Drei Stunden ohne Durchhänger und Ermüdungserscheinungen

Abba und Harpo - Show der Superlative

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Gut aufgelegt präsentierte sich das Team von Abba-Hautnah mit Harpo auf der Korbacher Stadthallenbühne.

Korbach - „Mehr Abba geht nicht“, hatten die Veranstalter versprochen. Mit drei Stunden Show und insgesamt 38 Hits hielten das Ensemble von „Abba Hautnah“ und der singende Conferencier Harpo das Versprechen.

Großen Anteil an diesem rundweg gelungenen Abend hatte auch das gut aufgelegte Publikum in der sehr gut besuchten Korbacher Stadthalle, das konstant von Kopf bis Fuß auf Mitmachen eingestellt war.

Aufforderungen zum Mitklatschen oder Mitsingen waren erst gar nicht nötig, denn schon bei „S.O.S.“, das gleich nach dem obligatorischen „I am the Tiger“ ertönte, stimmten die Fans spontan in den Refrain ein.

Zahlreiche Anwesende erwiesen sich im weiteren Verlauf auch bei den Strophen von „Knowing me, knowing you“, „Take a Chance on me“, „Money, Money, Money“ oder „Supertrouper“ als textsichere Mitsänger bei der Show, die sämtliche Klassiker in Kostümen aus allen Phasen der zehnjährigen Karriere auf die Bühne brachte, bei der Titelauswahl aber nicht allzu streng am Look des jeweiligen Albums klebte. So ertönte z.B. „Honey, Honey“ im Kimono-Look von „Voulez-Vous“, der bei „Chiquitita“, mit dem die erste Hälfte ausklang, natürlich ebenso originalgetreu war wie der Grandprix-Look zu „Waterloo“, mit dem es wieder los ging.

Dergleichen Details bei der Kostümfrage dürften allenfalls absolute Puristen gestört haben. Die auch aus diversen Nachbarkreisen angereisten Fans gingen von Anfang an voll mit, auch beim „Honolulu-Dance“, dem ersten Nummer-Eins-Hit von Harpo, mit dem der Zeitzeuge mit der eigenen Erfolgsgeschichte im Hintergrund seine erste Einlage als Coferencier beendete. Geduzt mit Agnetha, Anna, Björn und Benny hatte er sich schon vor dem zeitgleichen Karrierestart, zumal es im Schwedischen keine Alternative zum „Du“ gibt.

Ganz nah am Original

Dank dieser Regel hatte Karen Hylander als Agnetha gleich zu Beginn die deutsche Höflichkeitsform abgeschafft und die persönlichere Anrede als Standard für die Show eingeführt, die auch nach der Pause mit viel Miteinander wie dem Fingertanz zu „Mamma Mia“ weiter ging.

Bei „Waterloo“ wirkten Karen Hylander (Agnetha), Janina Goy (Frida), Heiko Pagels (Björn) und Frank Weise (Benny) dem Original so nah wie nie, die Vokalparts waren durchweg so authentisch wie die Stimmfarben und auch das Flirten und Schäkern über Kreuz kam über die Rampe, als wären die Zuschauer in eine andere Zeit versetzt worden.

Zeitzeuge Harpo sorgte mit seinen lebhaften Schilderungen von Abba einst und jüngsten Treffen mit Benny und Björn für die regelmäßige Rückkehr in die Gegenwart. Und das ohne Stimmungseinbrüche, zumal bei den Big Hits „In the Zumzumzummernight“, „Movistar“ und „Horoscoope“ auch die komplette „Abba-Hautnah“-Formation als musikalisch kompetente Mitspieler für zusäztlichen Groove sorgte.

Als Zugabe für eine besonders beherzte Zuschauerin hielt Wirbelwind Harpo eine CD mit den jüngsten Sounds von Benny bereit. Dessen Wiedergänger hatten bis dahin die Keyboards stets am rechten Rand gehalten, wo er allenfalls durch gelegentliche Besuche der beiden Damen aufgemuntert wurde. Zu den neckischen Spielchen auf dem „Tropical Loveland“ zog es Frank Weise mit dem Akkordeon in die Mitte, aus der er sich stilecht nach „Hasta Maniana“ wieder verabschiedete. Als Björn beklagte Heiko Pagels in „Why does it have to be me“ seine Rolle als vielfach bedrängter Frauenschwarm.

Disco-Fever zum Schluss

Mit einem stimmungsvollen Smooth-Jazz Sax-Solo, das die Antwort auf die Frage nach dem nächsten Hit lange offen ließ, begann der letzte, besonders tanzfreudige Abba-Block. Denn nach „The Winner takes it all“ mit Karen Hylander als klagender Agneta brach auf der Bühne wie auf der Tanzfläche das Disco-Fever aus. Mit „Gimme Gimme ( A man after Midnight)“, bei dem Janina Goy maximale Frida-Power verströmte, begann die energiegeladene Schlussphase.

Bei den funktigen Versionen von „Lay all your love on me“, „Voulez- vous“ oder „Dancing Queen“ hielt es nur diejenigen auf den Stühlen, die gerade nicht aufstehen konnten. Die großartige Band, die zuvor bei den lyrischen Momenten verzaubert hatte, zeigte sich beim Disco-Kapitel von ihrer groovigen Seite.

Andächtige Stille gab es bei der ersten Strophe der ersten Zugabe: „Thank you for the Music“, die mit Standing Ovations belohnt wurde. „Etwas fehlt noch“, rief Karen Hylander und holte Harpo für sein Encore auf die Bühne. Mit Charlie Chaplins „Smile“ spielte er mit seiner Clownsrolle im Projekt und schloss beim letzten Winken und Zurückwinken des Publikums an den Honolulu-Dance an, mit dem er seinen Auftritt eröffnet hatte.

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