Sprache ist wichtigstes Element

Integration: Diemelstadt will aus Flüchtlingen Bürger machen

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Die Flüchtlingshelfer aus Diemelstadt sind auf einem guten Weg. Bei einem Workshop wurden Erfahrungen ausgetauscht und weitere Pläne geschmiedet: Links: Bürgermeister Elmar Schröder, rechts die städtische Flüchtlingskoordinatorin Maria Schmidt.

Diemelstadt. Bis 2020 will die Modellkommune Diemelstadt 30 Prozent der derzeit 130 Flüchtlinge zu finanziell unabhängigen Bürgern machen. Voraussetzungen dafür sind Integrationsbereitschaft, eine Bleibeperspektive, flankierende Maßnahmen vor Ort und die Motivation der Flüchtlinge mit ihren Familien Diemelstadt als neue Heimat zu akzeptieren.

Um dieses Ziel erreichen zu können ist das Erlernen der deutschen Sprache unabdingbar. Deshalb wurde zum zweiten Workshop im Rahmen des Modellprojektes der Sprachwissenschaftler Thomas Küster eingeladen, der ein Sprachinstitut betreibt und sich intensiv mit der Flüchtlingsarbeit beschäftigt hat.

Küster weiß: „Es ist etwas völlig anderes, ob ich in der Schule eine Fremdsprache erlerne, die nicht existenziell für mein Leben ist und ohne die ich im Alltag gut auskomme, oder ob ich aufgrund der Flucht aus meinem Land plötzlich eine Zweitsprache erlernen muss, um am alltäglichen Leben teilhaben zu können.“

Vorteilhaft sei es, wenn Flüchtlinge außerhalb ihrer Wohnung nur deutschsprechende Menschen hätten und auch sofort die kulturellen Bedingungen mitlernen würden., so Küster. Problematisch sei es, wenn etwa eine lernbereite Frau schnell deutsch erlerne und ihr Ehemann aus Bequemlichkeit glaube, dass es reiche, wenn einer in der Familie kommunizieren könne.

Genau das seien die Fehler der ersten Gastarbeitergenerationen gewesen, die in ihren Wohnblöcken weiter die Muttersprache nutzen. Nicht Integration, sondern Ghettoisierung sind dann die Folge. Deshalb werden in Diemelstadt neben ehrenamtlichen Kursangeboten, die Alphabetisierungskurse und die großen BAMF-Integrationskurse angeboten und es kommt noch ein ganz neues Multimedia-Angebot hinzu.

 Bürgermeister Elmar Schröder hatte auf dem Zukunftskongress in Berlin zehn Lizenzen einer Sprachsoftware für Handys erworben, mit der ein Flüchtling über seine Lizenz und sein Handy den A1- und A2-Lehrgang anhand von Videosequenzen mit Aufgaben selbst machen kann.

 „Ich sehe in diesen recht günstigen Online-Kursen eine Riesen-Chance, die wir im Rahmen des Modellprojektes für das Land Hessen unbedingt auf Tauglichkeit prüfen wollen“, so Bürgermeister Schröder. Was mit Flüchtlingen geschieht, die nicht bereit sind, die städtischen Kursangebote anzunehmen, müsse diskutiert werden.

Wer offensichtlich nicht die deutsche Sprache lernen wolle, sei in kleinen Orten fehl am Platz, denn eine langfristige dauerhafte Betreuung könne unmöglich geleistet werden. „Ohne Kommunikation keine Integration und somit keine gesellschaftliche Teilhabe im Wohnumfeld“, so Schröder weiter. Um möglichst vielen Flüchtlingen eine Starthilfe geben zu können, seien viele Ehrenamtliche nötig.

Deshalb waren auch die Ehrenamtskoordinatorin für Nordwaldeck Änne Vetterlein und Diemelstadts Sportcoach Monika Trilling-Rauch beim Workshop mit dabei. Ohne die örtlichen Vereine und ehrenamtliche Helfer könne die Integration nicht gelingen. (r)

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