Hemfurth-Edersee

Zweite Kaverne: Start mit Sondierstollen

- Edertal-Hemfurth-Edersee (jm). Der Bau einer zweiten Kaverne im Peterskopf, mit 250 Millionen Euro eines der größten Zukunftsprojekte überhaupt in der Region, startet in wenigen Wochen mit Anlage eines 340 Meter langen „Sondierstollens“.

Das eigentliche spektakuläre Kraftwerksprojekt, das größtenteils „unter Tage“ im Berg realisiert wird, läuft nach den Planungen von Eon-Wasserkraft 2012 an. Im Jahr 2016 soll das neue Stromkraftwerk erstmals ans Netz gehen. Am Dienstagabend informierte Eon Anwohner der Hemfur­ther Kraftwerkstraße über die einzelnen Schritte des gewaltigen Bauvorhabens. Edertals Bürgermeister Wolfgang Gottschalk war ebenfalls gekommen. Das zweite unterirdische Pumpspeicherkraftwerk steigert die Leistung der bestehenden Kaverne auf 740 Megawatt. Wie der Projektleiter, Diplomingenieur Martin Rau, mitteilte, fanden bereits Erkundungsbohrungen statt: „Der vorgesehene Standort ist gut geeignet.“ Jedoch müsse „noch genauer hingeschaut werden“, deshalb diese Sondierung ab dem vorhandenen Zugangsstollen. Der Sondierstollen wird im Sprengvortrieb angelegt. Rund zehn Lastwagen pro Tag fahren den Abbruch über die Kraftwerksbrücke ab, was keine besondere Belastung für Anlieger und allgemeinen Verkehr am Edersee erwarten lässt. „Wir wollen die Belastungen auf ein Minimum reduzieren“, versprach Projektleiter Rau. Allerdings handelt es sich bei der Aktion „Sondierstollen“ nur um ein Vorspiel im Vergleich zu dem, was sich ab 2012 abspielen wird. Dann sind die „Nebenwirkungen“ der umfangreichen Baukampagne natürlich wesentlich intensiver. Im Zusammenhang mit dem Sondierstollen sind weitere Erkundungsbohrungen am künftigen Kavernenstandort vorgesehen, ferner am Affolderner See am Ende des Uferwegs im Bereich des Kraftwerksgeländes. Hier wird der Baugrund des zukünftigen Ein-/Auslaufbauwerks unter die Lupe genommen. Das gesamte geotechnische Untersuchungsprogramm soll bis Ende Februar 2011 zum Abschluss gebracht werden. Im Herbst 2010 wird nicht zuletzt die offizielle Genehmigung für das Großprojekt beim Regierungspräsidium Kassel beantragt. Hier einige weitere interessante Informationen: Bereits beim Bau der gegenwärtigen Kaverne Waldeck II war in die Zukunft gedacht worden, viele Einrichtungen für eine mögliche Erweiterung wurden schon damals vorbereitet. Doch erst jetzt ist das Thema aktuell geworden in einer Zeit, in der der starke Ausbau erneuerbarer Energien an eine vordere Stelle gerückt ist. Nach Eon-Angaben soll die neue Pumpspeicherturbine im Peterskopf „einen wichtigen Beitrag zur Integration weiterer Wind- und Solarparks leisten“. Bereits in den vergangenen Jahren hat Kraftwerksbetreiber Eon am Edersee viel Geld investiert, die ältere Stromfabrik Waldeck I (seit 1932) modernisiert und mit einem neuen Schachtkraftwerk komplettiert (WLZ berichtete). Kurz vor dem erfolgreichen Abschluss steht inzwischen die „Ertüchtigung“ des Kavernenkraftwerks Wal­deck II. Erfreulich für Edertal das Bekenntnis von Eon zum Standort Edersee: „Dies bekräftigen wir. Wir wollen hier weiter wachsen.“ Allerdings befürchten die (allerdings nicht allzu vielen) unmittelbaren Anlieger der Kraftwerkstraße, wie es einer ausdrückte, „vier Jahre Dreck und Krach“. Einer forderte gar eine Schallschutzwand für sein Anwesen. Projektleiter Rau und Standortverantwortlicher Jörg Lingelbach notierten alle Bedenken und Anregungen und versprachen Abhilfe, „soweit dies möglich sein wird“.

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