Verlegung des Wetterradars von Flechtdorf in den Kellerwald

Umweltministerium stimmt zu

Korbach/Diemelsee/Willingen - Der Verlegung des Wetterradars von Flechtdorf in den Kellerwald steht offenbar nichts mehr im Wege. Damit könnten vier weitere Vorrangflächen für Windräder ausgewiesen werden.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel May berichtete Dienstag, das Bundesumweltministerium in Berlin habe den Bau eines neuen Radarturms für den Deutschen Wetterdienst am Wüstegarten genehmigt. Damit kann die Kreisverwaltung in Schwalm-Eder dem Wiesbadener Investor „ABO Wind“ nach monatelanger Wartezeit die Baugenehmigung erteilen.

Das Unternehmen betreibt die Verlegung des Turmes, der in der Nähe der kreiseigenen Abfalldeponie steht. Es hofft, dass dadurch im neuen Teilregionalplan „Energie“ für Nordhessen weitere Vorrangflächen oder zumindest „Suchgebiete“ ausgewiesen werden können, in denen auch die Firma Windräder bauen will.

Bisher gilt: Ein Radius von fünf Kilometern um das Wetterradar muss frei bleiben, im Umkreis von 15 Kilometern können Windräder nur mit Einschränkung genehmigt werden. Das soll den störungsfreien Betrieb gewährleisten. Denn derzeit kann die Technik die Drehung der Rotoren nur bedingt aus seinen Messungen herausrechnen.

Neue „Suchräume“

Wegen der „Ausschlusswirkung“ dürfen nur dann Flächen um das Flechtddorfer Radar als neues „Suchgebiet“ ausgewiesen werden, wenn der Turm verlegt wird. Wie berichtet, wären davon vier Gebiete im Kreis direkt betroffen:

Das Gebiet „Welsche Lied“ im Osten Lengefelds könnte auf 215,7 Hektar erweitert werden.

Im Süden Bünighausens könnten 28,8 Hektar neu ausgewiesen werden.

Am „Hohen Rade“ zwischen Rhena, Korbach und Benkhausen wären es 287 Hektar. Gerade auf dieses große Gebiet setzt der Investor.

Am „Hohen Pön“ im Süden Usselns könnten 228 Hektar eine „Suchraumkulisse“ werden.

Dem Schwälmer Landrat Winfried Becker käme die Verlegung gelegen: Nahe Jesberg steht der Kellerwaldturm, der sich in keinem guten Zustand befindet. Er könnte im Zuge der Verlegung ersetzt werden durch einen neuen Turm fürs Wetterradar, der mit einer Aussichtsplattform ausgestattet wird.

Der vorgesehene neue Standort liegt am Naturschutzgebiet „Hoher Keller“. Dort hat der Zweckverband des Naturparks Kellerwald/Edersee ein Naturschutz-Großprojekt gestartet. Da es mit Bundesgeldern bezuschusst wird, musste das Bundesamt für Naturschutz in Bonn dem Bau des Radarturmes zustimmen. Doch die Abstimmung mit dem Bundesumweltministerium dauerte - mit dem Ergebnis, dass das Baugenehmigungsverfahren bei der Kreisverwaltung in Homberg (Efze) für Monate „auf Eis“, lag. Daniel May freut sich über die nun eingetroffene Genehmigung aus Berlin. „Dieser Turm soll auch als Aussichtsturm dienen und den alten Kellerwaldturm ersetzen. Dadurch ist das Wetterradar auch für den Wandertourismus ein Gewinn“, sagte er gestern. Wenn der Wetterdienst den Bau betreue, würden die Kellerwaldgemeinden und der Naturpark zudem entlastet.

Grüne begrüßen den Bau

„Den Grünen war dabei wichtig, dass es eine sensible Anpassung des Wetterturms in das Gebiet gibt“, erklärte May. „Immerhin handelt es sich beim Kellerwald um ein Naturschutzgebiet mit hohem Rang.“

Durch die Verlegung werde zudem die Möglichkeit eröffnet, viele windreiche Flächen in Waldeck für Windräder zu nutzen, „die bisher in den Konflikt mit dem Wetterradar standen“, sagte May, der auch Kreistagsabgeordneter ist. Für ihn steht fest: „Damit wird die dezentrale Energiewende in Nordhessen und damit der Klimaschutz weiter vorangetrieben.“

Viele Anwohner rund um Flechtdorf sehen das kritisch. Gegen die Ausweisung neuer Flächen sind wie berichtet neben Bürgerinitiativen auch die Kommunen Korbach, Diemelsee und Willingen, Tourismusverbände, Naturschützer und der Naturpark Diemelsee.

Aber auch wenn die Baugenehmigung für den Wiesbadener Investor bald kommen sollte - noch stehen hinter dem Projekt viele Fragezeichen. So hat „ABO Wind“ angekündigt, eine Verlegung nur dann betreiben zu wollen, wenn das Unternehmen auch neue Windräder in Betrieb nehmen darf. Die Kosten für die Umsetzung müssen sich schließlich rechnen.

Streit um Mindestabstände

Offen ist zudem, ob selbst ohne die Verlegung weitere Gebiete ausgewiesen werden dürfen. Denn inzwischen liegt ein Gerichtsurteil aus Trier vor, das die Mindestabstände zum Wetterradar in Frage stellt - die Richter haben befunden, der Wetterdienst müsse durch entsprechende Technik selbst sicherstellen, dass der Betrieb störungsfrei laufe. Doch noch ist unbekannt, ob diese Rechtsauffassung auch in den nächsten Instanzen Bestand hat.

Und die nächste Frage ist, ob eine Ausweisung neuer Flächen wie am „Hohen Rade“ in absehbarer Zeit auch rechtskräftig würde. Wie berichtet, haben sich Korbach, Willingen und Diemelsee in ihren Stellungnahmen ans Kasseler Regierungspräsidium klar gegen neue Windräder auf ihrem Gebiet ausgesprochen und bereits gerichtliche Schritte angedroht, sollte die nordhessische Regionalversammlung neuen Flächen zustimmen - Korbach will höchstens ein neues Gebiet an der Marke akzeptieren. Die drei Kommunen haben ein Bonner Anwaltsbüro eingeschaltet, das notfalls Klage einreichen soll.

Die Diskussion ums Wetterradar geht also voraussichtlich noch einige Zeit weiter. (r/-sg-)

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