Bürgermeister und Schützenkönige sollten sich von Zündschnüren und -kabeln fernhalten

Honoratioren besser nicht böllern lassen

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Kanonendonner: Das Archivfoto vom Neujahrsböllern in Rhoden zeigt ein typische Szene wie sie bei vielen Festen im Waldecker Land und in Westfalen zur Eröffnung von Festen üblich ist.

Diemelstadt. Der tödliche Unfall beim Anböllern des Marsberger Schützenfestes hat Mitte Juli die heile Welt der Schützenvereine und Kanoniere ins Wanken gebracht.

 In die Trauer um den auf tragische Weise umgekommenen Schützenkönig und dem Beileid für seine junge Witwe mischt sich das Mitgefühl für den Schießmeister vor Ort. Beim Treffen der Waldecker Kanoniere, dem 44 Schützengesellschaften aus dem Waldecker Land, aus dem Raum Frankenberg, aus Westfalen und darüber hinaus angehören, ging es am Sonnabend in Rhoden auch um die juristische Aufarbeitung des Unglücks.

Ein Mitglied der Kanoniere aus Obermarsberg erklärte, dass die kriminaltechnischen Untersuchungen der Staatsanwaltschaft immer noch andauerten. Um den Gerüchten Einhalt zu gebieten, schilderte der Kanonier aus Marsberg den Hergang des Anböllerns beim Schützenfest im Sommer.

Der Sprecher der Waldecker Kanoniere, Roland Melcher sprach allen Beteiligten das Mitgefühl der Kanoniere aus und berichtete, dass man nach dem Unglück auf allen Ebenen über die Folgen beraten habe. Für die meisten stehe fest, dass ein tragisches Unglück nicht dazu führen dürfe, die Tradition ruhen zu lassen. Wohl aber müssten die richtigen Lehren gezogen werden.

So stehe die Frage im Raum, ob es zulässig sei, dass Bürgermeister oder Schützenkönige den ersten Schuss eines Festes auslösten. Zu klären sei auch die Frage, ob Kanoniere bei privaten Feiern wie Hochzeiten böllern dürften. Nur mit Erlaubnisschein Die Sprengverordnung ist da eindeutig: Nur geprüfte Inhaber von Erlaubnisscheinen dürfen mit Schwarzpulver und Böllern umgehen. Das könnte auch der Grund sein, warum die Haftpflichtversicherung des Veranstalters sich bisher weigere zu zahlen. Eigene Versicherung fragen Ein anwesender Rechtsanwalt, selber erfahrener Kanonier, erklärte, dass nun wohl Gerichte klären müssten, ob die langjährig geübte Praxis, den ersten Schuss durch Honoratioren ausführen zu lassen, weiter haltbar sei.

Bis zur Klärung empfehle er Zurückhaltung auf diesem Gebiet. Melcher riet zudem allen Schützenvereinen und Kanonieren, sich über ihren Versicherungsschutz zu informieren. Es könne durchaus sein, dass Versicherungen nach dem Unglück dazu übergingen, Schützenvereinen aufzuerlegen, sämtliche lizenzierten Kanoniere zu melden. Das Böllern bei privaten Feiern sei auf keinen Fall durch die Vereinshaftpflichtversicherung abgedeckt. Das müsse jeder Kanonier mit seiner Haftpflichtversicherung abklären.

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