Hessischer Arbeitskreis Biogas besichtigt die Anlage der Vasbecker Familie Wetekam

Tipps für optimalen Betrieb austauschen

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Rund 20 Interessenten aus dem hessischen Arbeitskreis Biogas besichtigten am Mittwoch die Anlage der Familie Wetekam bei Vasbeck. Sie tauschten Erfahrungen aus, besprachen Probleme im Alltagsbetrieb und Beispiele für Verbesserungen der Abläufe.Foto: -sg-

Diemelsee-Vasbeck - Um die „Wasserqualität in Wärmenetzen“ ging es am Mittwoch beim Treffen des hessischen Arbeitskreises Biogas. Zuvor besichtigten die Teilnehmer die Anlage der Familie Wetekam.

Was wird in der Biogasanlage vergoren? Wie werden die Silagesilos bestückt? Wie laufen die Blockheizkraftwerke? Wie ist der Service der Technikfirmen? Welche Probleme treten im Betrieb auf? Wie ist die Frage des „Havariewalls“ gelöst? Wie ist es gelungen, Störungsmeldungen zu minimieren? Rund 20 Interessenten löcherten Heinrich, Stephanie und Henrik Wetekam am Mittwochabend mit ihren Fragen. Alle betreiben selbst Biogasanlagen, von der Besichtigung erhofften sie sich Tipps für die Verbesserung ihrer Betriebsabläufe.

Die Familie habe sich um 2008 dazu entschieden, eine Biogasanlage zu bauen, berichtete Stephanie Wetekam. Ein Blockheizkraftwerk mit 250 Kilowatt Leistung stehe an der Anlage, ein sogenannter Satellit mit gleicher Leistung an ihrem Hof im Dorf. Die Abwärme aus der Stromerzeugung wird in ein Nahwärmenetz eingespeist. 26 Häuser seien schon angeschlossen, weitere 20, das Freibad und der Kindergarten sollten hinzukommen, erklärte sie.

Derzeit gebe es eine „Teilwärmeversorgung“, berichtete Heinrich Wetekam, in den drei Sommermonaten sei der Bezug kostenlos. Inzwischen seien Ängste über die Zuverlässigkeit der Anlage abgebaut, so werde „der Ruf nach einer Vollversorgung“ laut. Dazu sei die Familie bereit, sie müsste dafür Reservesysteme bauen. Er verwies auch auf bürokratische Hemmnisse etwa durch die nahe Landesgrenze.

Die Wetekams sind von Beginn an Mitglied des Arbeitskreises, der damalige Landwirtschaftsminister Wilhelm Dietzel aus Neudorf vermittelte ihnen den Kontakt. Der Leiter ist Klaus Anduschuss. Er arbeitet als Biogasberater beim Maschinenring-Kommunalservice in Calden, einer Gesellschaft der Maschinenringe in Kassel und Göttingen. Als Geschäftsführer fungiert Reinhard Knipker.

Der Arbeitskreis habe sich 2004 mit Betreibern von elf Anlagen gebildet, berichtete Anduschuss. Ziel sei, den Erfahrungsaustausch zu fördern und Praxis-Tipps weiterzugeben. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden“, betonte er. Mitglieder sind Maschinenringe, Landwirte und Kommunen, ihre Biogasanlagen haben eine Leistung von 75 Kilowatt bis 3,5 Megawatt, der Schnitt liegt bei rund 480 Kilowatt. Sie alle eint der Wunsch, ihren Betrieb zu optimieren.

Komplexer Betrieb

Und der ist komplex, vieles ist zu berücksichtigen - schon bei der Anlagenplanung. Und weiter geht es mit dem Bau und dem Betrieb. Was wird vergoren? Ganzpflanzensilage, Mist, Jauche oder Lebensmittelreste? Vertragslandwirte müssen liefern, Ernte und Anfahrten sind zu planen, um Anlieger nicht zu stören. Auch die Gärbiologie und die Produktionstechnik müssen optimal eingestellt sein, um einen möglichst hohen Ertrag an Methangas zu erhalten. Anduschuss: „Die Betreiber müssen wissen: Wie funktioniert was warum?“ Auch die Datenauswertung wird bei den Treffen besprochen. Wichtig sind etwa die Betriebstagebücher, die über die Gas- und Stromerträge und über Mankos bei den Mischverhältnissen der Gärsubstrate Auskunft geben.

Außerdem müssen Nachweispflichten erfüllt und zahlreiche gesetzliche Auflagen eingehalten werden, Stichwort Verbringe- und Düngeverordnung. Der Arbeitskreis wolle aber auch den Bau weiterer Anlagen fördern, erklärte Anduschuss.

Im Clubraum der Walmehalle berichtete Anduschuss über das Thema „Wasserqualität - Ansprüche und Realität in Wärmenetzen“. Er stellte Analysen von mehr als 20 Wasserproben in Wärmenetzen vor, mit den Ergebnissen können Betreiber ihre Prozesse verbessern. Ein Punkt: Leitungswasser ist oft zu sauer, mit Zusätzen lässt sich die Korrosion in den Rohrnetzen aber vermeiden. Außerdem wurden weitere Fachfragen erörtert.

Von Dr. Karl Schilling

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