Analyse der Wohnsituation von Senioren in Diemelsee vorgestellt – Potenzial für Nachbarschaftshilfe geprüft

Studie als Arbeitsgrundlage für Pflege

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Bürgermeister Volker Becker hält Erkenntnisse in den Händen, die Thomas Zippert, Jonas Meine und Oswald Beuthert mitgebracht haben (v. l.).

Diemelsee. Wie leben Senioren in der Gemeinde Diemelsee? Und ist Nachbarschaftshilfe ein Mittel, um dem Mangel an Fachkräften in der Pflege zu begegnen? Diese Fragen soll eine „Sozialraumanalyse“ beantworten, die das Waldeckische Diakonissenhaus Sophienheim in Auftrag gegeben hat.

Eine zentrale Frage in 108 Interviews mit Menschen über 55 Jahren und Gesprächen mit Vertretern von Gemeinde, Orten, Kreis und Vereinen war, wie sich ältere Menschen gegenseitig helfen können, um die Arbeit von Familien und Pflegern zu ergänzen. Zehn Prozent der Befragten über 55 Jahren könnten sich Mitarbeit vorstellen – auf die Gemeinde hochgerechnet seien das 130 Helfer, sagt Thomas Zippert. 

„Nachbarschaftshilfe funktioniert, aber sie hat Lücken und Bedingungen“, befindet er. Sie beruhe auf Gegenseitigkeit, was für später in den Ort gezogene oder lange zurückgezogen lebende Menschen ein Problem darstelle. Auch unterscheide sich die Hilfsbereitschaft von Dorf zu Dorf. „In der Regel beschränkt sich Nachbarschaftshilfe auf außerhäusliche Unterstützung“, sagt Zippert: etwa Begleitung bei Arztbesuchen und Einkäufen oder der aufmerksame Blick aufs Nachbarhaus. Im Haushalt bevorzugten die meisten Menschen Familie und Dienstleister. Eine Ausnahme sei die ausgeprägte Hilfe zwischen Witwen.

Auch befragten die Studenten um den wissenschaftlichen Mitarbeiter Jonas Meine Senioren nach ihrer Lebenssituation: In der Hälfte der Fälle funktioniert demnach die Pflege durch die Familie, die Versorgung durch Dienstleister ergänzt sie. Es gebe einen Generationenwechsel, erklärt Zippert: „Für Menschen über 80 Jahren ist klar, dass ihre Familien sie versorgen. Die jüngeren haben selbst schon gepflegt und erwarten es von der Kindergeneration nicht mehr.“

Über die Schlüsse aus der Studie will die Gemeinde am 23. Juni informieren.

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