Verfahren gegen 22-jährigen Kasseler wegen gefährlicher Körperverletzung im Korbacher Stadtpark

Ablauf nächtlicher Schlägerei liegt im Dunkeln

Korbach - Am 8. März diesen Jahres kam es nach 22 Uhr zu einer Schlägerei im Korbacher Stadtpark - darüber, wie genau diese ablief, wurden sich Angeklagter, Opfer und Zeugen vor dem Korbacher Amtsgericht am Mittwoch indes nicht einig.

Der 22-jährige Angeklagte selbst gab an, innerhalb weniger Stunden eine Flasche Wodka getrunken zu haben und sich an wenig zu erinnern - das Gedächtnis des Kasselers setze erst mitten in der „Käbbelei“ auf dem Boden wieder ein.

Abgesehen davon gibt es zwei Versionen der Geschichte. Beide stimmen darin überein, dass der bei der Schlägerei verletzte 17-Jährige im Stadtpark auf eine Gruppe junger Leute stieß, und der Angeklagte ihn letztlich schlug. Der 17-jährige Korbacher berichtete, der Angeklagte habe ihn zu sich gerufen und ihm seine Kappe weggenommen. Aus Aufforderungen, sie ihm zurückzugeben, sei die Bitte „Lass mich in Ruhe, ich will nach Hause gehen“ geworden, als der Angeklagte ihn fest am Ohr gezogen und angeschrien habe. Durch einen Schlag aufs Kinn sei der 17-Jährige zu Boden gegangen, wo der Angeklagte ihm aus dem Stand einen Tritt gegen den Kiefer verpasst habe. Ein Zeuge, der schon im Park war, als der Verletzte mit einem Freund auftauchte, bestätigte diese Version.

In der anderen Variante, die auch der besagte Freund so wiedergab, gingen beide jungen Männer zu Boden und attackierten sich gegenseitig. Auch drei während der laufenden Auseinandersetzung ankommende Korbacher sagten, beide auf dem Boden gesehen zu haben: „Sie lagen aufeinander, hatten sich gegenseitig im Schwitzkasten, schlugen, traten und bissen sich“, erklärte ein 18-jähriger Korbacher. Einer seiner Gefährten sagte aus, nur im Gesicht des Angeklagten Blut gesehen zu haben, nicht aber beim als Nebenkläger auftretenden 17-Jährigen. Indes beobachteten sie den im Dunkeln stattfindenden Streit aus einiger Entfernung.

Auch darüber, wie stark der Angeklagte alkoholisiert war, gab es unterschiedliche Einschätzungen, die von „Ich habe ihm nichts angemerkt“ bis „Er war voll besoffen“ reichten. Die beiden jungen Männer kannten sich zuvor nicht, mögliche Motive sind unklar: „Vielleicht suchte er einfach Streit“, spekulierte der 17-Jährige.

Eindeutig ist, wer von den beiden die schlimmeren Verletzungen davongetragen hat: Während dem 22-Jährigen das Sprunggelenk drei Wochen wehtat, erlitt der 17-Jährige einen zweifachen Kieferbruch sowie Prellungen an Nasenbein, Gesicht und dem Übergang von Hals auf Schulter. Nach kurzer Benommenheit sei er allein aufgewacht und blutüberströmt nach Hause gegangen. Daran, dass andere Zeugen mit ihm gesprochen haben, erinnerte er sich nicht.

Zuhause angekommen erzählte er seinem Bruder nichts von dem Vorfall, da er fürchtete, er würde die Situation falsch verstehen und ihn selbst verantwortlich machen. Nach einer wegen Schmerzen schlaflosen Nacht seien die beiden schließlich zur Polizei und ins Krankenhaus gefahren. Er wurde in Marburg operiert und vier Tage lang behandelt. Drei Monate lang habe er sich durch einen Strohhalm ernähren müssen. Zudem könne er den Mund nicht weit öffnen und habe Schmerzen beim Kauen. Ihn plagende Kopfschmerzen würden langsam besser.

Der Angeklagte zeigte sich betreten und entschuldigte sich: „Ich bedauere das Ganze sehr und wünsche dir gute Besserung.“ Nachdem er sich zuerst nicht äußern wollte, zeigte er sich kooperativ und bot an, weitere Zeugen des Vorfalls ausfindig zu machen - nicht alle der knapp 15 am Tatort Anwesenden sind bislang namentlich bekannt. Weitere Zeugen könnten aber bei einem Fortsetzungstermin am 26. September Licht ins Dunkel bringen.(wf)

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