Vertreter von westfälischen Energieversorgern stellen Überlegungen zu Pumpspeicherkraftwerk vor

500-Millionen-Projekt angepeilt

So könnte es werden: Links das ins Auge gefasste Oberbecken auf dem Hohen Eimberg, rechts das Unterbecken bei Schwalefeld. Die Projektplanung wurde uns freundlicherweise von den beiden beteiligten westfälischen Energieversorgungsunternehmen Mark-E und Grünwerke zur Verfügung gestellt.

Willingen - Zwei westfälische Energieversorger werben um Unterstützung für das angedachte Pumpspeicherkraftwerk im Bereich Hoher Eimberg/Itterbach. Die Realisierung ist derzeit noch mit vielen Fragezeichen behaftet. Falls das gigantische Vorhaben jedoch verwirklicht werden sollte, steht eine Investitionssumme von rund 500 Millionen Euro im Raum.

„Das Projekt birgt viele Schwierigkeiten, aber auch eine Menge Chancen“, betonte Bürgermeister Thomas Trachte in der gemeinsamen Sitzung, zu der sich die Upländer Gemeindevertreter und der Rat des Stadt Brilon am Donnerstag im Willinger Besucherzentrum trafen. Vertreter der Grünwerke (Düsseldorf) und der Mark-E (Hagen) stellten den Kommunalpolitikern und zahlreichen interessierten Bürgern ihre Überlegungen vor. Dabei verdeutlichten sie, dass Pumpspeicherkraftwerke aus ihrer Sicht als beste, kostengünstigste und erprobte Speichertechnologie konkurrenzlos sind.

Vor zwei Jahren begann eine systematische Standortsuche in fünf westfälischen Kreisen. Wie bereits berichtet, entsprachen mehr als 400 potenzielle Standorte den topografischen und morphologischen Mindestkriterien. Zehn Standorte kamen nach Prüfung technischer und naturschutzrechtlicher Kriterien in die engere Auswahl.

Nach näheren Untersuchungen und Ortsbesichtigungen favorisieren die beiden westfälischen Energieversorgungsunternehmen nun letztendlich zwei Standorte: Zum einen den Bereich Hoher Eimberg/Itterbach, zum anderen das Gebiet Sorpeberg/Glinge (Hochsauerlandkreis/Kreis Olpe). Sollten alle planungsrechtlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen erfüllt werden, sind die Unternehmen nach Aussagen ihrer Sprecher prinzipiell daran interessiert, beide Projekte zu realisieren.

Jörg Ohliger und Hubertus Moos (Mark-E Aktiengesellschaft) sowie Ralf Zischke (Grünwerke GmbH) verdeutlichten, dass sich das Vorhaben noch in einem frühen Planungsstadium befindet und die Projektentwicklung als ergebnisoffener Prozess verstanden wird. Sie gehen von einem mindestens zehnjährigen Planungs- und Realisierungszeitraum aus.

30 Meter tiefes Becken

Nach den jetzigen Vorstellungen soll das Oberbecken, das auf dem Hohen Eimberg genau auf der hessisch-westfälischen Grenze zwischen Willingen und Brilon vorgesehen ist, rund 2,67 Millionen Kubikmeter Wasser fassen (davon 2,51 Millionen Kubikmeter „Pendelwassermenge“). Für das Oberbecken wird eine Fläche von 23,5 Hektar benötigt. Die maximale Staufläche beläuft sich nach den vorläufigen Planungen auf 128 192 Quadratmeter. Das Becken soll von einem Ringwall umgeben werden, der zirka 15 Meter aus dem Boden herausragt. „Er ist also nicht höher als die Fichten, die jetzt dort stehen“, betonte Hubertus Moos. Bei einer Beckentiefe von 30 Metern sind rund 1,52 Millionen Kubikmeter Material- und Massenbewegungen erforderlich. Um die Lieferung, Entsorgung und den Transport möglichst gering zu halten, soll die Herstellung des Steinschüttdamms im Massenausgleich erfolgen; es soll also nur genauso viel geeignetes Steinmaterial abgetragen werden, wie im Umschließungsdamm wieder eingebaut werden kann. Über einen Einlaufturm und den daran anschließenden, etwa 400 Meter langen Druckschacht gelangt das Wasser zum Krafthaus und den Pumpenturbinen.

Das Unterbecken soll im Itterbachtal bei Schwalefeld entstehen. Es benötigt eine geringfügig größere Fläche als das Oberbecken (etwa 24 Hektar). Als Absperrbauwerk ist ein rund 34 Meter hoher Steinschüttdamm mit einer Kronenlänge von 214 Metern angedacht, der wenige Hundert Meter hinter der Kläranlage in Richtung Schwalefeld errichtet werden soll. Als Baumaterial könnte das Gestein verwendet werden, das beim Bau der ebenfalls erforderlichen Stollen anfällt. Der maximale Beckeninhalt wird mit 3,18 Millionen Kubikmetern angegeben, der nutzbare Wasserinhalt mit 2,55 Millionen Kubikmetern, die Staufläche mit höchstens 227 450 Quadratmetern. Im Bereich des Unterbeckens müsste die Straße auf einer Länge von 2,7 bis 3,4 Kilometern umgelegt werden.

Grober Terminplan

Neben den beiden Becken sind mehrere Untertagebauwerke für den Betrieb des Kraftwerks erforderlich (Druckstollen, Energieableitung, Zufahrtsstollen und Druckschacht). Einige technische Daten zum Kavernenkraftwerk: Die mittlere Fallhöhe beträgt 323,5 Meter, die Anlagenleistung 324 Megawatt, die Energieerzeugung 1950 Megawattstunden.

Die Firmensprecher gehen davon aus, dass die Investition positive wirtschaftliche Auswirkungen auf die Region hätte. Der grobe Terminplan: ab 2014 Regionalplan-, ab 2016 Raumordnungs-, ab 2017 Flächennutzungsplan- und Planfeststellungsverfahren, 2019 Baubeginn, in etwa zehn Jahren Inbetriebnahme.

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