Nicht Rattlar, sondern Usseln ist das höchstgelegene Dorf im Upland

7,11 Höhenmeter geben den Ausschlag

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- Willingen-Rattlar/Usseln (bk). Das Thema sorgt seit einigen Tagen für Diskussionsstoff an den Upländer Stammtischen: Ist Rattlar nun das höchstgelegene Dorf im Upland? Oder sollten tatsächlich alle bisherigen entsprechenden Veröffentlichungen auf einem Irrtum beruhen?

„Ich habe schon in der Schule gelernt, dass Rattlar der höchstgelegene Ort ist.“ Und so wie Ortsvorsteher Hartmut Saure geht es den meisten Upländern. Entweder haben es die Lehrer erwähnt oder die Eltern kamen irgendwann mal darauf zu sprechen. Und schließlich ist es ja auch vielfach nachzulesen: Auf alten Ansichtskarten, in diversen heimatkundlichen Schriften, in Prospekten, Zeitungsartikeln und in aktuellen werbewirksamen Internetauftritten. So ließ sich der damalige Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius 1968 in der Festschrift zur Rattlarer 800-Jahr-Feier über „den höchstgelegenen Ort des waldreichen und romantischen waldeckischen Uplandes“ aus. Im 1990 herausgegebenen Ortssippenbuch wird Rattlar ebenfalls als „höchstgelegener Uplandort“ genannt. Klare Aussagen auch von Seiten der Gemeinde: „Mit über 600 m über dem Meeresspiegel ist Rattlar der höchstgelegene Ort im Waldecker Land und Ausgangspunkt für herrliche Wanderungen...“, heißt es im Gastgeberverzeichnis 2012.

Als der Usselner Orthopädieschuhmachermeister Holger Vogel vergangene Woche in der WLZ-Sonderausgabe übers Upland eine entsprechende Bildunterschrift las, griff er zum Telefon. Ihm selbst wurde zwar seinerzeit in der Schule ebenfalls beigebracht, dass Rattlar den Rekord hält, aber er weiß es inzwischen besser: „Usseln ist der höchstgelegene Ort.“ Er verweist auf entsprechende Messungen, die die Feuerwehr seines Heimatortes schon vor etlichen Jahren durchgeführt hat. Holger Vogel, der sich sehr für heimatkundliche Themen interessiert und als Stutzmeister der Schützengesellschaft die Usselner Umgebung genau kennt, hat die Sache zudem mit dem Navigationsgerät überprüft.

Und was sagen die Fachleute vom Amt für Bodenmanagement zu der Angelegenheit? Der Amtsleiter, Vermessungsdirektor Frank Mause, und Gebietstopograf Günter Schnegelsberg können bei der Höhenbestimmung im Upland auf die Ergebnisse aktuellster Laser-Scan-Technik zurückgreifen. Seit 2007 wird Hessen im Auftrag des Landesamts für Bodenmanagement und Geoinformation beflogen und mithilfe eines Laserscanners aufgenommen. Das so entstehende digitale Geländemodell zeigt die natürliche Geländeform auf. Durch regelmäßig angeordnete Gitterpunkte mit einer Gitterweite von nur einem Meter wird jeder Quadratmeter in der Höhe bestimmt.

Zur Darstellung der Höhenverhältnisse greift der Topograf zum Mittel der virtuellen Überflutung: Er setzt die Region am Computerbildschirm kurzerhand unter Wasser und zeigt verschiedene Wasserstände auf: . „Landesweit gültige Messpunkte an den Kirchen verweisen auf 581,79 Meter über N. N. in Usseln und 574,68 Meter über N. N. in Rattlar.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 26. Januar

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