Elternabend an Schule · Diskussion mit Kreis · 300 Unterschriften gegen Schließung

„Alles in allem schlecht informiert“

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Eltern, Lehrer und Vertreter aus der Politik trafen sich in der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena, um über den Umgang der Kreisverwaltung mit den Bürgern zu diskutieren. Dass im Kreistag eine Schließung der Schule zur Debatte stand, hatten die Rhenaer erst

Korbach - Erst waren da Ärger und Zorn, dann kam das Unverständnis. Am Mittwochabend stand die erste Aussprache über eine drohende Schließung der Grundschule in Rhena an. Am Ende ging es nicht nur um Stilfragen, sondern auch um Chancen.

Wer einen Eindruck von einer aufgegebenen Schule gewinnen will, der muss am besten am Abend durch die Klassenräume gehen. Die Tische leer, die Stühle nebeneinandergestellt, die Kinderstimmen verstummt. Doch noch sind da Lebenszeichen in der Astrid-Lindgren-Schule in Rhena mit einer aktiven Schulgemeinde, die das Kämpfen um ihren kleinen Standort gewohnt ist und die sich von der Politik nicht einfach so abspeisen lassen will.

Im großen Saal lärmen die Erwachsenen. Sie treffen sich zur Aussprache. Es geht ihnen darum, Tacheles zu reden. Aus der Waldeckischen Landeszeitung hatten viele der Anwesenden (Lehrer, Eltern, Einwohner der umliegenden Ortsteile) erfahren, dass der Schulstandort Rhena zur Disposition stehen könnte. Inzwischen ist eine Entscheidung, die auch Eppe und Freienhagen betrifft, auf den 19. Dezember vertagt.

Trotzdem: Die Eltern der Schüler aus Alleringhausen, Bömighausen und Rhena sind verunsichert - und einige äußerst sauer. Solch einen Umgang mit ihnen hatten sie vonseiten des Landkreises nicht erwartet. Plötzlich sollen Investitionskosten zum Schließungsgrund werden, so ihr Eindruck.

„Alles in allem sind wir sehr schlecht informiert“, prangert Schulleiterin Mareike Bangert den Stil an und erntet Kopfnicken von den etwa 20 Eltern. Ortsvorsteher Friedrich Bunte sieht das ähnlich: „Wenn uns nicht der Redakteur der Landeszeitung angerufen hätte, wüssten wir das immer noch nicht“, ist er überzeugt.

Standort bis 2017 sichern

Seit Dezember 2011 tüfteln sie mit der Westwallschule an einem Konzept, das den Standort bis 2017 sichern soll. Doch beim Thema Verbundschule haben viele Bauchschmerzen, weil niemand weiß, wohin die Reise geht. Im schlimmsten Fall vom Regen direkt in die Traufe.

Alles halb so wild, wiegeln die Vertreter von SPD und Grünen ab. Die Vorlage, die im Oktober für Aufsehen gesorgt hatte, sei nur ein Diskussionspapier, das bislang überhaupt nicht zur Abstimmung gestanden habe. Günter Schmitt (SPD) und Grünen-Partnerin Christine Möller geben aber zu, dass die Kommunikation „einfach schlecht“ gewesen sei. Sie seien selbst überrascht worden. Zum Standort Rhena stehe die Kernkoalition aber.

Eine Einschränkung wirft Katharina Kappelhoff (SPD) in den Ring: Man müsse zunächst die Berechnungen des Gebäudemanagements abwarten, um einen Überblick über Investitionen (insbesondere in den Brandschutz) zu gewinnen. „Alles andere wäre unehrlich.“

Wilhelm Arnold (Freie Wähler) und Annegret Schultze-Ueber­horst (FDP) äußern ihr Misstrauen gegenüber dem Vorgehen. Hartmut Kobus (Linke) sieht die Geheimhaltungspflicht verletzt; Vertreter von CDU, Piraten oder Republikanern nehmen an dem Treffen nicht teil.

Bürgermeister Klaus Friedrich hält vor allem eins für nicht tolerabel: „So geht man nicht miteinander um. Meine Bitte ist, dass sie den politischen Willen zeigen, die Schulen erhalten zu wollen“, fordert er, auch mit Blick auf die Schule in Eppe. Für Probleme wie den Brandschutz ließen sich immer Lösungen finden.

Am Ende des rund zweistündigen Abends keimt bei den Beteiligten aber doch so etwas wie Hoffnung auf. Elternsprecher Wiechmann sieht gar neue Chancen für die Pädagogik: In kleinen Klassen könnten die Kinder besser gefördert werden. Bei einem Verbund von Kindergarten und Grundschule ergäben sich neue Chancen für die Betreuung. Der Ort könne gestärkt werden. Und Kinder aus Lelbach könnten nach Rhena in die Schule gehen. „Das Interesse ist schließlich vorhanden“, so Wiechmann. (den)

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