Stadtbus: Kritik aus dem Seniorenwohnheim Itterstraße, aber die Lösung für Fahrgäste liegt oft nahe

Alle Linien führen zum Bahnhof

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Die Haltestelle Itterstraße liegt direkt am „Wohnpark Südwall“. Bewohner beklagten eine zu lange Fahr- und Wartezeit zur Haltestelle am Friedhof.

Korbach - Mit Befragung von Fahrgästen, Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum Kunstwettbewerb will Korbach den Stadtbus verstärkt ins Rampenlicht rücken. Die geänderte Linienführung ist für manchen Fahrgast noch immer gewöhnungsbedürftig.

Mobilität auch ohne Auto, dies soll der Stadtbus bringen - vor allem für Schüler und ältere Menschen. Zugleich bleibt der Stadtbus ein erhebliches Verlustgeschäft, zumal der Landkreis seine früheren Zuschüsse gestrichen hat.

Ende 2012 ging in Korbach ein neues Stadtbussystem an den Start: mit neuem Busanbieter und stark geänderter Linienführung. Statt zwei Linien gibt es seither gleich fünf Linien in der Kernstadt. Die sollen mehr Effizienz bringen - und die Fahrgäste vor allem schneller vom Stadtrand ins Zentrum.

Für viele Nutzer gibt es mit dem neuen System deutliche Verbesserungen. Andere beklagen hingegen erheblich längere Fahr- und Wartezeiten bei ihren von früher gewohnten Touren.

Die Ursachen liegen mitunter im System, denn im Vordergrund steht eben eine möglichst kurze Verbindung zur Innenstadt. Aber vielfach ist es auch die Macht der Gewohnheit, die bei Fahrgästen zur Kritik führt. Denn eine besser geeignete Haltestelle des Stadtbusses liegt oft so nahe.

Der Grünen-Stadtverordnete Werner Welsch brachte zuletzt im Parlament ein Beispiel auf den Tisch: Bewohner des Seniorenwohnheims am Südwall hätten ihm berichtet, dass sie von der Haltestelle in der Itterstraße geschlagene 57 Minuten bis zur Haltestelle am Friedhof brauchten. Die Ursache sei eine 40-minütige Wartezeit beim Umsteigen am Bahnhof.

„Interessanterweise dauert der Rückweg ohne Umsteigen nur drei Minuten“, erklärte Welsch. Seine Fragen: Was gedenkt die Stadtverwaltung zu tun, „um diese von den Nutzern zu Recht kritisierten Missstände abzustellen“? Gibt es aktuelle Nutzerbefragungen und Fahrgastanalysen? Das wollte Welsch ebenfalls wissen.

Itterstraße bis Friedhof

Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland hatte eine naheliegende Lösung für die Bewohner an der Itterstraße: Dort hält Linie 3 wochentags regelmäßig zur Minute 56 - und erreicht schon nach acht Minuten die Haltestelle am Krankenhaus. Von dort seien es zu Fuß nur rund 250 Meter bis zum Friedhof.

Wem dieser Weg zu weit ist, der kann mit Linie 3 zum Hauptbahnhof weiterfahren, dort dann in Linie 4 umsteigen - und gelangt nach insgesamt 43 Minuten zur Haltestelle am Friedhof - nicht erst nach 57 Minuten. Der Rückweg von der Haltestelle Friedhof via Hauptbahnhof zur Itterstraße dauert auf „fast direkter Verbindung“ insgesamt 16 Minuten - und nicht drei Minuten.

Welschs Zahlenvorlagen waren also falsch, ein Blick in den Stadtbusplan hätte genügt. „Unter Berücksichtigung der notwendigen Kompromisse“ bei einem Stadtbussystem für eine Kernstadt wie Korbach „kann ein sofortiger Handlungsbedarf nicht erkannt werden“, argumentierte Vahland.

Ein Problem aus Sicht der Senioren im Wohnheim am Südwall/Ecke Itterstraße ist aber dennoch nachvollziehbar: Es gibt nicht immer einen direkten Weg von A nach B mit dem Stadtbus. Ein Fußweg von oder zu einer benachbarten Haltestelle ist manchmal nötig.

Marketing für den Bus

Die Stadtverwaltung möchte die Öffentlichkeitsarbeit für den Stadtbus deshalb mit Unterstützung durch eine Marketingagentur verstärken. Auch Befragungen von Fahrgästen, Passanten, Beschäftigten in Unternehmen und bei „Zielgruppen“ (etwa Lebenshilfe und ältere Menschen) seien vorgesehen. Dabei plant die Agentur sogar einen Kunstwettbewerb „Mein Stadtbus und ich“ - ob in Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen. Manche Kunstwerke sollen dann wechselweise den Stadtbus zieren.

Über die Ergebnisse aus Befragungen und Fahrgastanalysen will die Stadt dann informieren - und die Linien, wenn nötig, anpassen.

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