Reste der versunkenen Dörfer Asel, Bringhausen, Berich tauchen wieder auf

Zeitreise durch das Edersee-Atlantis

Edersee - Der Wasserstand im Stausee sinkt – das Edersee-Atlantis lädt zum herbstlichen Bummel unter goldener Oktobersonne ein.

Seit Wochen wachsen die Inseln am Hopfenberg stetig an, und die Uferstreifen am Edersee werden bei weiter abnehmendem Wasserstand immer breiter. Rund 68 Millionen Kubikmeter Wasser sind noch im Stausee – etwa ein Drittel des Fassungsvermögens. Bei aktuell 16 Metern unter Vollstau gibt der See einige seiner versunkenen Bauwerke frei. Sie verschwanden im Wasser, als das Tal nach dem Bau der Edertalsperre überflutet wurde.

700 Menschen verloren durch den Bau der Talsperre ihre Heimat. Die Dörfer Asel, Bringhausen und Berich versanken im See. Reste der alten Dörfer kommen bei Niedrigwasser im Herbst wieder zum Vorschein. Die Friedhöfe von Alt-Bringhausen und Berich sind bereits aufgetaucht. Die Gräber wurden vor der Überflutung einbetoniert, um sie vor dem Wasser zu schützen und zu erhalten.Auch die alte Dorfstelle Berich ist freigelegt. Teile von Grundmauern, alte Futtertröge und Hofpflaster erinnern an das Dörfchen, das drei Kilometer entfernt von Schloss Waldeck auf einem schmalen Bergrand über der Eder errichtet wurde.

26 Familien mussten beim Bau der Talsperre ihr altes Heim verlassen. Fachwerkhäuser wurden umgesetzt oder abgebaut, massives Mauerwerk gesprengt. Von der Klosterkirche blieben Schutthalden übrig. Sie galt als einste der schönsten und größten Kirchen des Edertals. Das Mittelschiff war 49 Meter lang.

Im Edersee-Atlantis können Spaziergänger auf alten Wegen wandern, Mauerreste besichtigen oder die Ederbrücke von Asel nach Asel-Süd überqueren, die aber erst bei weiter zurückgehendem Pegel zu sehen ist. Bei extrem niedrigem Wasserstand, wie es in 2011 der Fall war, taucht auch das Modell der Sperrmauer am Fuß der alten Bericher Hütte auf.

Die Edertalsperre wurde in den Jahren 1908 bis 1914 gebaut, um Weserschifffahrt und Mittellandkanal in den Sommermonaten ausreichend Wasser zu sichern. Weitere Schwerpunkte: Hochwasserschutz und Stromerzeugung. 7,5 Millionen Goldmark soll der Mauerbau gekostet haben, zusätzlich 17,5 Millionen der Grunderwerb und der Straßenbau.

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