Sue Sewing aus Tennessee sucht in Waldeck-Frankenberg mit Erfolg nach den Spuren ihrer Vorfahren

Auf Ahnenforschung in Lengefeld

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Auf Ahnenforschung in Lengefeld: Matthias Uthoff, Sue Sewing, Diana Wolfram und Heinrich Friedewald von Kirchenvorstand und Ortsbeirat.

Korbach-Lengefeld - Fast 8000 Kilometer liegen hinter Sue Sewing: Mit einer Freundin hat sie sich auf den Weg von Tennessee nach Waldeck-Frankenberg gemacht, um die Spuren ihrer Vorfahren aufzuspüren. Station machte sie auch in Lengefeld.

Die Region kommt ihr bekannt vor, obwohl sie noch nie hier war. „Die Hügellandschaft, Kühe, Schweine, Felder, es ist fast wie zu Hause“, sagt Sue Sewing. Und die Erklärung dafür hat sie auch parat: „Als mein Ururgroßvater aus Berndorf ausgewandert ist, da hat er das Beste aus seiner Heimat einfach mitgenommen“, sagt sie schmunzelnd. Das ist nun viele Jahre her, und längst ist Familie Sewing in Tennesse zu Hause. Ihre Wurzeln aber liegen in Waldeck-Frankenberg. Denen wollte die Amerikanerin auf die Spur kommen und setzte sich deswegen ins Flugzeug. Begleitet wird sie von ihrer guten Freundin Diana Wolfram. „Ich war noch nie zuvor in Deutschland“, erzählt Sue Sewing, „aber jetzt wurde es Zeit“. Also nahm sie über den Verein „Familienforschung Osnabrück“, der einen Partnerverein in St. Louis hat, Kontakt nach Deutschland auf und landete bei Matthias Uthoff. Er machte sich schließlich mit den beiden Frauen auf die Suche und stieß dabei auch auf Waldeck-Frankenberg. „Wir fanden heraus, dass der Ururgroßvater mit seiner Tochter aus Berndorf auswanderte“, erzählt er. Also machten die beiden Urlauberinnen auf Ahnenforschung als Erstes Station in der Gemeinde Twiste. Dort warfen sie einen Blick ins Ortssippenbuch, was sie schließlich nach Lengefeld verschlug. „Die Mutter meines Ururgroßvaters war eine geborene Nebe und lebte in Lengefeld“, hat die Amerikanerin rausgefunden.

Wie das Leben dort aussah, erklärte ihnen bei ihrem Besuch Heinrich Friedewald, stellvertretender Ortsvorsteher in Lengefeld und Mitglied im Kirchenvorstand. „Wir wissen, dass eine Familie Nebe in Lengefeld zu Hause war“, erklärte er, „heute gibt es allerdings niemanden mehr hier, der so heißt.“ Das trübte die Freude der Gäste aus Tennessee aber nicht, schließlich hatten sie eine weitere Spur in die Vergangenheit ausgegraben. Ganz genau blickten sich die Damen in der Lengefelder Kirche um, versuchten, Inschriften zu entziffern, und nahmen Dokumente und das Ortssippenbuch von Heinrich Friedewald entgegen. „Jetzt muss ich nur noch Deutsch lernen, damit ich alles lesen kann“, sagt Sue Sewing in klingendem Englisch, „aber das hatte ich ohnehin vor.“ Ein paar Worte kennt sie schon, ein Deutschkurs ist geplant.

Vielen freundlichen Menschen sei sie auf ihrer Reise bereits begegnet, viel Hilfsbereitschaft habe sie bereits erfahren. Und gleichzeitig haben die Gäste aus den USA auch noch den ein oder anderen deutschen Weihnachtsmarkt erkundet.

Und warum der ganze Aufwand? „Ich will verstehen, wie meine Vorfahren gelebt haben, wie ihre Dorfgemeinschaft ausgesehen hat, was ihnen wichtig war“, erklärt Sue Sewing. Das helfe ihr, eine Basis für ihr eigenes Leben zu finden. Die Amerikanerin hat festgestellt: „Das Wissen über die Menschen, die vor mir lebten, vervollständigt mich.“

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