Korbacher Pläne für Rathaus, Parkdeck, Stadtverwaltung und die Einkaufsmeile

Abschied vom Charme der 70er

Die künstlerische Gestaltung am Rathausanbau (l.) ist nur Fassadenkosmetik. Statt eines Neubaus gibt es Überlegungen, den über 40 Jahre alten Betonbau künftig abzureißen.Fotos: Kleine

Korbach - Korbach muss ran ans Werk der 70er-Jahre: Über 40 Jahre nach Beginn der Stadtsanierung soll das Zentrum vom Bahnhof bis zum Rathaus eine Frischzellenkur erfahren. Der Wettstreit der Ideen ist eröffnet.

Mit der Stadtsanierung seit Beginn der 1970er-Jahre krempelte die Hansestadt ihr Zentrum kräftig um. Vom damals neuen Rathausanbau bis zur Fußgängerzone am Ende der Bahnhofstraße formte sich Korbach völlig neu als moderne Einkaufsstadt.

Mitte der 80er-Jahre hatte die neue Innenstadt bis zum Bahnhof Gestalt angenommen. Korbach lockt seither als handelsstarkes Mittelzentrum mit weitläufiger Fußgängerzone - ein Markenzeichen im weiten Umkreis. Doch inzwischen ist an vielen Ecken nicht nur der Lack ab, sondern es geht an die Subs­tanz. Das Pflaster auf der Einkaufsmeile wird holprig, und vor allem das Parkdeck am Berndorfer Tor hat abgewirtschaftet.

Tatenlos waren Stadt und private Investoren in den vergangenen Jahren keineswegs. Der nagelneue Hanseplatz mit Geschäftszeile, Büros und Wohnungen am Bahnhof ist nur ein Beispiel. Mancher Betonkübel oder rostende Bänke sind aus Korbachs Wohnzimmer verschwunden. Die neue Treppe im Kern der Fußgängerzone, attraktive Neubauten von Sparkasse, Manhenke, Schreiber (Buchhandlung) und der Wal­decker Bank sind andere Beispiele.

Weitere Ideen gab es reichlich - ob Neugestaltung des Vorplatzes am Bahnhof, neues Geschäftshaus am Kopf des Parkdecks oder Umbaupläne am Schnittpunkt der Fußgängerzone mit der Prof.-Kümmell-Straße - dem „Scharnier“ zur Altstadt.

Die Tage des Parkdeckssind gezählt

Kasseler Studenten, aber auch private Projektentwickler haben sich an der Häuserzeile rund um das ehemalige Kaufhaus Konze an der Kümmell-Straße versucht, ebenso die Ten-Brinke-Gruppe, die in Frankenberg ein neues Geschäftszentrum aufbaut. Doch planerisch fehlt bislang der große Wurf, ein Gesamtkonzept für die Stadt, das seit vier, fünf Jahren in Korbach beschworen wird.

Die große Herausforderung: Ideen zur Stadtentwicklung mit Parlament, heimischen Händlern, Immobilienbesitzern, Investoren, aber auch externen Mietern in Einklang zu bringen. So bekunden beispielsweise Filialisten wie „H & M“ seit Jahren Interesse an der Hansestadt - wenn nur die geeigneten Geschäftsflächen in bester Lage verfügbar wären.

Parallel muss die Stadt wachsende Problemzonen aus der Welt schaffen: Die Tage des Parkdecks sind gezählt, und auch der Rathausanbau mit seiner bröckelnden Fassade hat sich weitgehend überlebt.

Ein Rathausplatz ohneBeton, aber mit Café

Wohin also führt der Weg der Stadtentwicklung? Aktuelle strategische Gedanken dazu skizzierte Bauamtsleiter Stefan Bub­lak zuletzt vor der Handelsgilde „Korbacher Hanse“.

Das Szenario für die Zukunft: Der Rathausanbau aus Beton wird abgerissen, das historische gotische Rathaus (14. Jahrhundert) steht als „Solitär“ künftig wieder frei. Davor öffnet sich ein echter Rathausplatz mit Raum für Gastronomie (Café), dahinter gibt es zur alten Rathausgasse neue Parkplätze. Das Gebäude der früheren Galerie Reinhardt an der Kümmell-Straße gehört inzwischen der Stadt und könnte abgerissen werden.

Weiter unterhalb an der Kümmell-Straße ist statt eines Altstadt-Centers mit Geschäftsbau und Parkdeck in Steillage ein völlig neuer Gedanke auf dem Tisch: altengerechte Wohnungen im Herzen der Stadt.

Derweil wandert das Gros der Stadtverwaltung aus dem Betonkasten am Rathaus in ein anderes Domizil. Kein Neubau auf der grünen Wiese, sondern eher am Rande der Altstadt. Gedanken kreisen etwa um ein Projekt gegenüber der Waldecker Bank, alternativ hat die SPD offenbar die Klosterschule ins Gespräch gebracht. Regie führt dort derzeit noch der Landkreis mit der Volkshochschule.

Ob ein Neubau am „Scharnier“ zur Altstadt möglich und bezahlbar ist? Ob sich Räume der alten Klosterschule für eine moderne Stadtverwaltung umbauen lassen? Ist ein neuer Belag für die Einkaufsmeile nicht überfällig? Für Stadtplaner, Parlament und Investoren gibt es knifflige Aufgaben zu lösen. Hinter den Kulissen ist in der Hansestadt jedenfalls vieles in Bewegung.

Der Prolog wird nicht mehr lange auf sich warten lassen: Das enge und marode Parkdeck am Berndorfer Tor soll abgerissen werden, um dort künftig ebenerdig möglichst viele neue Parkplätze zu schaffen. Vorher gilt es schon die nächsten Etappenziele der Stadtentwicklung auf der Meile zwischen Bahnhof und Rathaus abzustecken - ab durch die Mitte.

Kommentare