Bei Unfall nahe Nuttlar verletzte Pferde erholen sich in Flechtdorf

„Verschrammt“, doch nicht verschreckt

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Mélanie Scheuermann hat Lancelot (links im großen Bild) und Lukas aufgenommen und umsorgt sie gemeinsam mit Christian Schmidt (links im kleinen Bild) und Frank Hillebrand.Fotos: pr / Figge

Diemelsee-Flechtdorf - Bei einem Kutschunfall ist vor drei Wochen eine Frau aus Bestwig schwer verletzt worden. Ihre Pferde haben in Flechtdorf einen Ort zum Heilen gefunden.

Als Mélanie Scheuermann, Christian Schmidt und Frank Hillebrand aussteigen, kommen Lukas und Lancelot sofort zum Zaun. Die Pferde beginnen zu schmusen und schnuppern, ob die drei Leckerchen dabei haben. „Sie sind gar nicht schreckhaft“, befindet Christian Schmidt, „Das hätten wir nach dem Unfall eigentlich erwartet“.

Verletzte außer Lebensgefahr

Die drei kümmern sich um die Pferde, während ihre Besitzerin schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Vor drei Wochen war die Bestwigerin bei Nuttlar in ihrer Kutsche eingeklemmt worden. Was genau der Frau und ihren Pferden auf einer abgelegenen Straße nach Grimlinghausen widerfuhr, ist unklar. Die 40-Jährige befindet sich zwar nicht mehr in Lebensgefahr, ist aber noch nicht vernehmungsfähig. Der Verdacht der Mescheder Polizei lautet auf Verkehrsunfall mit Unfallflucht.

Die Mescheder Anwältin Mélanie Scheuermann war durch Zeitungsberichte auf die Verletzte und ihre Pferde aufmerksam geworden. Deren Familie konnte sich nicht um Lukas und Lancelot kümmern, auch die Grimlinghäuserin Elisabeth Hüser, die sich zunächst um die Tiere kümmerte, konnte sie nicht dauerhaft aufnehmen. Die Vorstellung, dass die Verletzte aufwacht und ihre Pferde weg sind, fand Mélanie Scheuermann schrecklich und bot Hilfe an. In Flechtdorf hält sie gemeinsam mit Christian Schmidt elf weitere Pferde, die sie vor dem Schlachter rettete. Ein weiterer Grund für den Umzug: Wie die Halterin selbst sahen sich Helfer Anfeindungen ausgesetzt. Einige Kraftfahrer betrachteten das Kutschgespann als störendes Hindernis auf den Straßen. Mittlerweile habe sich die Stimmung aber gewendet, berichtet Scheuermann.

Das Süddeutsche Kaltblut Lukas war eingespannt und zog sich schwerere Verletzungen zu als Reitpony-Mix Lancelot, der nebenher ging. Lukas erlitt wohl Muskelrisse: „Er läuft noch immer etwas komisch“, sagt Christian Schmidt. Lukas und Lancelot erhalten ein tägliches Pflegeprogramm, es gehe ihnen zunehmend besser. Fleischwunden verheilen bei Pferden laut Schmidt schnell. Bis Lukas’ Bänderdehnung auskuriert ist, könnten aber Monate vergehen. Beim Unfall hat er zudem seine Eisen verloren, ein Chiropraktiker wird seine Wirbel untersuchen. Die drei achten bei den angeschlagenen Tieren auch verstärkt auf Pilzbefall und Parasiten. „Pferde sind manchmal eine Dauerbaustelle“, sagt Mélanie Scheuermann. Bis ihre Besitzerin wieder fit sei, könnten Lukas und Lancelot sich auf jeden Fall in Flechtdorf erholen.

Von Wilhelm Figge

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