Infoabend in Adorf über den Teilregionalplan Energie für Nordhessen

Anwohner kritisieren geplanten Bau neuer Windräder im Naturpark Diemelsee

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Alle Bürgerinitiativen zwischen Marsberg und Korbach demonstrierten am Mittwoch vor dem Infoabend in Adorf gegen weitere Windräder in der Region: „Es reicht!“

Diemelsee-Adorf. „70 Windräder sind genug“, verkündete ein Protestplakat. Das sahen auch die mehr als 150 Interessenten so, die am Mittwoch zum Infoabend über Windkraft und den künftigen Teilregionalplan Energie für Nordhessen ins Adorfer Feuerwehrhaus gekommen waren.

 Bürgerinitiativen von Rhena bis Erlinghausen waren mit Plakaten und Transparenten erschienen. Der Zorn ist groß: Viele Anwohner sind genervt vom Rauschen und „Geblinke“, sie stören sich an der „Verspargelung“ der Landschaft und warnen vor einer „Umzingelung“ von Dörfern wie Vasbeck durch neue Windräder. Entsprechend lebhaft war die Diskussion.

Ob Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse – Bürgermeister Becker erinnerte daran, dass die Gemeinde seit den 1990er Jahren eine Vorreiterin bei der Nutzung erneuerbarer Energien sei. Doch gegen weitere Windräder bestünden erhebliche Bedenken: „Wir wollen den Naturpark schützen“, das habe die Gemeinde in Beschlüssen, Resolutionen und Stellungnahmen deutlich gemacht. „Aber man hat uns nicht gehört.“ Er drohte bereits an: „Wir werden gegen den Regionalplan klagen“ – die Besucher applaudierten.

Auch Planer Detlef Schmidt aus Grebenstein rechnet damit, dass der Plan vorm Kasseler Verwaltungsgericht landet. Er zeigte Karten mit dem aktuellen Planungsstand der Vorrangflächen und bezog Westfalen mit ein.

Erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus sieht der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte, wenn Windräder wie vorgesehen auch im Naturpark Diemelsee zugelassen werden.

Einen Film über den Naturpark und die Windräder zeigte Adriane Plewka, Wolfgang Lehmann vom Korbacher NABU ging auf die Rolle des Artenschutzes ein.

Einen schweren Stand hatten zwei Vertreter der Wiesbadener Firma Abo Wind. Der „Teamleiter Planung“, Manuel Schmuck, und Projektleiterin Katja Kleine-Möllhoff erläuterten ein geplantes "Repowering" bei Adorf und beantworteten kritische Fragen zu weiteren Planungen. Dabei ging es auch um die umstrittene Verlegung des Wetterradars von Flechtdorf in den Kellerwald.

Adriane Plewka rief alle Gemeindevertreter auf, die Forderungen über ihre Parteien nach Wiesbaden und Kassel weiterzugeben, außerdem sollten alle ihr ihre Bundes- und Landtagsabgeordneten ansprechen. Becker begrüßte dies: „Die Bürger müssten endlich ernst genommen werden.“

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