Restauriertes Beutestück auf Schloss Friedrichstein löst Medienecho in Türkei aus

Zelt-Schlagzeilen in türkischer Presse

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Türkische Tageszeitungen berichten in großer Aufmachung über die das restaurierte „Türkenzelt“ im Museum von Schloss Friedrichstein.

Bad Wildungen - Ein großes Medienecho in türkischen Zeitungen löste das Türkenzelt aus, das nach aufwendiger Restaurierung ins Museum von Schloss Friedrichstein zurückgekehrt ist.

Das restaurierte „Türkenzelt“ und die Sammlung Tuercica auf Schloss Friedrichstein haben großes Interesse bei den Bad Wildunger Bürgern türkischer Herkunft geweckt. Das bewies die große Zahl der türkischen Besucher des Museumsfestes mit dem Auftritt der Janitscharen-Kapelle bei dem Fest zur „Heimkehr“ des Türkenzelts in Altwildungen.

Inzwischen haben große türkische Tageszeitungen wie „Hürriyet“ und „Türkiye“, die auch in Deutschland erscheinen, und andere Blätter des Landes sowie das türkische Fernsehprogramm „Euro D“ ausführlich über die Exponate auf Friedrichstein berichtet.

„Löwe und Halbmond“ ins Türkische übersetzen

„Hürriyet“, eine der auflagenstärksten türkischen Tageszeitungen, berichtet auf drei Seiten über das „Türkenzelt“ in Bad Wildungen und schreibt unter anderem: „Das im Bundesland Hessen (in Deutschland) gelegene Schloss Friedrichstein bewahrt seit Jahren eine Vielzahl von Waffen und ein Zelt auf, die der osmanischen Armee gehörten. Es wird davon ausgegangen, dass während der Herrschaft von Sultan Ahmet III. das Zelt aufgrund der Niederlage gegen die europäischen Truppen bei der Eroberung Belgrads im Jahre 1717 verlorenging und erobert wurde.“

In einem Interview mit der Zeitung „Hürriyet“ sagte Ina Brandt von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK): „Wir haben noch eine Menge Fragen zu unserem Schatz und planen in der kommenden Zeit auch Gespräche mit Experten aus der Türkei zu führen.“ Die MHK-Mitarbeiterin kündigte an, dass der im Rahmen der Ausstellung auf Friedrichstein veröffentlichte Katalog „Löwe und Halbmond“ ins Türkische übersetzt wird, um damit zur weiteren wissenschaftlichen Erschießung beizutragen.

Beitrag zur Integration geleistet

Peter Schultheis, Vorsitzender der Gemeinschaft Freunde Schloss Friedrichstein, die die Restaurierung des Prunkzeltes aus dem Osmanischen Reich finanziert hat (WLZ berichtete ausführlich), freut sich über die Resonanz, die die Ausstellung auf Schloss Friedrichstein auch in der Türkei und bei den in Deutschland lebenden Türken findet. „So haben wir mit unserem Projekt ,Türkenzelt‘ auch einen Beitrag zur Integration geleistet.“ Laut Schultheis hat der Hürri­yet-Autor Ahmet Atak ihm bestätigt, dass es in der Türkei immer wieder einmal eine Diskussion über die türkisch-osmanischen Objekte im Ausland gibt.

Ahmet Atak hat im Verlauf seiner Recherchen den türkischen Experten Professor Dr. Latif Celik danach befragt. Er schreibt in seinen Büchern über die Beutestücke und auch über die sogenannten „Beutetürken“, die vor allem nach der Niederlage in Wien nach Deutschland gebracht wurden. Die Antwort des türkischen Professors war eindeutig: „Natürlich wurden die Kostbarkeiten unter den Sieger-Mächten verteilt. Viele dieser Gegenstände wurden später in Aktionen teuer verkauft. Auch wenn man manchmal darüber diskutiert – es ist rechtlich nicht möglich, dass diese Gegenstände einmal wieder in türkischen Besitz kommen. Es sei denn, die jetzigen Besitzer gäben sie an die Türkei zurück.“

Die Rückgabe des wertvollen Exponats könne nicht erzwungen werden, sagt der Professor. „Die Türkei hat nicht das Recht, diese Gegenstände zurückzufordern. Ausrüstungen, die nach dem Krieg ihren Besitzer wechselten, bleiben für immer dort. Es ist auch nicht möglich, dies in Frage zu stellen, wenn es im „Friedensvertrag“ so festgehalten wurde“. (szl)

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