13 Monate und 21 Tage bangten Angehörige und Freunde um die schwer erkrankte Sachsenhäuserin Christine Volke

Zurück im Leben - den Blick nach vorn gerichtet

Waldeck-Sachsenhausen - „Ich bin wieder angekommen“ strahlt Christine Volke. Nach schwerer Krankheit hat die Sachsenhäuserin wieder den Blick nach vorn gerichtet. 13 Monate und 21 Tage bangten Familie, Angehörige und Freunde um das Leben der 47 Jahre alten Mutter, das lange am seidenen Faden hing.

Rückenschmerzen, Erschöpfung und Bauchschmerzen sind Anfang 2012 erste Anzeichen der Krankheit, deren Folgen damals niemand ahnt. Bei Untersuchungen wird die Ursache – eine Herzmuskel- und -beutelentzündung – zunächst nicht erkannt. In einer Not-OP Anfang März wird die Galle entfernt, und die Patientin fällt ins Koma. Sie wird nach Kassel verlegt und am 16. März in das Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen. „Da war sie mehr tot als lebendig“, erinnert sich Ehemann Roland, und seine Lippen beben. „Die Ärzte hatten mir keine Hoffnung gemacht.“

Zur Herzunterstützung wird die in Höringhausen aufgewachsene Frau an eine Maschine angeschlossen. „Ein Wunderwerk der Technik“, sagt die Friseuse heute, denn damit lebt sie ein Jahr und fünf Tage. – Eine schwere Zeit zwischen Bangen und Hoffen. „Wir mussten immer mit dem Schlimmsten rechnen“, sagt Roland Volke. Elf schwere Operationen bringt seine Frau hinter sich. Beide Unterschenkel und mehrere Finger der linken Hand werden amputiert, und der Zustand bleibt weiter kritisch. Täglich fahren der Ehemann oder andere Familienmitglieder in die Klinik, freuen sich über ein Fünkchen Hoffnung oder sind geschockt von neuen Hiobsbotschaften.

Roland Volke hört auf zu arbeiten, um sich um seine Frau und die elf und zwölf Jahre alten Töchter Dina und Mona zu kümmern. Täglich 300 Kilometer zur Klinik und zurück – am Ende hat er rund 80 000 Kilometer mehr auf dem Tacho. „Das alles war nur möglich durch die wahnsinnig tolle Unterstützung“, beteuert Volke.

Gute Freunde rufen eine Spendenaktion ins Leben, Vereine sammeln, Fußballer, Karnevalsfreunde und Tennisclub starten Benefizaktionen. „Viele Bekannte und sogar Fremde haben Geld gespendet“, ist Christine Volke überwältigt. Aber nicht nur finanziell greifen hilfsbereite Menschen der Familie unter die Arme. Behördengänge und Schriftverkehr werden übernommen, andere backen Kuchen, betreuen die Kinder, fahren mit den Töchtern in den Urlaub. Mutter und Schwiegereltern der Schwerkranken nehmen manche Last ab.

„Ohne diese breite Unterstützung hätten wir es gar nicht geschafft“, beteuert Roland Volke und spricht seiner Frau aus der Seele. „Wir möchten uns bei allen Freunden, Bekannten und Unbekannten, den Ärzten und Pflegern ganz, ganz herzlich bedanken.“

Am 20. März 2013, spät abends, stehen plötzlich Ärzte am Krankenbett der Sachsenhäuserin. „Ich glaube, wir haben ein Herz für Sie.“ Dann geht alles schnell. Um 3 Uhr wird operiert – neun Stunden dauert die Herztransplantation. Später ist der Ehemann erleichtert: „Alles gut verlaufen.“ Sechs Wochen verbringt die Patientin noch in der Klinik. „Die Betreuung dort war top.“ Bis auf die erwarteten Abstoßungsreaktionen auf das neue Organ geht es langsam bergauf. Am 29. April wird die 47-Jährige entlassen, im Auto klingt fröhlich der Lieblingssong ihres Ehemanns „It‘s a beautiful day“.

„Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zu Hause zurecht gefunden habe“, bekennt Christine Volke, „aber jetzt ist der Alltag wieder da, trotz der Einschränkungen durch die Amputationen“. Die früher aktive Tennisspielerin arbeitet wieder im Vorstand des TC mit und hat für die Karnevalsfreunde närrische Ideen für die nächste Session. Vor allem aber blickt die engagierte Frau wieder optimistisch in die Zukunft. „Ich freue mich, dass ich wieder viel Zeit mit meiner Familie verbringen kann.“ Zielstrebig arbeitet sie an verbesserter Mobilität, will wieder Auto und Skifahren und Tennis spielen. Weitere Fortschritte erhofft sie sich von einer Reha, die sie nächste Woche antritt und freut sich dann auf einen Familienurlaub in Österreich.

Christine Volke ist dem Tod von der Schippe gesprungen. Eine verschleppte Grippe hatte das Unheil heraufbeschworen. Und das sei gar nicht selten, mahnt die Sachsenhäuserin. „Von den Patienten in der Klinik, die auf ein Spenderherz warteten, hatten 70 Prozent diese Krankheitsursache.“ (höh)

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