Nationalpark-Werkstatt baut fürs Schneewittchenhaus die Möbel

Die Zwerge stellen die Bettchenfrage

Wildungen-Bergfreiheit. - Wenn die Liebe zu einem Projekt und zum Detail immer wieder auf eigene Spiegelbilder trifft - dann kommt so etwas dabei heraus wie das Schneewittchen-Dorf Bergfreiheit.

So treffen die Bergfreiheiter mit ihren lebendigen und den in Stein gegossenen Märchenfiguren, mit ihrem Theater und dem Schneewittchenhaus seit vielen Jahren auf den Schneewittchenforscher Eckhard Sander, der mit großer Akribie und großem Fleiß den Parallelen des Grimm’schen Märchens zur historischen Person der Margarethe von Waldeck nachspürt.

Gezapft und geleimt

Die Liebe dieser Schneewittchen-Gemeinde traf am Dienstag auf die Liebe von Nationalpark-Mitarbeitern zu ihrer Arbeit mit Holz.

"Wer hat in meinem Bettchen gelegen?" Diese Frage konnten die Zwerge im Schneewittchenhaus bislang mangels Schlafstätten gar nicht stellen.

Dank der Nationalpark-Werkstatt präsentiert Gisela Körtel den Besuchern im Haus künftig auch die Betten der sieben Zwerge. Aus einem Kubikmeter Buchenholz gearbeitet, in althergebrachter Handwerksweise gezapft und geleimt, ohne Einsatz von Nägeln. "Von schlichter Eleganz, wie im Mittelalter", meinte Werkstattleiter Harald Wieck. Beim Zuschneiden kam allerdings moderne Technik in Gestalt von computergesteuerten Maschinen zum Einsatz, verriet Oliver Obermann. Er hat die Betten gemeinsam mit seinen Kollegen Gerhard Wenzel und Erhard Bemmann entworfen und gefertigt.

Waldecker Stern am Fußende

Drei Doppelstockmodelle und ein einzeln stehendes entstanden. "Jedes in einer anderen Größe, so wie es das Märchen erzählt, in dem Schneewittchen erst ausprobiert, bis es das passende gefunden hat", betonte Eckhard Sander begeistert.

Die Wildunger Firma Bänfer stellte gratis die maßgerechten Matratzen dafür her, berichtete Karin Wilke vom Verkehrsverein und freut sich über die große Bereitschaft auf allen Seiten, das Schneewittchendorf auf seinem eingeschlagenen Weg zu unterstützen.

An den Fußenden der Bettchen prangt der Waldecker Stern, sicht- und ertastbarer Hinweis auf die Forschungsergebnisse, die Eckhard Sander seit 1989 zutage gefördert hat. Grundsätzliche Motive des Schneewittchen-Märchens existierten zwar lange vor Margarethe von Waldeck, doch Sander hat viele Hinweise darauf gefunden, dass die heute bekannte Grimm-Version des Märchens in vielen Elementen auf die Lebensgeschichte der mit 21 verstorbenen Gräfin zurückgreift (siehe Hintergrund).

Gebannt wie einem Märchenerzähler hörten die Gäste im Schneewittchenhaus bei der Übergabe der Betten Eckhard Sander zu, dessen Arbeit, wie das Schneewittchendorf selbst, weltweit - in China und Japan etwa - zunehmend Beachtung findet. Gisela Körtel berichtete von asiatischen Besuchergruppen, die ganz hin und weg von den Zwergendarstellern gewesen seien. "Sie haben die Kinder ganz vorsichtig berührt, als wären sie aus Glas", erzählt Karin Wilke und Gisela Körtel fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ich habe die Zwerge vorsichtshalber durchgezählt, als der Bus wieder wegfuhr."

Beliebtes Motiv in Berlin

Begeisterung hätten das Bergfreiheiter Schneewittchen und die Zwerge kürzlich als eines der begehrtesten Fotomotive auch auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin ausgelöst, sagte Reckhard Pfeil vom Wildunger Stadtmarketing: "Jeder erkennt diese Märchenfiguren sofort", anders als bei Dornröschen oder Frau Holle.

Der Geschichts- und Geschichtenschatz hat für Bad Wildungen heute einen sehr hohen Wert.

"Für die Stadt und ihre Zukunft als Tourismusziel ist das, was die ehrenamtlich Tätigen in Bergfreiheit aufgebaut haben, unverzichtbar und identitätsstiftend nach innen und außen", lobte Bürgermeister Volker Zimmermann.

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