Erstes Forschungssymposium gibt unter anderem Einblicke ins Leben der Fledermäuse

Nationalpark Kellerwald-Edersee ist eine Fundgrube für die Wissenschaft

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Das "Große Mausohr" und seine vielen Verwandten im Nationalpark sind eines der spannenden Forschungsobjekte, dem sich Wissenschaftler seit Jahren widmen.

Edertal/Bad Wildungen. Der Nationalpark Kellerwald/Edersee ist Wissenschaftlern Fundgrube wie Schatztruhe in einem, zeigte sich beim ersten Forschungssymposium des Großschutzgebietes. Manche Projekte laufen auf den knapp 5800 Hektaren länger, als es den rund zehn Jahre alten Park gibt. Dazu zählen die Arbeiten des Fledermaus-Experten Dr. Markus Dietz und seines Teams.

Wie rasant die Möglichkeiten der Wissenschaft wachsen, schilderte er dem Fachpublikum in der Wildunger Wandelhalle: „Als wir 2001 begannen, fingen wir die Fledermäuse in Netzen, um sie zu bestimmen und zu zählen.“ Ein solches Vorgehen wäre heute im Nationalpark verboten, weil sich die Forschung dem Schutzziel unterordnen und behutsam arbeiten muss. Die ungestörte Entwicklung der Natur rangiert vor der Neugierde des Menschen. Dieser braucht die Netze inzwischen auch nicht mehr, sondern hört mit bioakustischen Geräten die „Kobolde der Nacht“ ab, erkennt sie an ihren Rufen und bestimmt die Zahl der Exemplare pro Art.

Die Wissenschaftler sparen sich gar vielfach den Weg in den Wald, „denn wir bekommen die Informationen per SMS aufs Handy“, erläutert Dietz. Solche Verfahren fallen unter den Begriff „Telemetrie“. Nach eineinhalb Jahrzehnten haben die Fledermaus-Forscher die meisten Grund-Tatbestände zu den fliegenden Säugern im Nationalpark geklärt. So stieg die Zahl der gefundenen Arten von 15 zu Beginn auf aktuell 18, „und damit ist die Sättigung erreicht“, zeigt sich Dietz überzeugt. Was sich im Laufe der Jahre verschieben werde, sei die Gewichtung der Arten, denn der Prozess hin zum Urwald begünstige die einen durch Ausdehnung ihrer Lebensräume und verringere die Möglichkeiten anderer Vertreter der Unterordnung, weil die Zahl ihrer Reviere schrumpft – beispielsweise, wenn diese auf Menschenhand zurückgehen, wie es bei alten Kulturflächen in dem Gebiet der Fall ist. Eine spannende Aufgabe bleibt es, die Details des faszinierenden Lebens der Flattertiere zu ergründen.

Mehr in der WLZ vom 6.10.2016

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