202 Wanderer beim Marathon am Edersee mit Extremwanderer Thorsten Hoyer

Erlebnis auch bei Nacht

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Über 200 Wanderer aus ganz Deutschland schnürten gestern ihre Stiefel zum Wandermarathon am Edersee, ein Wanderer meisterte die aussichtsreichen Höhe an den Steilhängen sogar in Holzschuhen.Foto: Höhne

Edersee - 202 Wanderer aus ganz Deutschland starteten Freitagmorgen zum Wandermarathon am Edersee mit Extremwanderer Thorsten Hoyer. Zwei Drittel peilten die 80 Kilometer lange Strecke um den See nach Bad Wildungen an, für die übrigen Teilnehmer endete der Marathon nach 40 Kilometern in Herzhausen.

Mit dem Marathon endete die Wanderwoche von Edersee Touristic und Staatsbad Bad Wildungen, die von Nationalpark, Naturpark und Hessen-Fort unterstützt wurde. An der Edertalsperre schickte Bürgermeister Klaus Gier die Wanderer Freitagmorgen auf die Strecke. „Passen Sie auf, hier wurden Wölfe gesichtet“, rief er der Gruppe zu. Angesichts der überwältigenden Teilnehmerzahl zeigte sich Gier zuversichtlich, dass sich das Wandern in der Edersee-Region weiter entwickelt.

Dass sich nicht nur mit High-Tech-Materialien und Wanderstiefeln die Landschaft entdecken und genießen lässt, zeigte der wandernde Braunauer Milchbauer Otto Schöneweiß. Er meisterte in Holzschuhen das Auf- und Ab an den Steilhängen des Edersees. Der Weg führte auf aussichtsreichen Höhen über Waldeck, Nieder-Werbe, Basdorf, Asel und Harbshausen nach Herzhausen, wo nach 40 Kilometern die Halbzeit eingeläutet war. Weiter ging es über Buchenberg, Schmittlotheim, Altenlotheim, Frankenau, Hüddigen und Alberthausen nach Wildungen zur Wandelhalle.

„Hier zählt nicht Leistung sondern das Erlebnis“

Für sportliche Trail-Wanderer war die 80-Kilometer-Tour mit 2200 Höhenmetern eine Herausforderung. Nach 14,5 Stunden wurden die Schnellsten am Ziel erwartet. Samstagmorgen - nach 24 Stunden - sollten alle Teilnehmer die Wandelhalle erreicht haben. „Es zählt nicht die sportliche Leistung sondern das Erlebnis“, sagt Torsten Hoyer, der gerade von einer Tour aus Grönland zurückgekehrt ist. Wer sich diesem Marathon stelle, sollte grundsätzlich Spaß und Motivation mitbringen, an die eigenen Grenzen zu gehen und ohne Schlaf auszukommen, erläutert der Frankenauer.

Über Qualitätswanderwege entdecken die Wanderer das Reich der urigen Buchen und lernen die Landschaft am Edersee kennen - und zwar bei Tag und Nacht. Helfer an elf Verpflegungsstationen entlang der Strecke halten Getränke und Imbiss parat. Vor allem Vereine brachten sich tatkräftig ein, und oft zu vorgerückter Stunde. „Solche Partner brauchen wir“ sagt Rainer Ohlsen vom Naturpark Kellerwald-Edersee. Durchhaltevermögen bewiesen besonders die Albertshäuser, wo die Station bei Kilometer 76 von 22 Uhr am Freitagabend bis um 7 Uhr am Samstagmorgen zu besetzen war.

Für die Nachtetappe markiert

Neben über 50 Helfern an allen Stationen wirkten etliche Mitstreiter noch bei der Organisation im Hintergrund. Auch im Vorfeld war einiges zu schultern. „Der Naturpark hat 80 Kilometer Wanderwege markiert, damit man sie auch in der Nacht findet“, betonte Claus Günther von der Edersee Touristic.

In Herzhausen endete der kürzere Marathon. Shuttle-Busse brachten die Teilnehmer nach Bad Wildungen. Die übrigen Wanderer ließen sich von der Marschmusik des Musikvereins Buchenberg einstimmen für die zweite Marathon-Etappe.

Ab 3 Uhr am Samstagmorgen lockte das Frühstücksbuffett in der Wandelhalle. Extremwanderer Thorsten Hoyer wollte als Schlusslicht ins Ziel einlaufen. Für den Frankenauer war die Marathonwanderung am Edersee eine Trainingsetappe für sein nächstes Ziel. „Diesmal geht‘s nach Israel in die Negev-Wüste“ verrät er. „225 Kilometer von Eilat bis nach Mitzpe Ramon ohne Versorgung von Außen, nur mit Rucksack und 20 Litern Wasser.“

Von Conny Höhne

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