Wildunger Grundschulen und Kindertagesstätten arbeiten noch enger zusammen

Willibalds Welt bereitet sanft auf die Schule vor

Bad Wildungen - Die Helenentalschule und fünf Wildunger Kindertagesstätten haben einen neuen Mitarbeiter: Willibald heißt er, seines Zeichens ein lustiger Zwerg, der sechsjährigen Kindern die Scheu vorm „Ernst des Lebens“ nehmen soll.

Vor jenem Ernst, der neben dem Schnuckzeug in den Schultüten der I-Männchen hockt. Der Übergang aus der spielerischen Welt der Kindergärten in den Unterrichtsalltag bedeutet einen großen Schritt, der mit der „Schuleingangsdiagnostik“ beginnt, etwa ein halbes Jahr vor der Einschulung.

Früher gingen die Mädchen und Jungen mit ihren Eltern deshalb zu Einzelgesprächen mit einer Lehrerin in die Schule. Wie bei einer Prüfung mussten die Kinder allein, ohne Spielkameraden und in fremder Umgebung, Fragen beantworten und kleine Tests absolvieren.

Vorbei - denn heute gibt’s besagten Willibald. In einem Beobachtungsspiel in ihrem Kindergarten lernen die angehenden I-Männchen ihn über zwei Tage kennen. Sie schauen sich mit den Erzieherinnen in einem Bilderbuch die Welt des Zwerges an, werden in der Gruppe zum Erzählen angeregt. Sie malen ein Bild von sich selbst, legen es über Nacht vor dem Kindergarten ab, wo Willibald es holen kann, und bekommen dafür einen Zauberspruch: „Mikoschallt Willibald“.

Hüpfen, balancieren

Am zweiten Tag geht’s in den Turnraum, wo die Kleinen Abenteuer in Willibalds Welt erleben: rückwärts gehen, hüpfen, balancieren, Flüsse überqueren und vieles mehr schaffen. Und immer wieder werden sie nach dem Zauberspruch gefragt.

All das beobachten zwei Lehrerinnen und machen sich Notizen auf Auswertungsbögen. An den vergangenen zwei Tagen waren in der Kita Friedenskirche Helenental-Schulleiterin Daniela Reim und ihre Kollegin Inge Hellwig im Einsatz.

Viel mehr Erkenntnisse

„Wir erhalten viel mehr Erkenntnisse über die Sprachfähigkeit der Kinder, ihre Körperkoordination oder ihr Gruppenverhalten, als es im früheren Verfahren der Fall war“, erklärt Daniela Reim. Die Lehrerinnen könnten die Kinder in deren natürlichem Umfeld beobachten. Die Kinder verhalten sich im vertrauten Kreis viel lebensnäher, anstatt durch eine erste Prüfsituation eingeschüchtert zu werden.

So fragt Erzieherin Annalena Pleske ihre Schützlinge mehrmals nach „Mikoschallt Willibald“, dem Zauberspruch. „Spielerisch teste ich damit die Merkfähigkeit der Kinder und ihre Sicherheit im Umgang mit Silben“, erklärt sie.

Gemeinsam werten Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen anschließend die Ergebnisse aus. „Auf diese Weise überlegen alle gemeinsam, welche Förderung ein halbes Jahr vor der Einschulung möglich oder nötig erscheint“, erläutert Daniela Reim. Sanft und gut vorbereitet soll der Übergang in die Schule vonstatten gehen.

Die Wildunger Grundschulen und Kindertagesstätten intensivieren ihre Zusammenarbeit mit solchen Projekten ein weiteres Mal. Ein Vorgehen, das der hessische Bildungs- und Erziehungsplan unter dem Stichwort „Tandem“ seit einigen Jahren vorgibt und das bei den Beteiligten in Schulen und Kindergärten auf ein positives Echo stößt. Die Helenentalschule bildet in diesem Fall Tandems mit den Kindertagesstätten Friedenskirche, Hadekin, Am langen Rod, Webers und Altwildungen.

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