Polizeihubschrauberstaffel und Bergwacht üben Windenrettung im Gelände

24-Stunden-Service aus der Luft

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Willingen - Wenn jemand in unwegsamem Gelände so verunglückt, dass selbst Bergretter an ihre Grenzen stoßen, ist Hilfe aus der Luft gefragt. Um eine reibungslose Rettung zu gewährleisten, trainieren Polizeihubschrauberstaffel und Bergwacht bis Samstag in Willingen mit der Seilwinde.

Als der Hubschrauber zwei der hessischen Bergretter gestern auf einer Brücke des „Kyrillpfads“ hoch auf dem Ettelsberg absetzen will, wird schnell deutlich, warum mehrtägige Trainingseinheiten wie diese notwendig sind: Der Willinger Wind fordert die Hubschrauberbesatzung (zwei Piloten, ein Winden-Operator) ebenso wie die Rettungskräfte, die am Windenseil kräftig hin- und herpendeln, bis sie wieder Boden unter den Füßen haben. Nicht viel besser ergeht es den Kollegen am späten Nachmittag. Aufgabe der Besatzung ist es, den Bergretter auf eine Gondel der Ettelsberg-Seilbahn abzulassen, damit dieser die eingeschlossenen Personen von dort abseilen kann.

„Mit drei scharfen Windeneinsätzen pro Jahr können wir uns nicht mit einer Staffel aus Bayern vergleichen, die 100 Mal jährlich zu Bergrettungseinsätzen fliegt“, betont Pilot Klaus Boida. Er ist bei der in Egelsbach stationierten Staffel, die zum Hessischen Bereitschaftspolizeipräsidium gehört, für die Aus- und Fortbildung der 24 Piloten und sieben Flugtechniker, die drei Eurocopter 145 und ein Polizeiflugzeug fliegen, zuständig. Das Intensivtraining mit den Luftrettern der Bereitschaften Willingen, Bad Wildungen, Darmstadt und Großer Feldberg ist für den 51-jährigen, erfahrenen Flieger dennoch extrem wichtig, denn die Rettung aus unwegsamem Gelände birgt neben der Witterung weitere Schwierigkeiten.

„Schon die Windeneinweisung braucht viel Zeit und wird daher auch im Bergwacht-Zentrum Bad Tölz im Simulatur trainiert“, erklärt Boida. Lebensgefährlich kann es für einen Verletzten zum Beispiel werden, wenn sich der Bergesack durch den Abwind des Hubschraubers zu drehen beginnt und das Blut vom Herz weggedrückt wird. Um möglichst viel zu trainieren, fliegt der Hubschrauber einen Parcours mit verschiedenen Stationen ab.

„Die Lebensrettung hat bei uns höchste Priorität“, erklärt Boida.

Die Suche nach Vermissten mit Peiltechnik, Scheinwerfern und Wärmebildkamera sowie die Unterstützung von Rettungskräften und Feuerwehr sind allerdings nur zwei Einsatzgebiete der Staffel. Zugleich fahnden die Flieger nach Straftätern, dokumentieren Unfallstellen und Tatorte, observieren, setzen SEK-Beamte ab oder fliegen Streife über hessische Gewässer, um Umweltverschmutzungen festzuhalten. „Wir bieten einen 24 Stunden-Service aus der Luft“, resümiert Boida. „Die Leitstellen können uns also jederzeit anfordern.“

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