Adorf

„Abenteuer“ unter Tage

- Diemelsee-Adorf (nv). „Glück auf“ und ab in die Unterwelt heißt es seit 25 Jahren in Adorf. Nach eineinhalb Jahren Schwerstarbeit eröffnen Knappen und Gemeinde 1986 das Besucherbergwerk „Grube Christiane“. 15 Jahre später gründet sich der Knappenchor – zwei Gründe, um zurückzublicken.

Der Bergbau prägt die Region Adorf über Jahrhunderte. Nach der Schließung der Erzgrube „Christiane“ 1963 bleibt der Blick in die rötlich schimmernde Unterwelt lange verwehrt. Den Wunsch, an ihrer alten Wirkungsstätte ein Besucherbergwerk zu eröffnen, verlieren die ehemaligen Kumpel, die seit 1875 im Knappenverein organisiert sind, dennoch nie aus den Augen.

„Als die Gemeinde die Grube in den 70er-Jahren erwirbt, ist die Idee noch nicht umzusetzen“, erinnert sich Diemelsees ehemaliger Bürgermeister Hans-Jürgen Fischer. Als er 1981 gewählt wird, greift Fischer den Gedanken, Licht ins Dunkel der Adorfer Unterwelt zu bringen, wieder auf. „Uns kam ein Zufall zur Hilfe“, betont er. Bei der Eröffnung des „Kilianstollens“ berichten die Marsberger, dass sie ABM-Kräfte zum Ausbau des Besucherbergwerks eingesetzt haben.

Bürgermeister und Knappen reisen kurze Zeit später zum Landesarbeitsamt nach Frankfurt und überzeugen die Beamten von ihrem „öffentlichkeitswirksamen Projekt“. Obwohl die im Haushalt veranschlagte Summe von 200 000 bis 300 000 Mark mit der Zusage des Arbeitsamtes gegenfinanziert werden kann, gilt es zunächst die Gemeindevertreter zu überzeugen. „Für die Kommune entstanden keine Kosten, aber trotzdem war das Vorhaben ein großes Abenteuer“, erklärt Fischer.

Dass der Ausbau am 3. September 1984 startet, „ist den Knappen zu verdanken – vor allem Gerhard Willeke als treibende Kraft.“ Die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Verein ist für Heino Klemme, langjähriger Schriftführer des Knappenvereins, das Erfolgsrezept. Schließlich hatte das Bergamt vom Knappenverein gefordert, einen Träger für das Besucherbergwerk zu finden, ergänzt Willeke. Bis zur Eröffnung des Besucherbergwerks „Grube Christiane“ vor 25 Jahren, am 17. Mai 1986, müssen die Partner jedoch zahlreiche Hürden überwinden: Um das Wasser aus der Grube zu leiten, muss der Abfluss zur Rhene freigelegt werden. Willeke kriecht in das Rohr. „Ich habe ihm wenigstens noch schnell ein Seil an den Fuß gebunden“, erzählt Fischer – zum Glück. Willeke: „Als ich plötzlich bis zum Hals im Dreck stand, dachte ich, da komme ich nicht mehr raus.“

 Die Betonwand vor dem Stollenzugang muss von Willeke gesprengt werden. Neugierig kriechen alle – auch die Experten des Bergamts – durch ein erstes kleines Loch in den Karl-Ludwig-Erbstollen. „Plötzlich ist der Rest der Wand hinter uns heruntergekracht“, denkt Willeke an die Schrecksekunde zurück.

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