Aus innerparteilichen Gründen

Zwei Abgeordnete verlassen Edertaler SPD-Fraktion

Edertal - Das Wildunger Polit-Virus hat die Grenzen der Stadt überwunden, scheint es. Denn in der Edertaler Gemeindevertretung sitzen ab sofort ebenfalls zwei fraktionslose Abgeordnete.

Der Giflitzer Parlamentarier Martin Cramer und der Mehlener Gemeindevertreter Werner Tönges haben ihren Austritt aus der Fraktion der Sozialdemokraten erklärt. Beide bestätigten den Schritt am Sonntag auf Anfrage der WLZ-FZ. Martin Cramer hat außerdem die Mitgliedschaft in der SPD gekündigt. Werner Tönges, Kassierer des SPD-Verbundes Edertal, will in gleicher Weise sein Parteibuch zurückgeben, sagte er am Telefon unserer Zeitung.Die zwei langjährigen Sozialdemokraten geben innerparteiliche Gründe für ihre Entscheidung an. „Ich möchte ein Zeichen damit setzen“, unterstreicht Cramer. Nachwirkungen des Bürgermeisterwahlkampfes bewogen ihn zu seinem Schritt. Zugleich legt er großen Wert auf die Feststellung, dass dies nicht mit der Person des neuen Bürgermeisters Klaus Gier zu tun habe, mit dem er eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit anstrebt. Cramer ist unter anderem auch Vorsitzender des Arbeitskreises Edertaler Kindergärten, der sich gerade mit der Zukunft der Tagesstätten in der Gemeinde befasst. Unklar ist, ob Cramer weiterhin als Parlamentsvertreter im Zweckverband EWF verbleibt. Die Entscheidung darüber hat er der SPD anheim gestellt, weil sie ihn in dieses Gremium entsandt hat. Aus einer vergleichbaren Erwägung heraus behält er sein Parlamentsmandat, denn das hessische Kommunalwahlrecht ist durch Kumulieren und Panaschieren vorrangig auf die Person der Kandidatinnen und Kandidaten ausgerichtet. Cramer fühlt sich seinen Wählern verpflichtet und will sie nicht vor den Kopf stoßen. „Ich möchte wie bisher in der Sache Politik machen“, fügt er hinzu. Persönliches hat seinem Empfinden nach dagegen in den zurückliegenden Wochen und Monaten in weiten Teilen der SPD die Sachpolitik überlagert.Ganz ähnlich die Motive bei Werner Tönges, den seit einigen Monaten „der Allgemeinzustand der Edertaler SPD stört.“ Es gebe Strömungen in der Partei, die glaubten, dass die SPD in der Gemeinde reformiert werden müsse. Auch Tönges nimmt als Fraktionsloser sein Mandat weiterhin wahr, weil er von vielen Edertaler Bürgerinnen und Bürger für diese Aufgabe persönlich gewählt wurde. Auch er hält es für unverzichtbar, dass sich die Gemeindevertreter und die Parteien auf die Sachpolitik konzentrieren, wie es in den zurückliegenden Jahren üblich gewesen sei. Derzeit bleibe das bei den Sozialdemokraten auf der Strecke: „Ich hoffe, dass jetzt einige wach werden.“ In Bad Wildungen hatten unlängst Klaus Micino und Jürgen Graul die Fraktionen von FWG und FDP verlassen und amtieren als Fraktionslose weiter. (su)

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