Zusammenleben mit Flüchtlingen

Pünktlichkeit ist ein Lernziel

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Bauhofleiter Detlef Richter (r.) mit seinem neuen Mitarbeiter Burkhard Oeckei (M.) und zwei in Diemelstadt lebenden Flüchtlingen. Foto. Armin Haß

Diemelstadt. Wie lässt sich das Zusammenleben mit Flüchtlingen in Diemelstadt organisieren? Eine Momentaufnahme.

 5200 Einwohner zählt die Großgemeinde Diemelstadt, 700 Menschen weniger als vor fünf Jahren. Den größten Zuwachs erlebt die Stadt durch den Zuzug von Flüchtlingen: 110 leben inzwischen vor allem in Wrexen, Rhoden und Wethen. 70 von Ihnen sind in der seit Jahren bestehenden Gemeinschaftsunterkunft in Wrexen, die übrigen etwa 40 Menschen privat untergebracht.

Auf die Zuweisungen durch den Kreis hat die Stadt, haben Vereine und ehrenamtliche Betreuer mit der Vermittlung von Wohnraum, Möbeln und Kleidung, der Organisation von Jobs und Deutschkursen sowie der Aufnahme ins Vereinsleben reagiert. Eine eigene Flüchtlingskommission verbindet haupt- und ehrenamtliches Engagement, das zur besseren Integration der Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan, Eritrea oder Pakistan beitragen soll. „Es läuft geräuschlos“, sagt Bürgermeister Elmar Schröder.

Sprachkurse, die Vermittlung in Jobs, die Betreuung durch Paten, die Beteiligung am Dorf- und Vereinsleben funktionieren. Die kulturellen und sprachlichen Unterschiede sind für beide Seiten gewöhnungsbedürftig: Deutsche Pünktlichkeit muss erlernt werden, die deutsche Sprache lernen speziell die jungen Leute sehr schnell, wenn sie nur die Gelegenheit dazu bekommen. „Die Menschen sind fleißig und gewillt, etwas zu lernen“, sagt der Rathauschef.

Zwei Asylsuchende sind momentan auf dem städtischen Bauhof beschäftigt und werden von Burkhard Oeckei mit angeleitet. Der gebürtige Wrexer ist selbst im Rahmen der Bürgerarbeit zum Bauhof gekommen und hat nun einen auf zwei Jahre befristeten Arbeitsvertrag vom Magistrat bekommen. „Wir waren anfangs eher skeptisch“, räumt Bauhofleiter Detlef Richter ein. Doch läuft die Zusammenarbeit mit den arbeitswilligen Flüchtlingen in seinem Team gut.

 Fünf Asylanten haben inzwischen beim Bauhof mitgearbeitet. Die Tätigkeit dort wird zugleich als Testlauf für die ausländischen Mitarbeiter angesehen. Drei sind in Unternehmen vermittelt worden.

Über die Volkshochschule werden die Deutschkurse in zwei Klassenräumen der Grundschule organisiert. Ein Kurs wird von der VHS finanziert, die übrigen Unterrichtsstunden werden von acht ehrenamtlich tätigen Bürgern gehalten. Die wenigsten sind ausgebildete Lehrer, durch die Konversation lernen die Schüler aber recht bald, sich im Alltag mit den Einheimischen zu verständigen. Und darauf kommt es im Rahmen dieser niederschwelligen Angebote an. Die staatlich finanzierten Integrationsprogramme mit Sprachkursen sind für Flüchtlinge, die schon einen Bleibestaus haben. Inzwischen wollen auch Firmenchefs Sprachkurse anbieten. Patenschaften von engagierten Bürgern erleichtern das Eingewöhnen in die neue Umgebung. Die Helfer geben Unterstützung im Alltag, wie etwa bei Einkäufen oder Behördengängen. Das Gemeinschaftshaus in Rhoden wurde so hergerichtet, dass dort nun viermal so viel Platz für die Kleiderkammer besteht. Der Bedarf reicht bis hin zu Einrichtungsgegenständen und Bettzeug. Denn die zuziehenden Flüchtlinge sollen möglichst in Wohnungen untergebracht werden, wie Bürgermeister Schröder betont: „Wir wollen dezentrale Lösungen unterstützen.“

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