Der neue Vorstand des Tierschutzvereins schlägt das Aufstellen einer Prioritätenliste zum Heim vor

„Wir sind zu Kompromissen bereit“

Bad Wildungen - Ordnungsamtsleiter Martin Segeler hatte es in der turbulenten Finanzausschusssitzung deutlich gemacht. Der Zorn der Stadtverordneten über das geldfressende Bau-Desaster am Tierheim trifft den Tierschutzverein in einer Phase, in der ein ruhigerer, sachlicherer Umgang mit den Aufgaben und Problemen Einzug gehalten hat.

Wie die Kostenexplosionen zu erklären sind, kann sich der Vorstand nicht erklären. So seien beispielsweise gebrauchte Fenster und ein gebrauchter Heizkessel im Neubau verwendet worden. Die Bauaufsicht sei bei all dem nur sporadisch durch die Stadt erfolgt. Doch all das ist Vergangenheit. „Wir sind zu Kompromissen bereit“, sagt die neue Vorsitzende Diana Grieneisen aus Braunau, und Kassenführerin Elke Nikoleit fügt hinzu: „Wir schlagen das Aufstellen einer Prioritätenliste für die Beseitigung der Mängel vor.“ In erster Linie kommt es dem Vorstand auf das Beheben von Fehlern an, die das weitere Absenken der Energiekosten bislang verhindern. Die vor einigen Jahren ins Leben gerufene Bausteinaktion läuft weiter, um eigene Mittel beizusteuern. Die Verantwortlichen des Vereins haben Wege eingeschlagen, um aktuell die Betriebskosten in der Summe zu verringern. Nachdem die Heimleiterin Britta Tolksdorf und eine weitere Vollzeitkraft in den vergangenen Monaten gekündigt hatten, wurden lediglich eineinhalb Stellen wieder besetzt. Ihre volle Stelle behalten hat die am Warteköppel ausgebildete Tierpflegerin Michelle Welke, nun neue Leiterin der Einrichtung. Neu im Team mit der zweiten vollen Stelle ist Daniela Kotitschke, Spezialistin für den Umgang mit Hunden. Sie habe einschlägige Erfahrungen mit einer großen Zahl von Hunden in Alsfeld gesammelt und trainiere die Fundtiere so effektiv, dass sie viel rascher und leichter als früher an neue Besitzer vermittelt würden, berichtet Diana Grieneisen. Michael Wahle besetzt die halbe Stelle und auch ihn hat der Vorstand bewusst ausgewählt. „Herr Wahle kommt aus dem Bauhandwerk, weshalb wir viele hausmeisterliche Arbeiten und kleine Renovierungen selbst erledigen können“, erklärt die Vorsitzende. So ist Wahle mit von der Partie beim Ausbau des Desinfektionsraumes im alten Trakt. Die gemeinnützige Korbacher „Nordhessische Tierschutzgesellschaft“ spendete für diesen Zweck 10 000 Euro, weil jedes Tierheim eine solche Vorrichtung zur hygienischen Reinigung zum Beispiel von Katzentoiletten braucht. Der Lionsclub Schwalm-Eder und weitere Spender gaben im Zuge der Bausteinaktion des Vereins weitere 5000 Euro, von denen im Altbau neue Fenster und Fensterbänke sowie eine neue Dachrinne finanziert wurden. Der Lions-Club Bad Wildungen gewährte einen großzügigen Betriebskostenzuschuss.„Fünf Hunde, 60 Katzen, zehn Kaninchen und ein Meerschweinchen haben wir zur Zeit. Es waren schon deutlich mehr Tiere“, berichtet Heimleiterin Michelle Welke. Ebenfalls kein Zufall. „Wir springen nicht, wie früher, sofort auf und fahren hinaus, wenn jemand im Garten eine herrenlose Katze entdeckt hat“, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Ina Störmer. Statt dessen motiviere man die Leute, sich selbst erst einmal um solche Tiere zu kümmern. Überdies nimmt das Heim aktuell nur Hunde aus seinem Zuständigkeitsbereich Bad Wildungen und Edertal auf.

Vorteile für Kommunen: Es geht nicht nur um Fundtiere

Das Tierheim leistet im Interesse der zwei Kommunen mehr als nur die Aufnahme von Fundtieren, erläutert der Vereinsvorstand. Herrenlose 
 Katzen, die sich unkontrolliert vermehren, „stellen nicht nur in Südeuropa ein Problem dar. Dort sind sie nur eher zu sehen, weil Touristen sie füttern“, erklärt Elke Nikoleit. Das Tierheim nehme solche Katzen aus der Region auf, lasse sie auf eigene Kosten sterilisieren und impfen, vermittele sie oder bringe sie zurück an den Fundort. „Nur so lassen sich die Vermehrung und das Ausbreiten von Krankheiten verhindern“, fügt die Kassenwartin hinzu. Die Tiere werden ein halbes Jahr nach ihrer Geburt geschlechtsreif. Ohne Kastrationskampagne würden streunende Katzen im Kurort Bad Wildungen und in der Tourismusgemeinde Edertal rasch überhand nehmen, ist sie überzeugt. Für die Badestadt kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Reha-Gäste speziell aus dem wachsenden Zweig der Psychosomatik, für die ein eigenes Tier häufig den wichtigsten Bezugspunkt im Leben bildet. Sie suchen eine Möglichkeit, am Ort ihres Reha-Aufenthaltes den Hund oder den Stubentiger gut unterzubringen. Das Wildunger Tierheim steht dafür bereit. „Außerdem wollen wir verstärkt wieder mit den Kindergärten und Schulen zusammenarbeiten. Das ist wegen des Ärgers um den Bau in den Hintergrund getreten“, erklärt Diana Grieneisen. Beispielhaft dafür steht das Verhältnis zur Veit-Weinberg-Schule. In den Schulferien kommen die schuleigenen Tiere in das Heim. Während der Unterrichtszeit erlernen die Schüler durch das Versorgen der Tiere, wie man Verantwortung übernimmt.Der neue Vorstand, den Schriftführerin Susanne Kesting sowie die Beisitzer Patrick Steinke und Rosemarie Titze komplettieren, hat Dienstag einen Gesprächstermin bei Bürgermeister Volker Zimmermann.(su)

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