90 Feuerwehrleute im Einsatz - Menschen nicht verletzt

Viele Rinder sterben bei Großbrand auf Bergheimer Bauernhof

+
Drei Stunden nach dem Ausbruch des Brandes gelang es Feuerwehrleuten, mehrere Kälber zu bergen. Ob sie weiterhin überleben oder auch wegen schwerer Rauchvergiftungen eingeschläfert werden müssen, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Bei einem Großfeuer auf einem landwirtschaftlichen Hof im Bergheimer Dorfkern ist am Donnerstagmorgen eine noch unbekannte Zahl an Rindern verendet. Weitere Tiere schläferte eine Veterinärin ein, um sie von ihrem Leiden zu erlösen. Knapp 90 Feuerwehrleute kämpften über Stunden gegen die Flammen. Menschen wurden bei dem Brand nicht verletzt. 

Aus bislang unbekannter Ursache war er gegen 5 Uhr in der Scheune des Komplexes ausgebrochen. Vorbeifahrende Verkehrsteilnehmer entdeckten die Gefahr und klingelten die Bewohner aus dem Bett.

In der Scheune lagerten rund 2000 so genannte HD-Ballen Stroh (kleine Rechteckballen) und eine unbekannte Zahl an Rundballen. Außerdem war ein alter Mähdrescher in dem Bau abgestellt. Das Feuer fand auf diese Weise schnell und viel Nahrung. Es breitete sich mit rasender Geschwindigkeit aus und  griff auf die benachbarten Ställe über, in denen sich eine bislang nicht genau bekannte Zahl von Tieren befand: Kälber, Jungbullen und Kühe. Die ersten Angaben schwankten zwischen 80 und 130 Rindern. Später war von noch mehr die Rede. Ihre Rufe hallten weithin durch den Ort und rissen die meisten Bergheimer aus dem Schlaf.

Brand in Bergheim

Als die Bergheim-Giflitzer Brandschützer mit ihrem Wehrführer Mathias Ladwig kurz nach dem Notruf eintrafen, standen weite Teile des Anwesens bereits hell in Flammen. Die Hitze katapultierte die Ziegel von den Dachstühlen. An einem Haus auf der Straßenseite gegenüber schmolz der Rollladen, obwohl die Temperaturen in der Nacht bis auf 3 Grad Celsius gesunken waren. Rasch griff auch die alarmierte Verstärkung ein, bis schließlich 90 Frauen und Männer unter Einsatzleitung von Gemeindebrandinspektor Dirk Rübsam versuchten zu retten, was zu retten ist. Großes Problem für die Helfer: Tiere, die bereits aus dem Gebäude herausgetrieben waren, versuchten in Panik, zurück in den vertrauten Stall zu kommen. Sie liefen geradewegs aufs Feuer zu.

Tierärztin musste viele Rinder einschläfern

Dreieinhalb Stunden lang kämpften die Frauen und Männer in ihren schwarzen Anzügen, mit und ohne Atemschutzgerät, gegen die Flammen und den dichten Qualm, der sich weit im Edertal verteilte. Dann hatten sie  das Feuer unter Kontrolle. Unterstützung erhielten die Edertaler unter anderem von den Drehleitern aus Fritzlar und Bad Wildungen. Wegen Einsturzgefahr gelang es aber nicht, zu einem Großteil der Rinder vorzudringen. So schlugen die Helfer Fenster ein und leiteten über Ventilatoren Luft ins Innere, um den Tieren wenigstens auf diese Weise Linderung zu verschaffen.

Die Tierärztin musste viele Rinder einschläfern, weil sie zu schwer verletzt waren. Albert Hernold, Leiter des Wildtierparks, unterstützte die Veterinärin mit dem Narkosegewehr bei dieser belastenden Arbeit. Zur Vorsicht betäubte er auf diese Weise auch den erwachsenen Bullen, der auf einer Wiese oberhalb beunruhigt und aggressiv auf die Panik in seiner Herde, auf die Löscharbeiten und die vielen fremden Menschen reagierte. Es bestand die Gefahr, dass er den Zaun durchbrechen könnte.

Jungtiere scheinen unverletzt zu sein

Wie viele Tiere starben, wie viele eingeschläfert wurden und wie viele die nächsten Tage trotz vorläufiger Rettung nicht überstehen, weil sie schwere Rauchvergiftungen erlitten, lässt sich bis zur Stunde nicht sagen. Gegen 8 Uhr schafften es die Feuerwehrleute, mehrere Kälber aus den hinteren Ställen zu bergen. Die Jungtiere schienen auf den ersten Blick relativ unversehrt und wurden in einem Gebäude auf der anderen Straßenseite untergebracht. Direkt daneben hatten Frauen aus dem Dorf eine kleine Station aufgebaut, von der aus sie die Brandschützerinnen und -schützer mit Brötchen und Getränken versorgten in einem Großeinsatz, wie ihn Edertal  auf einem landwirtschaftlichen Hof mit so schwer wiegenden Folgen seit Jahren nicht erlebt hat.

Die Feuerwehren schafften es mit vereinten Kräften, das Wohnhaus des Anwesens zu erhalten, abgesehen von einem Teil des Dachgeschosses. Zwei Personen leben in dem Haus. Sie gelangten rechtzeitig hinaus.

Bergheim weiträumig abgesperrt

Polizei, Feuerwehr und Straßenmeisterei sperrten Bergheim weiträumig für den Verkehr ab. Diese Sperrung dauert nach Angaben der Polizei mindestens noch bis 15 Uhr. Einer der Gründe liegt darin, dass die Einsatzkräfte die Wasserversorgung auch durch Entnahme aus der Eder sichern und eine große Zahl von Schläuchen quer auf den Fahrbahnen verlegten bis hin zum Brandort in der Wellener Straße.

Gemeindebeigeordnete Annegreth Schultze-Ueberhorst verschaffte sich als Vertreterin des Bürgermeisters einen Überblick und bot Hilfe seitens der Verwaltung und des Bauhofes an. Auch der stellvertretende Kreisbrandinspektor Bernd Berghöfer machte sich vor Ort ein Bild von den Löscharbeiten. Viele der Feuerwehrleute meldeten sich angesichts der bis weit in den Tag hinein reichenden Lösch- und Aufräumarbeiten bei ihren Arbeitgebern ab.

Ein Bagger wurde bestellt, um die Wände einzureißen. So erhielten die Abdecker Zugang zu den toten Tierkörpern, um sie einzusammeln und zu entsorgen. Die Brandermittler der Polizei nahmen ebenfalls ihre Arbeit auf. (su/112-magazin)

Mehr zum Thema: 

Mit Video: Großbrand auf Bauernhof in Bergheim

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion