Korbach

Abwrackprämie macht Entsorgern viel Arbeit, bringt aber kaum Gewinn

- Als Kick für die Wirtschaft geplant, haben längst nicht alle von der Abwrackprämie profitiert: Lange Gesichter gab es bei den Entsorgern und Gebrauchtwagenhändlern – auch in Waldeck-Frankenberg.

Von Lutz Benseler

Viktor Baum macht sie alle platt: Ein Ächzen, ein Knirschen – und keine Minute später ist das, was einst ein Opel-Kleinwagen war, ein Volkswagen-Kombi oder eine Mercedes-Luxuslimousine, nur noch ein kleines Päckchen aus zusammengequetschtem Metall, dem später der Schredder noch den Rest gibt. Vor der alles zermalmenden Schrottpresse, die der Mitarbeiter der Entsorgungsfirma Gross in Korbach bedient, sind sie alle gleich.

Baum hat viel zu tun gehabt in diesem Jahr. Die Abwrackprämie bescherte dem Korbacher Unternehmen unerwarteten Zulauf. „Von Februar bis April waren die Boomzeiten, da hatten wir etwa das Doppelte an Fahrzeugen wie im Vorjahr“, sagt Dagmar Zimmermann, die im Büro die Verschrottungen abwickelt. Profitiert haben die Entsorger deutschlandweit von der Autoschwemme nur wenig: Durch das Überangebot an Altautos und die Folgen der Finanzkrise ist auch der Metallschrottpreis in den Keller gerutscht. Auch für die Verbraucher ist das spürbar: „Vor einem Jahr gab es noch Geld für die Altautos, jetzt können wir nichts mehr zahlen“, sagt Zimmermann. Andere Betriebe verlangten mittlerweile sogar Geld fürs Verschrotten.

Das hat die Waldeck-Frankenberger aber offenbar kaum davon abgehalten, ihre mindestens neun Jahre alten Schätzchen für 2500 Euro vom Staat scharenweise der Schrottpresse zu überlassen. Dabei hätte nicht einmal jedes Auto den frühen Tod verdient, schon allein aus finanziellen Gründen: „Da war schon mal ein Golf IV oder ein gut erhaltener Mercedes dabei. Bestimmt hätten einige mehr Geld bekommen, wenn sie ihr Auto stattdessen verkauft hätten“, sagt die Gross-Mitarbeiterin. Mittlerweile ist wieder Normalität eingekehrt auf dem Schrottplatz der Korbacher Entsorgungsfirma. Die große Abwrackwelle ebbt langsam ab.

Mehr lesen Sie in der WLZ am Mittwoch, 5. August 2009.

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