Polittalk mit Unternehmer Wolfgang Grupp bei der Gewerbeschau

Bürokratie hemmt und klemmt

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Eingeflogen zum Polittalk: Trigema-Chef Wolfgang Grupp (Mitte); mit im Bild (v.l.) Bürgermeister Harmut Spogat (Fritzlar), Ute Kühlewind (Wildunger Stadtmarketing), Bürgermeister Klaus Gier (Edertal), Moderator Rainer Hahne, Regierungspräsdent Dr. Walter Lübcke, Landrat Dr. Reinhard Kubat.

Edertal-Bergheim - Flüchtlinge, Mindestlohn, das Handwerk und der Leerstand in Dörfern - beim Polit-Talk am Michaelismarkt wurden Themen diskutiert, die unter den Nägeln brennen. Besucher der Gewerbeschau erlebten einen lebhaften Schlagabtausch mit Trigema-Chef Wolfgang Grupp.

Kein Thema bewegt aktuell so die Gemüter wie die Flüchtlingswelle. Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke plaudert beim Polittalk am Sonntag aus dem Nähkästchen seiner Behörde. Mit vereinten Kräften sei es das Ziel, Flüchtlingen aus Kriegsgebieten eine Heimat zu geben.

Riesenproblem: Die Wirtschafts- und Armutsflüchtlinge aus dem Balkan ohne Chance auf Bleiberecht. „99 Prozent meiner Arbeitszeit wende ich dafür auf, sie wieder zurückzuführen.“ Hier sei dringend die Politik gefragt. „Ziel muss sein, möglichst viele Leute schnell nach Hause zu bringen und den Rest hier unterzubringen.“

Laut Landrat Dr. Reinhard Kubat wurden in diesem Jahr 700 Flüchtlinge in Waldeck-Frankenberg aufgenommen, weitere 400 werden erwartet. „Wir organisieren mit den Städten und Gemeinden sehr geordnet den Unterbringungsprozess.“ Zunehmend mehr unbegleitete Flüchtlinge kommen an. Das sind Jugendliche, die ihre Eltern im Krieg verloren haben oder bewusst von ihren Familien nach Europa geschickt wurden. Allein 100 werden in Fritzlar betreut, merkt Bürgermeister Hartmut Spogat an. „Die jungen Leute wollen eine Ausbildung, wollen in Berufe.“

„Den langen Zopf abschneiden“

Die Gesellschaft sei gefragt, meint Landrat Kubat, „wir müssen enger zusammenrücken“. Ähnlich wie nach dem zweiten Weltkrieg, als 15000 Heimatvertriebene in der Region aufgenommen wurden. Die Chance, durch Flüchtlinge den Leerstand in Dörfern zu beleben, ist aus Sicht von Ute Kühlewind (Stadtmarketing Bad Wildungen) gering. Viele Häuser seien seit Jahren unbewohnt. „Wir brauchen keine Baracken sondern menschenwürdige Unterkünfte.“

Für seine lockere Zunge und klare Botschaften ist Wolfgang Grupp bekannt, der mit dem Hubschrauber zum Polittalk gekommen war. Der 73 Jahre alte Chef einer Textilfirma skizzierte, wie er einen Asylbewerber einstellen wollte und an der deutschen Bürokratie kläglich scheiterte: Kein Erfolg auf Monate in Sicht. „Wenn die Regierung den langen Zopf abschneidet, würde es gelingen.“

Von den Flüchtlingen zum Mindestlohn. Für den Baden-Württemberger ist das kein Thema: „Wer gute Mitarbeiter haben will, der hat gar keine andere Wahl als mehr als den Mindestlohn zu zahlen.“ Grupp kritisierte jedoch heftig den verordneten Aufwand zu den Dokumentationspflichten. Edertals Bürgermeister Klaus Gier sieht noch eine andere Frage ungelöst. Bürgern, die sich einbringen in der Gemeinde bei Landschaftspflege, als Ortsvorsteher oder anderen Tätigkeiten müsse auch Mindestlohn gezahlt werden. „Das kann so nicht gewollt sein - hier muss überlegt werden, gewisse Bereiche raus zu nehmen.“

Handel und Handwerk nutzten die Edertaler Gewerbeschau, um Nachwuchs zu werben. Moderator Rainer Hahne zeigte sich beeindruckt von über 60 Ausstellern. Bürgermeister Gier: „Das ist eine tolle Schau - ein Erfolg von tatkräftigen Unternehmen und Visionären.“ Sein Fritzlarer Amtskollege bescheinigt: „Die Region Mittleres Edertal ist mit 40000 Einwohnern gut aufgestellt, um sich gegenseitig zu befruchten.“

Von Conny Höhne

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