Beim Heizen setzen Stadtverwaltung und Kirche auf heimischen Rohstoff Holz

Im Winter bricht die Schnitzelzeit an

Waldeck - Waldeck ist die reichste Kommune im Landkreis und die siebtreichste in Hessen – was ihren Waldbesitz angeht. Sie wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie das nicht versuchte zu nutzen, und tut das künftig bei der Wärmeversorgung.

Ab dem kommenden Winter soll eine neue Holzhackschnitzel-Heizanlage den Beamten und Angestellten der Stadtverwaltung die Büros auf Betriebstemperatur bringen. Und nicht nur ihnen: Die benachbarte Sachsenhäuser Kirche und das Gemeindehaus hängen ebenso an dem geplanten neuen Netz der „Nahwärmeversorgung“ (Fachausdruck) wie Stadtarchiv/Bücherei und fünf private Gebäude entlang der B 485 im Ort. 550 000 Kilowattstunden Für 250 000 Euro entsteht eine Anlage, die 550 000 Kilowattstunden pro Jahr an Energie zur Verfügung stellt. Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde lassen sich rund zehn Liter Wasser (20 Grad Celsius warm) zum Kochen bringen. Untergebracht wird die zentrale Heizanlage im Stadtarchiv. Dort befinden sich auch ein ­Öltank von 9000 Litern Fassungsvermögen und eine Ölheizanlage, die als Absicherung für den Notfall zur Verfügung stehen, falls die Holzhackschnitzel-Heizung mal ausfallen sollte.

Der 40 Kubikmeter fassende Bunker für die Holzhackschnitzel wird unterirdisch vor dem Stadtarchiv angelegt. Die private Gesellschaft M&V Wärme Contracting aus Frankenberg verwirklicht das Vorhaben. „Wir haben mehrere solcher Projekte im Landkreis umgesetzt“, erklärt Walter Dersch von der GmbH, an der das EWF, die Sachsenhäuser Firma ­Veltum und der Maschinenring beteiligt sind.

Gleich mehrere glückliche Umstände ermöglichen das Vorhaben und machen es ökonomisch rentabel. 45 000 Euro Zuschuss Den wichtigsten Punkt nennt Bürgermeister Jörg Feldmann: „Der Kellerwaldverein gibt uns einen Zuschuss über 45 000 Euro, ohne den sich die Investition nicht rechnen würde.“ Die Hälfte dieser Unterstützung stammt aus dem EU-Fördertopf „Leader“, die andere Hälfte vom Land Hessen. Zweiter glücklicher Zufall: Abgesehen vom Stadtarchiv hätten alle künftig angeschlossenen Häuser in der nächsten Zeit ihre alten Heizungsanlagen erneuern müssen, die zwischen 30 und 40 Jahren auf dem Buckel haben. „Unsere Heizung hat sich gerade vor wenigen Tagen verabschiedet“, berichtet Waldecks Hauptamtsleiter Rolf Oschinski dazu. Dritter Pluspunkt: Alle Häuser liegen auf derselben Seite der Bundesstraße, was das Verlegen der Leitungen erleichtert und verbilligt. Weitere Abnehmer möglich

Den vierten Vorteil der gemeinsamen Aktion erläutert Pfarrer Kurt Heyer: „Die Anlage braucht nicht so groß dimensioniert zu werden, wie es bei anderen Verbrauchern nötig wäre, denn Stadtverwaltung und Kirchengemeinde ergänzen sich in den Abnahmezeiten.“ Gottes- und Pfarrhaus brauchen die Wärme schwerpunktmäßig abends nach 18 Uhr, dann, wenn die Stadtverwaltung Feierabend hat, die tagsüber in der Woche ihre Heizkörper anstellt.

Die Holzhackschnitzel sollen vorrangig aus dem Waldecker Wald gewonnen werden. „Wir verwenden dafür gerne Kronenholz“, erklärt Walter Dersch.

Die Stadt kann das Stammholz also weiterhin für andere Zwecke vermarkten. Die Schnitzel werden mit der Abwärme von Blockheizkraftwerken des Maschinenrings getrocknet. Zumeist bestehen sie aus dem Holz der Buche, „die inzwischen in Deutschland zu 80 Prozent zur Energieerzeugung verwendet wird“, fügt der Bürgermeister hinzu. Weitere Interessenten könnten sich dem Nahwärmenetz anschließen, erklärt Hermann Wagener von der Firma Veltum: „Die Jahresleistung der Anlage lässt sich noch um rund 20 Prozent steigern.“ Der Baustart ist für Juli vorgesehen.(su)

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