es wolle! So tönt es durch die Badestadt. So etwas hätten ja nicht einmal die Kommunisten gewagt - und jetzt die Union?“, fragte Zimmermann:

„Müssen wir mit Hausbesetzungen in der Langemarckstraße rechnen?“ Getreu dem Wahlspruch „Wir geben nur noch so viel aus, wie wir einnehmen - und wenn wir dafür Geld borgen müssen“, könne einem angst und bange um die Stadt werden.

Zwei Wandelhallen, Kurpark und, und, und, „eine weitere Veranstaltungsimmobilie würde uns ruinieren. Mit früher gültigen Argumenten kann die Zukunft nicht gestaltet werden“, mahnte der Bürgermeister.

Stattdessen setzt er auf neue, frische Ideen, beispielsweise im Verkehrswesen: „Im monatlichen Wechsel werde ich in Bad Wildungen den Linksverkehr einführen. Die Aktion wird gesponsert von den örtlichen Autohäusern.“

Das Heloponte bleibe erhalten, in welcher neuen Form auch immer. „Sie können also weiter Jahreskarten kaufen“, ermunterte er die Gäste im Festzelt und fügte hinzu: „Wenn die neue Anlage fertig ist möchte ich einer der ersten sein, die - nein nicht was Sie denken, also vom Dreier springen, nicht mit mir - sondern vor der Massagedüse liegen.“

Das sei ebenso gesund wie der Viehmarkt, für den es in dieser Hinsicht lediglich einige Kleinigkeiten zu beachten gelte, wie historische Marktsatzungen deutlich machen: „Standesgemäßes und sittliches Verhalten, Ausspucken ist verboten, das Rupfen von Geflügel ist nicht erlaubt, grobe Trunkenheit wird mit drei Tagen Karzer im Rathaus bestraft, Duelle sind auf dem Marktgelände verboten, ansonsten nur an den dafür vorgesehenen Plätzen erlaubt.“

Sprach’s, gab das Zeichen zum allgemeinen Singen des Wal­decker Liedes, um danach das obligatorische Fass Freibier anzustechen.

Am Donnerstagmorgen geht es oberhalb des Rummelplatzes mit der traditionellen Tierschau des Wildunger Viehmarktes weiter.(r)

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